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Ein mit dem Doppelmonogramm von Tobias Stimmer und Christoph Murer versehener Scheibenriss von 1592 im Museum in Dijon (Inv. Nr. XIII-945) zeigt ein identisches Mittelbild, jedoch mit einer abweichenden Inschrift in der oberen Kartusche (Vignau-Wilberg, 1982, S. 27). Im Städelmuseum in Frankfurt wird ein weiterer Scheibenriss von Christoph Murer mit dem gleichen Motiv aufbewahrt (Inv. Nr. 13272). Dieser hat die alttestamentliche Geschichte des Tobias mehrfach als Thema für Bibelscheiben aufgegriffen. Unter anderem wird im Kunsthaus Zürich eine Folge von sechs Scheibenrissen aufbewahrt, zu der sich im Victoria & Albert Museum in London zwei Scheiben erhalten haben (Inv. Nr. C.569-1921 und C. 567-1921). Weiter wird in der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum ein Riss mit der Hochzeit von Tobias und Sara aufbewahrt (BHM 20036.402; Hasler, 1996/1997, 2. Bd., S. 199).
Die ältere Forschung schrieb den Scheibenriss Werner Kübler d. J. zu (Galerie Fischer und Laube, 1995, S. 105; Schweizerisches Landesmuseum, 1995, S. 26). Dagegen erkannte Canestrini den Stil des Berner Glasmalers Niklaus von Riedt (Canestrini, 2000, S. 163). Ausserdem dürfte das Blatt, wie die beiden Wappen nahelegen, wohl in Bern in Auftrag gegeben worden und nach 1592 entstanden sein.
Das linke Wappen ist der Glasmalerfamilie Schmalz zuzuweisen, die ab der Reformation im Kanton Bern nachweisbar ist (HBLS, 6. Bd., S. 200; Wappenbuch der bernischen burgerlichen Geschlechter, 1684, [S. 223]). In den schriftlichen Quellen zu den Wappenschenkungen in Bern sind verschiedene Aufträge an Mitglieder der Familie Schmalz nachgewiesen, unter anderem wurde ein Hans Rudolf Schmalz von der Stadt Nidau 1612/13 und 1617/18 für mehrere Glasgemälde bezahlt (Hasler & Keller, 2016). Eine Wappenscheibe konnte hingegen keinem Mitglied der Glasmalerfamilie Schmalz sicher zugeschrieben werden. Das rechte Wappen ist der Familie Koch zuzuweisen, die in Bern seit dem Ende des 15. Jahrhunderts nachweisbar ist (HBLS, 4. Bd., S. 518; Wappenbuch der bernischen burgerlichen Geschlechter, 1684, [S. 70]). Im Bernischen Historischen Museum hat sich eine Wappenscheibe Peter Koch von 1587 erhalten (BHM 4983, BE_1136). Peter Koch war Falkenwirt in Bern. Er wurde 1550 Mitglied des Grossen Rats, 1560 Gubernator von Aigle und 1568 Vogt zu Oron. Er starb allerdings 1598 und kommt daher für den Auftrag des Scheibenrisses nicht in Frage. Neben weiteren Mitgliedern der Familie Koch käme auch der Glasmaler Ludwig Koch (Taufe 1577–vor 1613) als Stifter in Betracht. Ihm konnte die Forschung bislang kein Glasgemälde zuweisen, jedoch wurde er laut Quellen für ein Wappen in die Kirche von Aarberg 1603 bezahlt (Keller-Ris, 1915, S.166). Weiter wird ihm ein Scheibenriss mit der Anbetung der heiligen drei Könige zugeschrieben, der im Bernischen Historischen Museum aufbewahrt wird (BHM 21450; BE_1705; Gartenmeister, 2019, S. 56). Fassbar ist er vor allem als Besitzer von Scheibenrissen. Hans Rudolf Lando kaufte 1605, gemäss den Aufschriften auf der Rückseite der Scheibenrisse, mehr als 50 Blätter bei Ludwig Koch (Gartenmeister, 2019, S. 56). Auch der vorliegende Scheibenriss trägt unterhalb der leeren Inschriftenkartusche den Eigentumsvermerk Hans Rudolf Landos von 1605. Das Blatt ist fest auf Karton montiert, sodass ein möglicher Kaufvermerk Landos auf der Rückseite nicht einsehbar ist.
Datation
1592–1605
Période
1592 – 1605
Commanditaire / Donateur·trice