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FR_25: Wappenscheibe Petermann de Faucigny um 1517
(FR_Freiburg_MAHF_FR_25)

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Title

Wappenscheibe Petermann de Faucigny um 1517

Type of Object
Artist / Producer
Räschi, Rudolf · zugeschrieben
Dating
Um 1517

Iconography

Description

Der volle Wappenschild de Faucigny steht auf grüner Wiese vor weinrotem Damastmuster. Über den dünnen Rahmensäulchen liegt ein Astbogen, dessen Akanthuslaub die Bogenfläche füllt. Davor stehen in den Zwickeln die Figuren der hl. Katharina und der hl. Barbara.

Iconclass Code
11HH(BARBARA) · the virgin martyr Barbara; possible attributes: book, cannon(ball), crown, cross, chalice with wafer, Dioscuros (her father), peacock feather, sword, torches, mason's tools, tower
11HH(CATHERINE) · the virgin martyr Catherine of Alexandria; possible attributes: book, crown, emperor Maxentius, palm-branch, ring, sword, wheel
46A122(FAUCIGNY) · armorial bearing, heraldry (FAUCIGNY)
Iconclass Keywords
Heraldry

Wappen Faucigny: In Blau drei bärtige Köpfe von Silber, mit Hermelinkragen und mit hermelinbesetzter Mütze; Helm: golden; Helmdecke: blau und silbern; Helmzier: Männerbüste mit blauem Gewand und dem Kopf des Schildbildes.

Inscription

Keine

Signature

Keine

Technique / State

State of Conservation and Restorations

Erhaltung: Stark restauriert. Ergänzt sind Rahmen, Helm (?), Zimier, rechte Ecke des Schildes und grosse Teile der Helmdecke (1882). Restaurierungen: 1882: Karl Wehrli, Zürich; nach 1904.

Technique

Farbloses, blaues, rotes, gelbes und grünes Glas. Blaues Überfangglas mit rückseitigem Ausschliff. Bemalung mit Schwarzlot und Silbergelb.

History

Research

Wie eine alte Fotografie beweist, trug die Scheibe, von der sich nur geringe Reste im Original erhalten haben, vor ihrer letzten Restaurierung eine eingeflickte und zudem falsch ergänzte Inschrift: "her wilhel. vom nuwehus kapla. zu s[ergänzt: t. wolfgang MCCCCXXXXII]" (Gremaud/Schneuwly 1904. Taf. IV; Bergmann 2014. Bd. 2. Abb. 25.1). Beim ersten Teil der Inschrift mit dem Stifternamen, der heute im Atelier des Vitromusée ausgestellt ist, handelt es sich offenbar um den Rest einer weiteren Scheibe der Kapelle St. Wolfgang, der wahrscheinlich 1882 mit den Fragmenten der Faucigny-Scheibe zusammengefügt und ergänzt wurde. Dass sich der damalige Restaurator bei der Ergänzung der Inschrift so wenig an den Schriftcharakter des älteren Glasmalers hielt und die Jahrzahl falsch schrieb (1442 statt 1517 oder statt 1492 unter Auslassung des L ?), ist doch sehr erstaunlich. Ein Kaplan Wilhelm Neuhaus zu St. Wolfgang wird bei Dellion nicht erwähnt. Die Familie Neuhaus ist jedoch in Freiburg und Garmiswil in der Pfarrei Düdingen um 1448 belegt (Gremaud/Schneuwly 1904. S. 11). Ein Wilhelm Newhus genannt Garmiswyl war 1515 Chorherr zu St. Nikolaus und 1517 Generalvikar (Dellion VI, 1888. S. 318; Brasey 1912. S. 140; Nach Thürler 1997. Nr. 5072 und Clergé séculier et régulier S. 79 unter Guillaume Garmiswyl alias Mürsing. Seine Einsetzung am Michaelsaltar: StAF RM 35, 1517/18, fol. 53r [1518]). Er war Kaplan am St. Martinsaltar in der Nikolauskirche und besass ein Haus am Kornmarkt (StAF RN 115, fol. 80r und 139v [1515 bzw. 1518]. Mit seinem Bruder Hentz Nüwhuss verkaufte er ein Lehenrecht in Garmiswil. RN 133, fol. 107r/v [20.8.1517]). Er dürfte der Stifter einer weiteren, heute verlorenen Scheibe zu St. Wolfgang gewesen sein (s. auch FR_23). Bis heute wird die vorliegende Wappenscheibe als Stiftung Petermann de Faucignys betrachtet. Petermann de Faucigny stammte aus einer noblen Familie von Montagny und Vevey, die seit 1398 das Bürgerrecht von Freiburg besass. Der Sohn Pierre de Faucignys und Isabella von Praromans wurde 1457 Bürger in Freiburg. 1460 erwarb er die Herrschaft und das Schloss Misery, dessen Festsaal mit Wandmalereien der Neun Helden ausgeschmückt wurde. Faucigny war 1462 Sechziger, sass 1469 im Kleinen Rat und wurde im gleichen Jahr zum Ritter des goldenen Kreuzes ernannt. 1471–1474 war er Bürgermeister und von 1478–1511 siebenmal Schultheiss. Er führte 1476 die Freiburger Kontingente in die Schlachten von Grandson und Murten. Im Feldzug nach Bellinzona war er 1478 Anführer der Freiburger Truppen, und 1489 amtete er als Vertrauensmann des französischen Königs bei den Eidgenossen. Mehrfach diente er als Gesandter an die Tagsatzungen oder an die ausländischen Höfe. Unter seiner Führung wurde Freiburg 1481 in den eidgenössischen Bund aufgenommen. Er spielte demnach eine wichtige Rolle in allen staatlichen Angelegenheiten und verdankte dies sicher seinem Vermögen, aber auch seinen Beziehungen zu allen grossen Familien Freiburgs. Petermann de Faucigny war seit 1476 mit Barbara, Tochter des Schultheissen Rodolphe de Vuippens, verheiratet, die 1498 kinderlos verschied. Der grosse Freiburger Staatsmann starb 1513 als letzter seines Geschlechts, kurz nachdem er sein Testament am 24. Dezember verfasst hatte (Seine Grabplatte befindet sich in Kirche St. Nikolaus. Strub. Kdm FR II. 1956. S. 97). Fraglich ist folglich, ob er die Scheibe noch vor seinem Tod vergabt hatte, oder ob es sich um eine posthume Stiftung handelt. Da Petermann de Faucigny 1497 Schiedsrichter in einem Streit um Eigentumsansprüche zwischen dem Pfarrer und den Kirchgenossen von Düdingen gewesen war (Brügger 1972. S. 34–35), ist denkbar, dass man noch 1517 eine Scheibe zu seinem Gedenken hätte anfertigen lassen. Petermann de Faucigny ist auch als grosszügiger Wohltäter bekannt. Er schenkte der Kirche St. Nikolaus eine Silbermadonna, die laut Testament seine goldene Ordenskette tragen sollte und vor der er sich beisetzen liess. Statue und Kette wurden 1798 dazu benutzt, die Franzosen auszubezahlen (vgl. Vevey 1950. S. 31. Zu seinem Wappen und Siegel s. Vevey Armorial III. 1943. S. 40). Faucigny stiftete auch 1484 das monumentale Kreuz, das sich ehemals auf dem Friedhof von St. Nikolaus befand und nun im städtischen Friedhof St. Leonhard aufgestellt ist (Gremaud 1895, pl. V. Strub. Kdm FR II. 1956. S. 155; Freiburger Skulptur 2011. Bd. 2. S. 12–13, Kat.-Nr. 1; vgl. Bergmann 2014. Bd. 1. S. 259). In seinem Testament hinterliess er 1513 der Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau in Bürglen einen Kelch, den er aus der Schlacht von Murten heimgebracht hatte und umgestalten liess (Peissard 1911, pl. XX; Strub. Kdm FR III. 1959. S. 412–413, Abb. 398; Burgunderbeute 1969. S. 267, Nr. 168). Von den aus der Kapelle St. Wolfgang stammenden Scheiben trägt nur eine das Datum 1517 (FR_21). Da der Glasmaler Rudolf Räschi in diesem Jahr auch eine Stiftung der Stadt Freiburg in die Kapelle von St. Wolfgang ausführte (SR 229, 1517/I, fol. 21v, zitiert bei Anderes 1963. S. 213, Nr. 259), ist anzunehmen, dass er auch die Scheiben der privaten Stifter dorthin schuf. Leider hat sich die Scheibe der Stadt Freiburg nicht erhalten. Trotz dieser eher unsicheren Ausgangslage bilden die Scheiben aus St. Wolfgang den Ausgangspunkt für sämtliche Zuschreibungen an den Freiburger Glasmaler (vgl. Bergmann 2014. S. 348). Tatsächlich entsprechen die überlieferten Traditionen in der Regel der Tatsache, dass eine zusammengehörige Serie von Glasgemälden von einem Glasmaler geschaffen wurde und nur selten durch die Schenkung einer von einem anderen Glasmaler ausgeführten Scheibe ergänzt wurde (vgl. FR_172).

Dating
Um 1517
Date of Receipt
1882
Original Donator

Faucigny, Petermann de (um 1434–1513), Nachstiftung

Donator / Vendor

Kapelle St. Wolfgang, Düdingen

Previous Location
Place of Manufacture
Owner

Musée d’art et d’histoire Fribourg (e-collection MAHF)

Previous Owner

Kapelle St. Wolfgang, Düdingen. 1882 vom Freiburger Museum erworben. Heute als Leihgabe im Schloss Greyerz ausgestellt.

Inventory Number
MAHF 3462

Bibliography and Sources

Literature

Grangier, Louis. Catalogue du Musée Marcello et des autres oeuvres d’art faisant partie du Musée cantonal de Fribourg. Fribourg 1887. S. 29, Nr. E 63.

Les Faucigny de Fribourg. D’après les notes de l’abbé J. Gremaud et de J. Schneuwly, archiviste. In: Archives héraldiques suisses / Schweizer Archiv für Heraldik 1904, p. 8–12. S. 8–12, Taf. IV (vor der Restaurierung).

Catalogue du Musée Cantonal des Beaux-Arts et d’Antiquités Fribourg. Répertoire général. 1909 ff. (Handschriftlicher Katalog Archiv MAHF) Nr. 162.

Catalogue des vitraux de familles fribourgeoises propriété du Musée cantonal, dressé par Alfred Weitzel en 1909. Manuskript mit Wappenzeichnungen. (Staatsarchiv Freiburg Ma 11), unpag.

Lehmann, Hans. Zur Geschichte der Glasmalerei in der Schweiz. (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich Bd. 26, Heft 4–8, 1906–1912) Zürich 1906–1912. S. 393–394.

P[eissard], N[icolas]. Catalogue des vitraux armoriés exposés dans les galeries. Fribourg 1927. S. 3 (2me fenêtre).

Vevey-L’Hardy, Hubert de. Armorial du Canton de Fribourg. Orné de 166 dessins du peintre Eugène Reichlen. 3 Bde. Fribourg 1935–1943. Réimpression Genève 1978. Bd. III. 1943. S. 40.

Galbreath, D. L. Armorial vaudois. 2 Bde. Baugy sur Clarens 1934–1936. Bd. I. 1934. S. 239, Abb. 758.

Die Burgunderbeute und Werke burgundischer Hofkunst. (Katalog der Ausstellung Bern, Bernisches Historisches Museum 18. Mai–20. September 1969) Bern 1969. S. 296, Abb. 288, Nr. 197.

Vevey, Bernard de. Notes sur Petermann de Faucigny. In: Annales fribourgeoises 38, 1950, p. 28–32.

Anderes, Bernhard. Die spätgotische Glasmalerei in Freiburg i. Ü. Freiburg 1963. S. 140, 188–189, Nr. 98, Abb. 117.

Brügger, Alfons. Geschichte der Kapelle St. Wolfgang im Üchtland 1492–1972. Hrsg. von der Pfarrei Düdingen. In: Beiträge zur Heimatkunde 42, 1972. S. 17.

Gasser, Stefan, Katharina Simon-Muscheid und Alain Fretz. Mit Fotografien von Primula Bosshard. Die Freiburger Skulptur des 16. Jahrhunderts. Herstellung, Funktion und Auftraggeberschaft. 2 Bde. Petersberg 2011. Bd. 1. S. 275.

Bergmann, Uta. Die Freiburger Glasmalerei des 16.–18. Jahrhunderts / Le vitrail fribourgeois du XVIe au XVIIIe siècle (Corpus vitrearum Schweiz, Reihe Neuzeit, Bd. 6 / époque moderne vol. 6). 2 Bde / vol. Bern et al. 2014. Bd. 2. Kat.-Nr. 25.

Vgl.

G(remaud), J.. Les Faucigny de Fribourg. In: Nouvelles étrennes fribourgeoises 7, 1873, S. 19–22.

Dellion, Apollinaire R. P. et François Porchel. Dictionnaire historique et statistique des paroisses catholiques du Canton de Fribourg. Suivi du Répertoire du dictionnaire par Pierre de Zurich. 12 Bde. Genève 1994 (Reprint der Ausgabe 1884–1902).

Gremaud, J.. Le crucifix de Petermann de Faucigny. Fribourg Artistique à travers les âges 6, 1895, pl. V.

N. Peissard. Butin de Morat. La coupe de Peterman de Faucigny. In: Fribourg Artistique à travers les âges 1911, pl. XX.

Brasey, Gustave. Le chapitre de l’insigne et exempte collégiale de Saint-Nicolas à Fribourg, Suisse 1512–1912. Notice Historique. IVme Centenaire de la Fondation du V. Chapitre de Saint-Nicolas Fribourg 1512–1912. Fribourg 1912.

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Strub, Marcel. Les monuments d’art et d’histoire du canton de Fribourg. Tome II: La ville de Fribourg. (Les monuments d’art et d’histoire de la Suisse vol. 36) Bern 1956.

Strub, Marcel. Les monuments d’art et d’histoire du canton de Fribourg. Tome III: La ville de Fribourg. (Les monuments d’art et d’histoire de la Suisse vol. 41) Bern 1959.

Castella, Pierre de. Les Fribourgeois qui ont fait de leur ville le 10e canton suisse (1157–1502). Fribourg 1996. S. 184–185.

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Foerster, Hubert. Liste alphabétique et chronologique des avoyers, baillis, bannerets, bourgmestres, conseillers, membres des 60 et des 200, péagers de la Singine, secrétaires du Conseil et trésoriers 1399–1798. Fribourg 2008. (Staatsarchiv Freiburg Rg 3). S. 50–51.

(Maurice Villard?) Clergé séculier et régulier. Original in den Archives de l’Evêché Fribourg. (StAF Rr 26.1)

Staatsarchiv Freiburg (StAF): Notariatsregister (RN), Ratsmanuale (RM).

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SNM Zürich 40201

Image Information

Name of Image
FR_Freiburg_MAHF_FR_25
Credits
© Vitrocentre Romont (Foto: Yves Eigenmann)
Date
2013
Copyright
© Musée d'art et d'histoire Fribourg (MAHF)

Inventory

Reference Number
FR_25
Author and Date of Entry
Uta Bergmann 2015

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