Research
Eine vergleichbare Komposition mit dem Wappen Zehender auf einem Podium in einer ovalen Rahmung mit zwei Putti zeigt ein Scheibenriss von Dünz in derselben Sammlung (Graphische Sammlung der Zentralbibliothek Zürich, A III 4, BE_2277). Bei letzterem hat Speich vermutet, dass es sich um einen Entwurf für die männliche Wappenscheibe eines Doppelprojektes handeln könnte (Speich, 1984, S. 50). Der vorliegende etwas jüngere Riss kommt als Pendantstück wohl nicht in Betracht, da neben der zeitlichen Differenz, auch in den Eherodeln der Stadt Bern keine Ehe zwischen Kohler und Zehnder in den Jahren 1582 bis 1601 nachgewiesen werden kann (Tauf- und Eherodel, Nr. V).
Aus dem gleichen Jahr, wie der vorliegende Riss, stammt ein Entwurf für eine Allianzwappenscheibe Zehender, der ebenfalls von Dünz gezeichnet wurde. Der Riss aus der Sammlung Wyss wird im Bernischen Historischen Museum aufbewahrt (BHM 20036.761; Hasler, 1996/1997, 1. Bd., S. 298–299). Dort befindet sich überdies eine Wappenscheibe Samuel Zehender, die aus dem gleichen Zeitraum stammt (BHM 23899, BE_6450). Ursprünglich wurde die Scheibe wohl von Samuel Zehender (1577–1628) gestiftet, der 1616 Vogt zu Moudon, 1623 Zehntherr zu Rüfenacht und 1625 Vogt zu Romainmôtier war (Hasler & Keller, 2016). Jedoch sind auch mehrere Scheibenstiftungen seines Vaters, Marquard Zehenders (1542–1610) bekannt, darunter eine Wappenscheibe Abraham Bickharts von 1568 (Bernisches Historisches Museum BHM 22445, BE_873). Für den gleichen Stifter hat sich im Schweizerischen Nationalmuseum ein Scheibenriss von 1598 für eine Allianzwappenscheibe Zehender und Herport erhalten (Schweizerisches Nationalmuseum, LM 25671), der ebenfalls von Dünz geschaffen wurde.
Da die Zeichnung heute fest auf einen Untergrund geklebt ist, können die rückseitigen Beischriften nicht mehr gelesen werden. Jedoch ist auf der Vorderseite neben dem Namen von Hans Rudolf Lando auch den von Ludwig Koch zu lesen. Bei Koch handelt es sich um den Berner Glasmaler, der gemäss Quellen 1603 eine Scheibe in die Kirche von Aarberg lieferte (Gartenmeister, 2019, S. 56). Weiter hat sich ein Scheibenriss von Koch mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige von 1604 erhalten (Bernisches Historisches Museum, BHM 21560, BE_1705). Ein weiterer Scheibenriss mit dem Wappen Heinrich Lochmann, der mit Koch in Verbindung gebracht wird, ist heute verschollen (Galerie Klipstein und Kornfeld, 1960, Nr. 289). Normalerweise bezeichnete Koch die Scheibenrisse in seinem Besitz nicht. Jedoch wissen wird dank der Kaufnotiz des Berner Glasmalers Hans Rudolf Lando, dass Koch eine grössere Sammlung von Vorlagen besessen haben muss. Lando verzeichnete nämlich auf mehr als 50 Blättern, dass er diese 1605 bei Ludwig Koch gekauft habe (Gartenmeister, 2019, S. 56). Auch das vorliegende Blatt dürfte wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt von Koch an Lando verkauft worden sein.
Dating
1600
Commissioner