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In einem früheren Überlieferungszustand war auf der Rückseite des Kartons ein Zettel aufgeklebt mit der Beischrift in hellbrauner Tinte: “[Is] arael. Van M[eckenem]”. Hierbei handelt es sich nach Rowlands (1993) um einen späteren Zusatz, der wohl nach der Beschneidung des Blattes angebracht wurde. Rowlands (1993) identifizierte aufgrund der Borax-Pfeife am unteren Rand des Blattes neben dem Wappen Urs Graf als Urheber der Zeichnung. Die Borax-Pfeife verwendete Graf in seiner frühen Schaffenszeit als Zusatz zur Signatur, womit er auf seine Profession als Goldschmied verweist. Das Symbol findet sich zum Beispiel auf einer Zeichnung mit dem heiligen Antonius im Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel (Inv. U.X.100) und auf anderen Zeichnungen kurz nach 1507. Der Stil des Scheibenrisses, wie die kräftige Schattengebung oder die dominante Parallelschraffur, ist vergleichbar mit zeitgenössischen Zeichnungen des Künstlers, beispielsweise mit dem Bildnis eines Mannes mit Taschensonnenuhr (London British Museum Inv. 1978.91), das um 1505/08 datiert wird (Rowlands, 1993). Ab 1509 ist Graf in Basel nachweisbar (Andersson, 1998; Mensger, 2020, S. 95; Butts & Hendrix, 2000, S. 284). 1511 war er als Geselle beim Basler Glasmaler Hans Heinrich Wolleb tätig. Ausserdem muss er sich 1509 wohl auch in seiner Vaterstadt Solothurn aufgehalten haben, wo er das Wappen der Schmiedezunft auf das Titelblatt des Zunftprotokolls (Solothurn, Kunstmuseum und Zentralbibliothek Solothurn, ZBS S | 5) malte (Andersson, 1998; Zetter-Collin, 1901–1902; S. 281; Major, 1907, S. 9). Der vorliegende Scheibenriss dürfte vielleicht bei diesem Aufenthalt entstanden sein. Hierauf verweist das Wappen, das nach Rowlands mit der Solothurner Familie zur Schmitten zu verbinden ist (Rowlands, 1993). Das Wappen ist als Allianzwappen Wielstein-zur Schmitten in der Exlibris-Sammlung von Wegmann in der Zentralbibliothek Zürich nachgewiesen (Wegmann, 1933–1937, 2. Bd., S. 287–288). Es bezieht sich hierbei auf Elsbeth [Elisabeth] zur Schmitten, mit ledigem Namen Babenberg, die in erster Ehe mit Henmann zur Schmitten und in zweiter Ehe mit Urs Wielstein (vor 1535 – 1578) Schultheiss von Solothurn verheiratet war (vgl. dazu Kessel, 2017 und Freddi, 2013). Beim Stifter des Risses könnte es sich folglich um einen Vorfahren von Henman zur Schmitten handeln, über letzteren ist nichts weiter bekannt. Das Wappen konnte bislang nicht weiter nachgewiesen werden.
Auf der Rückseite hat Hans Rudolf Lando notiert, dass er das Blatt 1605 bei Ludwig Koch gekauft hat und nicht, wie Rowlands (1993) schreibt, bei Christoph von Ludwigburg. Wie eine Überprüfung der Inschrift auf der Rückseite ergeben hat, hat Rowlands die Aufschrift falsch entziffert. In diesem Jahr kaufte der Berner Glasmaler Lando mehrere Scheibenrisse bei seinem Berner Kollegen Ludwig Koch (Gartenmeister, 2019, S. 56).
Datation
um 1509
Période
1507 – 1518
Commanditaire / Donateur·trice
zur Schmitten, Solothurn, Mitglied der Familie