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SR_36: Riss zu Wappenscheibe zur Schmitten mit Daniel in der Löwengrube und Prophet Habakuk
(GBR_London_BritishMuseum_SR_36)

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Titel

Riss zu Wappenscheibe zur Schmitten mit Daniel in der Löwengrube und Prophet Habakuk

Art des Objekts
Masse
29.7 x 21.5 cm
Künstler:in / Hersteller:in
Datierung
um 1509
Standort
Inventarnummer
1952,0405.8
Forschungsprojekt
Autor:in und Datum des Eintrags
Marion Gartenmeister 2023

Ikonografie

Beschreibung

Scheibenriss in Form eines Rundbogens, der als Rahmung das Mittelbild mit der alttestamentlichen Szene aus der Geschichte Daniels einfasst. Links im Vordergrund kniet der Prophet Daniel zwischen Löwen, von links nähert sich Habakuk, der von einem Engel an den Haaren herbeigezogen wird. Habakuk bringt Daniel Essen in einem Pokal und einer Tasche (Dan. 6 und 14,23–41). Im Hintergrund wird eine fein ausgearbeitete bergige Landschaft gezeigt. An den Pfeilern des Rundbogens stehen auf Konsolen links ein Fahnenträger in Rüstung mit dem Schweizer Banner und rechts eine Königin mit Buch und Schwert, welches die heilige Katharina sein könnte.
Rechts im Vordergrund das Wappen der Familie zur Schmitten. Nur noch fragmentarisch sichtbar ist die Künstlersignatur am unteren Rand, links des Wappens. In feinen und eher eckigen schwarzen Tintenstrichen sind die Figuren erfasst. Parallel- und Kreuzschraffuren verleihen der Zeichnung Körperlichkeit.
Auf der Rückseite befindet sich der Eigentumsvermerk Hans Rudolf Landos.

Iconclass Code
11HH(CATHERINE)1 · Katharina von Alexandrien, jungfräuliche Märtyrerin; mögliche Attribute: Buch, Krone, Kaiser Maxentius, Palmwedel, Ring, Schwert, Rad - besondere Darstellungsformen einer weiblichen Heiligen
44BB113 · König - BB - weiblicher Herrscher
45B · der Soldat; Soldatenleben
45D12 · Fahnenträger (beim Militär)
71P4333 · der Prophet Habakuk, der von einem Engel an seinen Haaren herbeigetragen wird, bringt Speisen zu Daniel, der unversehrt inmitten der Löwen sitzt
Iconclass Stichworte
Heraldik

zur Schmitten

Inschrift

10 (auf der Vorderseite unten rechts mit Bleistift)
Erkauffdt von Ludwig Koch durch mich HRLando 1605 Jars (auf der Rückseite in brauner Tinte)

Signatur

Borax-Pfeife als Teil der Signatur erhalten

Materialien, Technik und Erhaltungszustand

Technik

Feder in Braun und Schwarz.

Erhaltungszustand und Restaurierungen

Wasserzeichen nicht ermittelt.
Vertikal- und Horizontalknick. Keine Randlinien.
Stark beschädigt und unten beschnitten. Extrablatt, das aufgeklebt war, ist noch erhalten. Siehe unten Entstehungsgeschichte.

Entstehungsgeschichte

Forschung

In einem früheren Überlieferungszustand war auf der Rückseite des Kartons ein Zettel aufgeklebt mit der Beischrift in hellbrauner Tinte: “[Is] arael. Van M[eckenem]”. Hierbei handelt es sich nach Rowlands (1993) um einen späteren Zusatz, der wohl nach der Beschneidung des Blattes angebracht wurde. Rowlands (1993) identifizierte aufgrund der Borax-Pfeife am unteren Rand des Blattes neben dem Wappen Urs Graf als Urheber der Zeichnung. Die Borax-Pfeife verwendete Graf in seiner frühen Schaffenszeit als Zusatz zur Signatur, womit er auf seine Profession als Goldschmied verweist. Das Symbol findet sich zum Beispiel auf einer Zeichnung mit dem heiligen Antonius im Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel (Inv. U.X.100) und auf anderen Zeichnungen kurz nach 1507. Der Stil des Scheibenrisses, wie die kräftige Schattengebung oder die dominante Parallelschraffur, ist vergleichbar mit zeitgenössischen Zeichnungen des Künstlers, beispielsweise mit dem Bildnis eines Mannes mit Taschensonnenuhr (London British Museum Inv. 1978.91), das um 1505/08 datiert wird (Rowlands, 1993). Ab 1509 ist Graf in Basel nachweisbar (Andersson, 1998; Mensger, 2020, S. 95; Butts & Hendrix, 2000, S. 284). 1511 war er als Geselle beim Basler Glasmaler Hans Heinrich Wolleb tätig. Ausserdem muss er sich 1509 wohl auch in seiner Vaterstadt Solothurn aufgehalten haben, wo er das Wappen der Schmiedezunft auf das Titelblatt des Zunftprotokolls (Solothurn, Kunstmuseum und Zentralbibliothek Solothurn, ZBS S | 5) malte (Andersson, 1998; Zetter-Collin, 1901–1902; S. 281; Major, 1907, S. 9). Der vorliegende Scheibenriss dürfte vielleicht bei diesem Aufenthalt entstanden sein. Hierauf verweist das Wappen, das nach Rowlands mit der Solothurner Familie zur Schmitten zu verbinden ist (Rowlands, 1993). Das Wappen ist als Allianzwappen Wielstein-zur Schmitten in der Exlibris-Sammlung von Wegmann in der Zentralbibliothek Zürich nachgewiesen (Wegmann, 1933–1937, 2. Bd., S. 287–288). Es bezieht sich hierbei auf Elsbeth [Elisabeth] zur Schmitten, mit ledigem Namen Babenberg, die in erster Ehe mit Henmann zur Schmitten und in zweiter Ehe mit Urs Wielstein (vor 1535 – 1578) Schultheiss von Solothurn verheiratet war (vgl. dazu Kessel, 2017 und Freddi, 2013). Beim Stifter des Risses könnte es sich folglich um einen Vorfahren von Henman zur Schmitten handeln, über letzteren ist nichts weiter bekannt. Das Wappen konnte bislang nicht weiter nachgewiesen werden.
Auf der Rückseite hat Hans Rudolf Lando notiert, dass er das Blatt 1605 bei Ludwig Koch gekauft hat und nicht, wie Rowlands (1993) schreibt, bei Christoph von Ludwigburg. Wie eine Überprüfung der Inschrift auf der Rückseite ergeben hat, hat Rowlands die Aufschrift falsch entziffert. In diesem Jahr kaufte der Berner Glasmaler Lando mehrere Scheibenrisse bei seinem Berner Kollegen Ludwig Koch (Gartenmeister, 2019, S. 56).

Datierung
um 1509
Zeitraum
1507 – 1518
Stifter:in

zur Schmitten, Solothurn, Mitglied der Familie

Provenienz

Eigentümer:in

London British Museum

Vorbesitzer:in

Vor 1605 Ludwig Koch, Bern (1577 – vor 1613) · ab 1605 Hans Rudolf Lando, Bern (1584–1646) · im 19. Jh. William F. Webb (Grossbritannien 1859–1899) und Herbert Charles Chermside (Grossbritannien 1850–1929), der Schwiegersohn von W. F. Webb · zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbte Richard Gatty, den Nachlass und verkaufte diesen an den National Art Collections Fund (heute Art Fund) · 1952 wurde die Zeichnung vom Britischen Museum in London angekauft

Vorbesitzer:in (strukturiert)
Von [Eingangsjahr unbekannt] bis 1605: Koch, Ludwig, Bern (Schweiz)
Von 1605 bis 1646 (ca.): Lando, Hans Rudolf, Bern (Schweiz)

Bibliografie und Quellen

Literatur

Andersson, C. (1998). Graf, Urs (Ursus) (der Ältere, I). SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz, Abgerufen von: https://www.sikart.ch/kuenstlerinnen.aspx?id=4022809.

Butts, B. & Hendrix, L. (2000). Painting on light. Drawings and stained glass in the age of Dürer and Holbein. Los Angeles: The J. Paul Getty Trust.

Freddi S. (29.10.2013). Urs Wielstein. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), abgerufen von: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/017496/2013-10-29.

Gartenmeister, M. (2019). "Erkauffdt durch mich HRLando", Der Glasmaler Hans Rudolf Lando als Sammler von Scheibenrissen. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 76 (3), 51–74, https://doi.org/10.5169/seals-846965.

Kessel. P. (2017). Historisches Familienlexikon der Schweiz. Abgerufen von: www.hfls.ch.

Major, E. (1907). Urs Graf : ein Beitrag zur Geschichte der Goldschmiedekunst im 16. Jahrhundert. J.H. Ed. Heitz 1907.

Mensger A. (Hg.) (2020). Lichtgestalten: Zeichnungen und Glasgemälde von Holbein bis Ringler. Kunstmuseum Basel; Basel u. München: Hirmer.

Rowlands, J. (1993). Katalog Nr. 289. In J. Rowlands, Drawings by German Artists and Artists from German-speaking regions of Europe in the Department of Prints and Drawings at the British Museum: the Fifteenth Century, and the Sixteenth Century by Artists born before 1530. London, BM Press. Abgerufen von: https://www.britishmuseum.org/collection/object/P_1952-0405-8.

Wegmann, A. (1933–1937). Schweizer Exlibris bis zum Jahre 1900. Verlag der Schweizer Bibliophilen Gesellschaft.

Zetter-Collin, F.A. (1901–1902). Urs Graff der Meister: Klarlegung seiner Familienverhältnisse für Solothurn. Anzeiger für schweizerische Altertumskunde: Neue Folge, 3(4), 277–290.https://doi.org/10.5169/SEALS-157434.

Weiteres Bildmaterial

Bildinformationen

Name des Bildes
GBR_London_BritishMuseum_SR_36
Fotonachweise
© The Trustees of the British Museum. Shared under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International (CC BY-NC-SA 4.0) licence.
Link zum Originalfoto

Zitiervorschlag

Gartenmeister, M. (2023). Riss zu Wappenscheibe zur Schmitten mit Daniel in der Löwengrube und Prophet Habakuk. In Vitrosearch. Aufgerufen am 19. Oktober 2026 von https://vitrosearch.ch/objects/2722126.

Informationen zum Datensatz

Referenznummer
SR_36