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BE_5058: Riss zu Allianzwappenscheibe Vischer und Isenflamm (?) mit Bathseba im Bade
(BS_Basel_Kunstmuseum_BE_5058)

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Titre

Riss zu Allianzwappenscheibe Vischer und Isenflamm (?) mit Bathseba im Bade

Type d'objet
Dimensions
49.7 x 41.4 cm
Artiste
Plepp, Hans Jakob (Johann Jakob) · zugeschrieben
Vischer, Hieronymus · alternative Zuschreibung
Datation
um 1580
Lieu
Numéro d'inventaire
U.I.134
Projet de recherche
Auteur·e et date de la notice
Marion Gartenmeister 2023; Sarah Keller 2024

Iconographie

Description

Das Mittelbild zeigt die alttestamentliche Szene der Bathseba im Bade, die von König David beobachtet wird. Bathseba sitzt halb entblösst auf dem Rand des Beckens dem Betrachter zugewandt. Sie hat ihren Blick geneigt und wird von einem hängenden Tuch hinterfangen. Von links tritt eine Magd mit einem Wasserkrug auf dem Kopf und einem zweiten in ihrer rechten Hand ins Bild. Sie ist eine spiegelverkehrte Kopie der Wasserträgerin aus der Wandmalerei von Raffael mit dem Borgobrand in der Stanza dell'Incendio im Vatikan. Im Hintergrund erhebt sich eine antikisierende Architektur. Auf einem nahen Balkon blickt König David mit der Leier in der Hand über die Brüstung und beobachtet die badende Bathseba. Etwas weiter entfernt stehen zwei Diener auf einem Torbogen.
Ein reich dekorierter antikisierender Rundbogen rahmt die Mittelszene. Vor Nischen stehen links die Personifikationen der Lex und rechts der Justitia oder nach Ganz Klio links und Gloria rechts (Ganz, 1966, S. 67). In den Zwickeln des Bogens ist links das Urteil Salomons dargestellt und rechts das Apfelrätsel der Königin von Saba. Den Bogenscheitel ziert eine reich geschmückte Rollwerkkartusche mit einer Maske.
Die Fusszone wird oben mit einem antiken Akanthusfries mit einem Kopfmedaillon zum Mittelbild hin abgeschlossen. Links und rechts halten zwei Putti die Wappen Vischer und Isenflamm (Isenfluh?). Auf dem Sockel ist in hellbrauner Tinte die Inschrift und den Eigentumsvermerk von Hans Rudolf Lando angebracht.
Der Scheibenriss ist in feinen Tintenlinien ausgeführt, eine feinstufige, sorgfältige Lavierung erzeugt bei den Figuren und Ornamenten eine starke Körperlichkeit und Räumlichkeit. Einzelne Elemente wie Blumen oder Ornamentdetails sind in einem Braunton aquarelliert und setzen Akzente. Eine dicke dunkelbraune Randlinie begrenzt den Scheibenriss.

Code Iconclass
71H71 · David, du toit (ou bien du balcon) de son palais, voit Bethsabée se baignant
71I324 · les deux mères comparaissent devant Salomon ~ le jugement de Salomon
71I332 · la reine de Saba devant Salomon, lui soumettant des questions
Mot-clés Iconclass
Héraldique

Wappen Vischer und Isenflamm (?)

Inscription

Schenckt mich Zu guter Gedächtnus Hans Jacob Huber synem liebenn vnnd getrüwenn frünndt vnnd Günnerenn Hanns Ludwig Tillier inn Bernn 1599 (auf dem Fries der Sockelzone mit Feder in Dunkelbraun)
HRLando 1610 (unten) (Sammlerstempel des Kunstmuseums Basel)
...C766 (verso in Hellbraun)
86, 134 (verso mit Bleistift)

Signature

keine

Matériaux, technique et état de conservation

Technique

Feder in Schwarz, grau laviert, stellenweise aquarelliert.

Etat de conservation et restaurations

Wasserzeichen: kleiner Baselstab.
Vertikal- und Horizontalknick, Randlinien. An den Rändern teilweise eingerissen und kleinere Fehlstellen. Leicht verbräunt. Grosser roter Fleck im linken Teil der Architektur neben der Standfigur.

Historique de l'oeuvre

Recherche

Der Scheibenriss wurde von der älteren Forschung mit Daniel Lindtmayer verbunden. Thöne (1975, S. 249) hingegen diskutierte die Zeichnung bei seinen Vorarbeiten zum Oeuvrekatalog Lindtmayers erstmals als Werk Hans Jakobs Plepps. Diese Zuschreibung wurde von Ganz (1966, S. 67) übernommen und durch die Identifikation der Wappen, die er als die Familienwappen der beiden Basler Familien Vischer und Isenflamm identifizierte, bestätigt. Das Wappen der Basler Familie Isenflamm wird jedoch ohne die auf den Seiten beigefügten halben Hufeisen geführt (siehe Meyer-Kraus, 1880, Taf. 33). Die Wappen wie auch das Wasserzeichen verweisen darauf, dass der Riss in Basel entstanden sein dürfte.
Thöne (1975, S. 249) verbindet die Rahmenarchitektur des Risses mit der auf einem von Plepp signierten Riss des Standes Bern von 1581 (Kunsthaus Zürich Inv. Nr. 1247). Ein weiterer von Plepp monogrammierter Scheibenriss mit der alttestamentlichen Szene der Enthauptung des Königs Agas von 1580 zeigt eine ähnlich reiche Rahmenarchitektur und ist wie der vorliegende Riss teilweise koloriert (Frankfurt Städel Inv. Nr. 6777, BE_5059). Als alternativer Urheber für den vorliegenden Scheibenriss wäre Hieronymus Vischer in Betracht zu ziehen, dessen Familienwappen auf dem Riss dargestellt ist. Das Wappen Vischer findet sich ebenfalls in einem Scheibenriss für eine Allianzwappenscheibe Vischer und Zoss aus dem Jahr 1588 (München Staatliche Graphische Sammlung Inv. Nr. 40486 Z; Riether, 2024, Nr. 177). Von Vischer sind viele Kopien nach Vorlagen von bekannten Reissern, darunter Hans Jakob Plepp, bekannt (Hasler, 2017; Ganz, 1966, S. 97). Es ist sehr wahrscheinlich, dass Vischer seine Lehre bei Plepp absolvierte. Die individuelle Zeichenhand Vischers ist aber aufgrund der zahlreichen Kopien nach Vorlagen schwer zu bestimmen (Mensger, 2012, S. 413; Ganz, 1966, S. 98–99).

Die Jahreszahl 1599 in der Inschriftenkartusche wurde später in hellbrauner Tinte hinzugefügt, und ist auf die erwähnte Schenkung des Blattes in der Inschrift zu beziehen. Demnach schenkte Hans Jakob Huber 1599 in Bern den Riss Hans Ludwig Tillier. Ersterer dürfte mit Hans Jakob Huber (geb. 30. April 1581 in Bern) identisch sein, dem Sohn des Glasmalers Hans Huber (1554–1597/98, siehe https://vitrosearch.ch/de/artists/2260105). Hans Jakob Huber schenkte den Scheibenriss nach dem Tod seines Vaters seinem Freund, dem Berner Patrizier Hans Ludwig Tillier (1578–vor 1604). Dieser war der Sohn von Johann Anton II Tillier, von dem mehrere Wappenscheibenstiftungen erhalten geblieben sind, beispielsweise in die reformierte Kirche in Aarwangen von 1577 (BE_8).
Wie der Glasmaler Hans Huber in den Besitz des Basler Risses gekommen ist, kann heute nicht mehr rekonstruiert werden. Ebenfalls ist nicht weiter zu bestimmen, über welche Wege der Riss vom früh (vor 1604) und ohne Nachkommen verstorbenen Hans Ludwig Tillier in Besitz Hans Rudolf Landos gelangte. Lando kaufte insbesondere 1605 ein umfangreiches Konvolut an Zeichnungen beim Berner Glasmaler Ludwig Koch, aber auch später erwarb er Zeichnungen (vgl. Gartenmeister, 2019). Das vorliegende Blatt kennzeichnete er erst im Jahr 1610 als sein Eigentum.

Die im Mittelfeld hereinschreitende in Rückenansicht gezeigte Dienerin mit einem Wasserkrug auf dem Kopf ist eine seitenverkehrte Übernahme der Wasserträgerin aus der Wandmalerei mit dem Borgobrand in der Stanza dell'Incendio im Vatikan, die Raffael 1514 bis 1517 mit seiner Werkstatt ausführte. Die Wandgemälde in den Stanzen wurden zeitnah mittels Graphiken von Marcantonio Raimondi und seiner Schule schnell verbreitet. Der Borgobrand zum Beispiel wurde von Nicolò della Casa aus der Raimondi-Schule in Kupfer gestochen, ein Exemplar wird unter anderem in Amsterdam im Reichsmuseum aufbewahrt. Übernahmen von Bildfindungen Raffaels und anderen Künstlern für Scheibenrisse und andere zeichnerische Vorlagen waren auch bei Schweizer Künstlern verbreitet (vgl. dazu Schneider, 1965, S. 166). Eine Vorlage für die Integration dieser Figur in die Szene der badenden Bathseba konnte bisher nicht ausfindig gemacht werden.

Datation
um 1580
Période
1570 – 1599
Commanditaire / Donateur·trice

Vischer und Isenflamm (?)

Lieu de production

Provenance

Propriétaire

Kunstmuseum Basel

Propriétaire précédent·e

Bis 1597/98 Hans Huber (1554–1597/98), Glasmaler in Bern · bis 1599 Hans Jakob Huber, Bern (*1581) · ab 1599 Hans Ludwig Tillier, Bern (1578– vor 1604) · ab 1610 Hans Rudolf Lando, Bern (1584–1646) · im 17. Jahrhundert Remigius Faesch, Basel (1595–1667) · ab 1823 Kunstmuseum Basel

Propriétaire précédent·e (structuré)
De 1610 jusque 1646 (ca.): Lando, Hans Rudolf, Berne (Suisse)

Bibliographie et sources

Bibliographie

Ganz, P. L. (1966). Die Basler Glasmaler der Spätrenaissance und der Barockzeit. Basel/Stuttgart: Schwabe & Co.

Gartenmeister, M. (2019). "Erkauffdt durch mich HRLando", Der Glasmaler Hans Rudolf Lando als Sammler von Scheibenrissen. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 76 (3), 51–74, https://doi.org/10.5169/seals-846965.

Hasler, R. (2017). Vischer, Hieronymus. In: SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz. https://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=4029867

HBLS. Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. (1921–1934). 8 Bde. Neuenburg.

Kessel, P. (2017). Historisches Familienlexikon der Schweiz. www.hfls.ch.

Mensger, A. (2012). Die Scheibenrisse der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. 2 Bde. Köln, Weimar, Wien: Böhlau Verlag.

Meyer-Kraus, B. (1880). Wappenbuch der Stadt Basel. Basel: C. Detloff. Abgerufen von https://www.e-helvetica.nb.admin.ch/search?urn=nbdig-23705.

Riether, A. (2024). Schweizer Scheibenrisse von der Renaissance bis zu Frühbarock. Der Münchner Bestand. Petersberg: Michael Imhof Verlag.

Schneider, J. (1956). Vorlagen für das schweizerische Kunstgewerbe. Ein Beitrag zur Geschichte des Einflusses illustrierter Bücher auf die verschiedenen Zweige des Kunstgewerbes in der Schweiz. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 16(3), 157–168. https://doi.org/10.5169/SEALS-164174.

Thöne, F. (1975). Daniel Lindtmayer 1552–1606/07. Die Schaffhauser Künstlerfamilie Lindtmayer (Œuvrekataloge Schweizer Künstler, 2). Zürich: Berichthaus; München: Prestel-Verlag.

Informations sur l'image

Nom de l'image
BS_Basel_Kunstmuseum_BE_5058
Crédits photographiques
Kunstmuseum Basel
Lien vers l'image originale
Copyright
Public Domain

Proposition de citation

Gartenmeister, M., & Keller, S. (actualisé) (2024). Riss zu Allianzwappenscheibe Vischer und Isenflamm (?) mit Bathseba im Bade. Dans Vitrosearch. Consulté le 19 octobre 2026 de https://vitrosearch.ch/objects/2722096.

Informations sur l’enregistrement

Numéro de référence
BE_5058