Name

Kapelle St. Wolfgang

Address
Düdingen
Coordinates (WGS 84)
Author and Date of Entry
Uta Bergmann 2017
Information about the Building

Die Kapelle bei Düdingen war nach beglaubigten Erscheinungen des heiligen Wolfgang 1491 an Stelle einer älteren «Marienkapelle zur schönen Buche» erbaut und 1492 geweiht worden. Aufgrund weiterer Wundertätigkeit entwickelte sich die Kapelle rasch zu einem bedeutenden und gut dotierten Wallfahrtsort. Darüber entbrannte zwischen dem Pfarrer von Düdingen und den Kirchgenossen ein Streit um die Eigentumsansprüche, der 1497 geschlichtet werden konnte. 1497 wurde die Kapelle mit Unterstützung des Staates vollendet, aber später immer wieder neu ausgestattet. Ein neuer Streit flammte 1508 auf. Zu den dabei verordneten Schiedsrichtern gehörte neben Wilhelm Velga, Dietrich von Englisberg, Ulman von Garmiswil und Johann Techtermann auch Petermann de Faucigny (vgl. FR_25). Den Düdinger Pfarrgenossen wurde das Anrecht auf die Opfergaben für 30 Jahre zuerkannt, sie hatten aber die Verpflichtung, die Kapelle zu unterhalten, danach sollte die Hälfte dem Kirchherren und die andere Hälfte der Pfarrei gehören. Dem Klerus von St. Nikolaus, der die Kollatur 1492 von den Freiburger Augustinern übernommen hatte, oblag die Betreuung der Kapelle und die feierliche Begehung des Kirchweihfestes und des St. Wolfgang-Jahrestages. Die heutige Kapelle wurde 1517–1521 errichtet und am 18. 3. 1524 von Bischof Sébastien de Montfalcon geweiht. Aus dem Anlass des Neubaus erhielten die Fenster um 1517 farbige Stifterscheiben, 1550–1565 wurden kostbare Statuen in die Kapelle gestiftet, 1561 die Wände mit Fresken versehen. 1647 entstand der grosse Bilderzyklus zum Leben des hl. Wolfgang. 1882 konnte das Museum für Kunst und Geschichte in Freiburg fünf aus der Kapelle St. Wolfgang stammende Glasgemälde erwerben, die ein bedeutendes Ensemble früher Scheibenstiftungen privater Stifter darstellen (Zum Verkauf 1882 s. auch: Staatsarchiv Freiburg DIP II 60, Brief an Louis Grangier 13. 4. 1882. Reg. De la Correspondance de la Direction de l’instruction publique II, 23 février au 19 juin 1882, fol. 285–286). Nur eine der erhaltenen Scheiben trägt das Datum 1517. Da der Glasmaler Rudolf Räschi in diesem Jahr auch eine Stiftung der Stadt Freiburg in die Kapelle von St. Wolfgang ausführte (SR 229, 1517/I, fol. 21v, zitiert bei Anderes 1963. S. 213, Nr. 259), ist anzunehmen, dass er auch die Scheiben der privaten Stifter dorthin schuf. Leider hat sich jedoch die Scheibe der Stadt Freiburg nicht erhalten. Trotz dieser eher unsicheren Ausgangslage bilden die Scheiben aus St. Wolfgang den Ausgangspunkt für sämtliche Zuschreibungen an den Freiburger Glasmaler (vgl. Bergmann 2014. S. 348). Tatsächlich entsprechen die überlieferten Traditionen in der Regel der Tatsache, dass eine zusammengehörige Serie von Glasgemälden von einem Glasmaler geschaffen wurde und nur selten durch die Schenkung einer von einem anderen Glasmaler ausgeführten Scheibe ergänzt wurde (vgl. FR_167FR_172). Dass die Wappenscheibe des Kapitels St. Nikolaus aus dem Jahr 1517 (FR_27) ebenfalls aus der Wolfgangskapelle stammt, ist denkbar, aber heute nicht mehr nachzuweisen. Eine zweite Kapitelscheibe desselben Jahres (Bergmann 2014. Abb. 27.1) hat sich im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich erhalten.

Literature

Dellion, A. et Porchel, F. (1891). Dictionnaire historique et statistique des paroisses catholiques du Canton de Fribourg. Vol. VII. S. 95–101

Lehmann, H. (1906–1912). Zur Geschichte der Glasmalerei in der Schweiz. (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich Bd. 26, Haft 4–8), Zürich. S. 393–394

Waeber, L. und Schuwey, A. (1957). Eglises et chapelles du Canton de Fribourg. Fribourg. S. 330–332

Anderes, B. (1963). Die spätgotische Glasmalerei in Freiburg i. Ü. Freiburg.

Schafer, J. (1970). Licht und Salz. St. Wolfgang. Estavayer-le-Lac: Selbstverlag.

Brügger, A. (1972). Geschichte der Kapelle St. Wolfgang im Üchtland 1492–1972. Hrsg. von der Pfarrei Düdingen. In: Beiträge zur Heimatkunde 42, 1972, S. 24–50.

Brügger, A. (1996). Wallfahrtskapelle St. Wolfgang im Üchtland. Lindenberg und Luzern.

Gumy, S (2003). Chapelles fribourgeoises. 16 randonnées d'un clocheton à l'autre. Introduction d'Ivan Andrey. Fribourg. S. 35–36.

Bergmann, U. (2014). Die Freiburger Glasmalerei des 16. bis 18. Jahrhunderts. Bern: Peter Lang

Loading…
Version 1.2 Objects | Artists | Studios | Buildings / Institutions