Dieses Fenster befindet sich auf der linken Seite des Chors und stellt aus mehreren Gründen eine Besonderheit der Antoniuskirche dar: Es wurde von Hans Stocker und Otto Staiger zusammen entworfen und ausgeführt. Die Darstellung des Heiligen Antonius beansprucht ein Viertel der Fensterfläche, was einer Verdopplung des Flächenanteils mit figürlicher Darstellung gegenüber den anderen Fenstern entspricht. Die Komposition der ornamentalen Rahmung ist nicht streng linear gegliedert, sondern weist verglichen mit den anderen Fenstern teilweise rundliche Formen auf. Auch durch seine Farbigkeit – warme Gold- und Rottöne – hebt sich das Fenster zusammen mit seinem Gegenüber auf der rechten Chorseite (vgl. BS_12) von den anderen Fenstern der Kirche ab.
Das Chorfenster hätte nach dem Wunsch von Pfarrer Hornstein bereits für die Benediktion der Kirche, die 1927 geplant war, fertig sein sollen. Hans Stocker und Otto Staiger hätten also nach ihren beiden ersten Fenstern (vgl. Bambino Gesù, BS_1 und Pietà, BS_11) das Chorfenster erstellen sollen (Christ, 1991, S. 91). Schlussendlich wurde es als letztes ausgeführt. Die Eidgenössische Kunstkommission sprach den beiden Künstlern im Februar 1929 ein Stipendium von CHF 3000.– für die Ausführung des Fensters zu (Christ, 1991, S. 91).
Im Rahmen der Arbeit an den Fenstern der Antoniuskirche ist das Probefeld (VMR_90) von Staiger entstanden, sehr wahrscheinlich als 1926 von beiden Künstlern ein ausgeführtes Teilstück eines Figurenfeldes zusammen mit den Entwürfen verlangt wurde.
Die Existenz eines weiteren Glasbildes aus dem Zusammenhang mit der Antoniuskirche wird durch einen Brief von Hans Jaeger an Pierre Fasel vom 7.12.1982 (Archiv des Vitromusée Romont) belegt: Die Glasmalerei von Stocker, gemäss Jaeger im Basler Privatbesitz, stammt aus der Antoniuskirche und zeigt einen Christuskopf. Es war auf Wunsch des Bischofs ausgewechselt worden.
Der 1926 schweizweit ausgeschriebene Wettbewerb mit dem Pariser Maurice Denis in der Jury stellte einen erstaunlichen Vorgang nach dem Wagnis des Kirchenbaus dar. Das Unterfangen der Verglasung dauerte insgesamt mehr als vier Jahre – vom Ausschreibungsbeginn am 2. März 1926, über den Eingabetermin des Wettbewerbs am 15. Juni 1926 bis zur Installation des letzten Glasgemäldes im Juni 1930 (Christ, 1991, S. 89; Anselmetti, 1983a, S. 39–40). Im Anschluss an den Wettbewerb setzte eine langwierige Phase der Entwurfsfindung und -überarbeitung ein, in der die beteiligten Gremien – namentlich die Baukommission sowie Vertreter der Diözese und der römisch-katholischen Kirche – die Konzeptionen von Staiger und Stocker wiederholt kritisch hinterfragten und weitreichende Korrekturen einforderten. Die beiden Künstler konnten während dieser nicht immer einfachen Zeit auf die Unterstützung von wichtigen Persönlichkeiten wie Robert Hess und dem Architekten Karl Moser zählen.
Die insgesamt zwölf monumentalen Glasgemälde, elf figürliche und ein abstraktes, stehen exemplarisch für die Moderne und gelten heute als Schlüsselwerke der Glasmalerei des 20. Jahrhunderts.
Erwähnt in:
Schmidt, 1927, S. 161–162 (Abb. der Entwürfe S. 136–137).
Hess, 1928/1929, S. 75–83.
Hess, 1944, S. 74 (Abb. S. 74, 75).
Anselmetti, 1983a.
Anselmetti, 1983b, S. 355–358.
Christ et al., 1991.
Huber, 1993, S. 504–506 (Abb. 505).
Möhle, 2025, S. 360.