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BE_9020: Riss zu Bildscheibe Schmalz und Koch mit Heilung des Tobias (Tobit)
(ZH_Zuerich_SNM_BE_9020)

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Title

Riss zu Bildscheibe Schmalz und Koch mit Heilung des Tobias (Tobit)

Type of Object
Dimensions
25.3 x 18.0 cm
Artist / Producer
Dating
1592–1605
Location
Inventory Number
LM 74762
Research Project
Author and Date of Entry
Marion Gartenmeister 2023

Iconography

Description

In einem ovalen Beschlag- und Rollwerkrahmen wird die alttestamentliche Szene aus dem apokryphen Buch Tobit gezeigt, wie Tobias seinen blinden Vater Tobit heilt (Tobit 11). Tobit sitzt auf einem Stuhl während Tobias sich ihm von links nähert und dessen Augen mit Fischgalle beträufelt, um sie zu heilen. Rechts von Tobit steht der Erzengel Raphael, der Tobias auf seiner Reise begleitet hat. Links hinter Tobias schaut Hanna, seine Mutter, der Heilung zu.
Der ornamentale Rahmen trägt oben eine Kartusche mit der Legende zur dargestellten Szene. Die Kartusche unten ist leer gelassen. Sie wird von den Wappen der Berner Familien Schmalz und Koch begleitet.
Unterhalb der Randlinien hat Hans Rudolf Lando seinen Eigentumsvermerk angebracht.
Der Riss ist in feinen Tintenlinien ausgeführt und mit grau laviert. Die beiden Wappen sind zusätzlich farblich aquarelliert.

Iconclass Code
46A122 · armorial bearing, heraldry
71T77 · the healing of Tobit: Tobias puts the gall of the fish on his father's eyes
Iconclass Keywords
eye · fish · gall · healing
Heraldry

Wappen Schmalz und Koch

Inscription

Tobias dessen heym Ket komen, Gras? pernis? syn schreen danach genommen, Syn Vatter er hatt fr? gmacht darum sy Gott lobend tag und nacht. Tobia im XI Capitel. (Kartusche oben)
HRLando 1605 (am unteren Bildrand)
Nimm die Flügel dem Engel – und schön wird Dir der entwurfy seyn / alle Stellungen Scheinen und Wahrheit alle gefährden. L. 1799 8 (Beschriftung von Johann Caspar Lavater unter der Kaschierung)

Signature

keine

Materials, Technique and State of Preservation

Technique

Schwarze Feder, grau laviert, die Wappen aquarelliert.
Vergé-Papier

State of Preservations and Restorations

Randlinien
Vertikalknick. Riss wurde in früheren Zeiten ausschnitten und auf einen Karton geklebt.

History

Research

Ein mit dem Doppelmonogramm von Tobias Stimmer und Christoph Murer versehener Scheibenriss von 1592 im Museum in Dijon (Inv. Nr. XIII-945) zeigt ein identisches Mittelbild, jedoch mit einer abweichenden Inschrift in der oberen Kartusche (Vignau-Wilberg, 1982, S. 27). Im Städelmuseum in Frankfurt wird ein weiterer Scheibenriss von Christoph Murer mit dem gleichen Motiv aufbewahrt (Inv. Nr. 13272). Dieser hat die alttestamentliche Geschichte des Tobias mehrfach als Thema für Bibelscheiben aufgegriffen. Unter anderem wird im Kunsthaus Zürich eine Folge von sechs Scheibenrissen aufbewahrt, zu der sich im Victoria & Albert Museum in London zwei Scheiben erhalten haben (Inv. Nr. C.569-1921 und C. 567-1921). Weiter wird in der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum ein Riss mit der Hochzeit von Tobias und Sara aufbewahrt (BHM 20036.402; Hasler, 1996/1997, 2. Bd., S. 199).
Die ältere Forschung schrieb den Scheibenriss Werner Kübler d. J. zu (Galerie Fischer und Laube, 1995, S. 105; Schweizerisches Landesmuseum, 1995, S. 26). Dagegen erkannte Canestrini den Stil des Berner Glasmalers Niklaus von Riedt (Canestrini, 2000, S. 163). Ausserdem dürfte das Blatt, wie die beiden Wappen nahelegen, wohl in Bern in Auftrag gegeben worden und nach 1592 entstanden sein.
Das linke Wappen ist der Glasmalerfamilie Schmalz zuzuweisen, die ab der Reformation im Kanton Bern nachweisbar ist (HBLS, 6. Bd., S. 200; Wappenbuch der bernischen burgerlichen Geschlechter, 1684, [S. 223]). In den schriftlichen Quellen zu den Wappenschenkungen in Bern sind verschiedene Aufträge an Mitglieder der Familie Schmalz nachgewiesen, unter anderem wurde ein Hans Rudolf Schmalz von der Stadt Nidau 1612/13 und 1617/18 für mehrere Glasgemälde bezahlt (Hasler & Keller, 2016). Eine Wappenscheibe konnte hingegen keinem Mitglied der Glasmalerfamilie Schmalz sicher zugeschrieben werden. Das rechte Wappen ist der Familie Koch zuzuweisen, die in Bern seit dem Ende des 15. Jahrhunderts nachweisbar ist (HBLS, 4. Bd., S. 518; Wappenbuch der bernischen burgerlichen Geschlechter, 1684, [S. 70]). Im Bernischen Historischen Museum hat sich eine Wappenscheibe Peter Koch von 1587 erhalten (BHM 4983, BE_1136). Peter Koch war Falkenwirt in Bern. Er wurde 1550 Mitglied des Grossen Rats, 1560 Gubernator von Aigle und 1568 Vogt zu Oron. Er starb allerdings 1598 und kommt daher für den Auftrag des Scheibenrisses nicht in Frage. Neben weiteren Mitgliedern der Familie Koch käme auch der Glasmaler Ludwig Koch (Taufe 1577–vor 1613) als Stifter in Betracht. Ihm konnte die Forschung bislang kein Glasgemälde zuweisen, jedoch wurde er laut Quellen für ein Wappen in die Kirche von Aarberg 1603 bezahlt (Keller-Ris, 1915, S.166). Weiter wird ihm ein Scheibenriss mit der Anbetung der heiligen drei Könige zugeschrieben, der im Bernischen Historischen Museum aufbewahrt wird (BHM 21450; BE_1705; Gartenmeister, 2019, S. 56). Fassbar ist er vor allem als Besitzer von Scheibenrissen. Hans Rudolf Lando kaufte 1605, gemäss den Aufschriften auf der Rückseite der Scheibenrisse, mehr als 50 Blätter bei Ludwig Koch (Gartenmeister, 2019, S. 56). Auch der vorliegende Scheibenriss trägt unterhalb der leeren Inschriftenkartusche den Eigentumsvermerk Hans Rudolf Landos von 1605. Das Blatt ist fest auf Karton montiert, sodass ein möglicher Kaufvermerk Landos auf der Rückseite nicht einsehbar ist.

Dating
1592–1605
Period
1592 – 1605
Commissioner

Schmalz · Koch

Provenance

Owner

Schweizerisches Nationalmuseum Zürich

Previous Owner

Ab 1605 Hans Rudolf Lando, Bern (1584–1646) · Ende 18. Jahrhundert Johann Caspar Lavater, Zürich (1741–1801) h 1995 Versteigert bei Galerie Fischer und August Laube · ab 1995 im Schweizerischen Nationalmuseum Zürich

Previous Owner (structured)
From 1605 until 1646 (c.): Lando, Hans Rudolf, Bern (Switzerland)

Bibliography and Sources

Literature

Canestrini, A. (2000). Die Scheibenrisse der Sammlung J.C. Lavater in Wien. Katalogisierung und Klassifizierung. Diplomarbeit Universität Wien.

Galerie Fischer und Laube (Hg.) (1995). Handzeichnungen und Auqarelle alter und moderner Meister. Aukt.-Kat. 20.06.1995. Luzern.

Gartenmeister, M. (2019). "Erkauffdt durch mich HRLando", Der Glasmaler Hans Rudolf Lando als Sammler von Scheibenrissen. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 76 (3), 51–74, https://doi.org/10.5169/seals-846965.

Hasler, R. (1996/1997). Die Scheibenriss-Sammlung Wyss. Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Bernischen Historischen Museum. Bern: Stämpfli und Cie AG.

Hasler, R. & Keller, S. (2016). Stadtscheibe, Bannerträgerscheibe Aarberg. Abgerufen von: https://www.vitrosearch.ch/de/objects/2471534.

HBLS. Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. (1921–1934). 8 Bde. Neuenburg.

Keller-Ris, J. (1915). Die Fensterund Wappenschenkungen des Staates Bern von 1540 bis 1707. Anzeiger für schweizerische Altertumskunde NF 17 (2), 160–170.

Schweizerisches Landesmuseum (Hg.) (1995). Jahresbericht. Bd. 104. Zürich.

Vignau-Wilberg, T. (1982). Christoph Murer und die „XL emblemata miscella nova“. Benteli.

Wappenbuch der bernischen burgerlichen Geschlechter 1684. Offizielle Registratur der bernischen Geschlechter 1684. Die Wappen gemalt von Wilhelm Stettler. Manuskript Burgerbibliothek Bern Mss. h. H. XIII. 358. Abgerufen von: http://katalog.burgerbib.ch/detail.aspx?ID=36108.

Model

Christoph Murer, Tobias heilt seinen blinden Vater, 1592. Dijon Musée (Inv. Nr. XIII-945)

Image Information

Name of Image
ZH_Zuerich_SNM_BE_9020
Credits
Schweizerisches Nationalmuseum

Citation suggestion

Gartenmeister, M. (2023). Riss zu Bildscheibe Schmalz und Koch mit Heilung des Tobias (Tobit). In Vitrosearch. Retrieved October 19, 2026 from https://vitrosearch.ch/objects/2722115.

Record Information

Reference Number
BE_9020