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FR_23: Figurenscheibe um 1517: Hl. Wilhelm mit unbekanntem Stifter
(FR_Freiburg_MAHF_FR_23)

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Titel

Figurenscheibe um 1517: Hl. Wilhelm mit unbekanntem Stifter

Art des Objekts
Künstler / Hersteller
Räschi, Rudolf · zugeschrieben
Datierung
1517

Ikonografie

Beschreibung

Vor feinem blauem Rankengrund, über den ein orangefarbener Damastteppich mit wolkigem Muster gespannt ist, steht der hl. Wilhelm von Maleval auf dem Rasenboden. Der Heilige trägt eine stahlblaue Rüstung, darüber das Bussgewand, ein graues Skapulier, und einen purpurfarbenen Mantel. Gemäss der Legende hatte sich der Heilige nämlich nach einem ausgelassenen, ungebundenen Jugendleben in eine unabnehmbare Rüstung einschmieden lassen und war nach Rom und ins Heilige Land gepilgert. Von dort zurückgekehrt liess er sich in Maleval bei Siena in der Einöde nieder. An seinem Grab gründeten seine Schüler später den Wilhelmitenorden. Um die rechte Hüfte trägt der Heilige das Schwert gebunden, in der Linken hält er die Halbarte. Das nimbierte bärtige Haupt deckt eine Pelzkappe. Er wendet sich dem kleinfigurigen Stifter zu, der rechts zu Füssen des Heiligen kniet und in beiden Händen das Gebetbuch hält. Chorkleid und Tonsur weisen ihn als Mönch oder Kleriker aus. Den Rahmen bilden blaugraue schmale Säulen mit rundlichen Basen und Kapitellen, über denen in den Oberbildern vor Rankengrund links Maria mit dem Kind – wohl als Anspielung an die einstige Marienkapelle –, rechts die hl. Barbara mit dem Kelch stehen.

Iconclass Code
11F4 · Madonna; d.h. Maria mit dem Christuskind
11H(WILLIAM OF MALEVAL) · der Eremit Wilhelm von Maleval (der Große); mögliche Attribute: Buch, Harnisch, Drachen unter den Füßen, Helm, Schild, Rosenkranz, Taustab
11HH(BARBARA) · Barbara, jungfräuliche Märtyrerin; mögliche Attribute: Buch, Kanone(nkugel), Krone, Kreuz, Kelch mit Hostie, Dioscuros (ihr Vater), Pfauenfeder, Schwert, Fackeln, Steinmetzwerkzeuge, Turm
7(+5) · Bibel (+ Stifter, Bittsteller (auf jeden Fall mit heiligen Patronen))
Iconclass Stichworte
Inschrift

Inschrift: Im Nimbus: S. WILHELM BIT GOT FVR VNS.

Signatur

Keine

Technik / Zustand

Erhaltungszustand und Restaurierungen

Erhaltung: Wenige Notbleie. Sonst sehr gut erhalten. Restaurierungen: 1882/83: Karl Wehrli, Zürich.

Technik

Farbloses, blaues, blaugraues, oranges, purpurfarbenes und grünes Glas. Bemalung mit Schwarzlot und Silbergelb.

Entstehungsgeschichte

Forschung

Wie Alfons Brügger schon 1972 bemerkte, handelt es sich bei dem Stifter in der weissen Chorkleidung möglicherweise um einen Augustinermönch. Die Augustiner besassen ursprünglich die Pfrundrechte in Düdingen und führten einen 17 Jahre lang dauernden, 1509 immer noch nicht beendeten Prozess mit der Pfarrei St. Nikolaus, welche die Kollatur schliesslich übernahm. Die Scheibe könnte daher tatsächlich von einem Augustiner namens Wilhelm zur Erinnerung gestiftet worden sein. Der Name Wilhelm war allerdings weit verbreitet, und zu Beginn des 16. Jahrhunderts gab es auch einige Kleriker mit einem Bezug zur Region und zur Kapelle. Zu diesen gehörte der Pfarrer Wilhelm Burger von Düdingen, der den Neubau der Wolfgangkapelle angeregt hatte, aber schon 1499 resignierte und 1510 verstarb, ohne die Erweiterungsbauten miterlebt zu haben. Er gehörte sicher zu den angesehensten und tatenreichsten Gottesmännern in Düdingen (Thürler 1998. S. 39–49, Nr. 10; Brügger 1996. S. 14). Eine posthume oder eine erneuerte Stiftung Wilhelm Burgers ähnlich wie jene Petermann de Faucignys (FR_25) kann also auch hier nicht ausgeschlossen werden. Innerhalb der Serie muss ebenfalls eine Stiftung des Kaplans Wilhelm von Neuhaus existiert haben, deren Inschrift im 19. Jahrhundert in die Wappenscheibe Petermann de Faucignys (FR_25) eingeflickt und mit falschem Datum ergänzt, aber später wieder entfernt wurde (vgl. Bergmann 2014. Bd. 2. Abb. 25.1). Aufgrund der Grösse der vorliegenden Scheibe, die wie die anderen zwischen 44 und 45 cm in der Höhe misst, ist es jedoch nicht denkbar, dass die hier behandelte Wilhelm-Scheibe ehemals eine Inschrifttafel besessen hat. Von den aus der Kapelle St. Wolfgang stammenden Scheiben trägt nur eine das Datum 1517 (FR_21). Da der Glasmaler Rudolf Räschi in diesem Jahr auch eine Stiftung der Stadt Freiburg in die Kapelle von St. Wolfgang ausführte (SR 229, 1517/I, fol. 21v, zitiert bei Anderes 1963. S. 213, Nr. 259), ist anzunehmen, dass er auch die Scheiben der privaten Stifter dorthin schuf. Leider hat sich die Scheibe der Stadt Freiburg nicht erhalten. Trotz dieser eher unsicheren Ausgangslage bilden die Scheiben aus St. Wolfgang den Ausgangspunkt für sämtliche Zuschreibungen an den Freiburger Glasmaler (vgl. Bergmann 2014. S. 348). Tatsächlich entsprechen die überlieferten Traditionen in der Regel der Tatsache, dass eine zusammengehörige Serie von Glasgemälden von einem Glasmaler geschaffen wurde und nur selten durch die Schenkung einer von einem anderen Glasmaler ausgeführten Scheibe ergänzt wurde (vgl. FR_172).

Datierung
1517
Eingangsdatum
1882
Stifter

Unbekannt

Schenker / Verkäufer

Kapelle St. Wolfgang, Düdingen

Ursprünglicher Standort
Herstellungsort
Eigentümer

Musée d’art et d’histoire Fribourg (e-collection MAHF)

Vorbesitzer

Kapelle St. Wolfgang, Düdingen

Inventarnummer
MAHF 4389

Bibliografie und Quellen

Literatur

Grangier, Louis. Catalogue du Musée Marcello et des autres oeuvres d’art faisant partie du Musée cantonal de Fribourg. Fribourg 1887. S. 29, Nr. E 60 (irrtümlich als St-Jacques).

Lehmann, Hans. Zur Geschichte der Glasmalerei in der Schweiz. (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich Bd. 26, Heft 4–8, 1906–1912) Zürich 1906–1912. S. 393–394.

Anderes, Bernhard. Die spätgotische Glasmalerei in Freiburg i. Ü. Freiburg 1963. S. 138–140, 187, Nr. 95, Abb. 114.

Brügger, Alfons. Geschichte der Kapelle St. Wolfgang im Üchtland 1492–1972. Hrsg. von der Pfarrei Düdingen. In: Beiträge zur Heimatkunde 42, 1972. S. 17-18.

Borgeaud, Georges, Pierre Fasel, Peter Friedli. Musée du vitrail. Fribourg 1981. S. 33, Nr. 19.

A. F(ässler). Alte und neue Glasmalerei. Das Musée du vitrail in Romont. SA aus: Sandoz-Bulletin 66, 1983. S. 18–28. S. 22–23, Abb. 8.

Dousse, Antoine. Schweizerisches Museum für Glasmalerei in Romont. Fribourg 1984. S. 3.

Gasser, Stefan, Katharina Simon-Muscheid und Alain Fretz. Mit Fotografien von Primula Bosshard. Die Freiburger Skulptur des 16. Jahrhunderts. Herstellung, Funktion und Auftraggeberschaft. 2 Bde. Petersberg 2011. Bd. 1. S. 275.

Bergmann, Uta. Die Freiburger Glasmalerei des 16.–18. Jahrhunderts / Le vitrail fribourgeois du XVIe au XVIIIe siècle (Corpus vitrearum Schweiz, Reihe Neuzeit, Bd. 6 / époque moderne vol. 6). 2 Bde / vol. Bern et al. 2014. Bd. 2. Kat.-Nr. 23.

Vgl.

Thürler, Athanas. Geschichte der Pfarrei Düdingen. Die Biographien der Geistlichen (XIII.–XX. Jahrhundert). 2. erweiterte Auflage 1998.

Brügger Alfons. Wallfahrtskapelle St. Wolfgang im Uechtland. Lindenberg und Luzern 1996.

Weiteres Bildmaterial

SNM Zürich 6354

Bildinformationen

Name des Bildes
FR_Freiburg_MAHF_FR_23
Fotonachweise
© MAHF (Foto: Primula Bosshard)
Copyright
© Musée d'art et d'histoire Fribourg (MAHF)

Inventar

Referenznummer
FR_23
Autor und Datum des Eintrags
Uta Bergmann 2015

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