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SR_22: Scheibenriss mit leerem Wappenschild und dem die Knaben verfluchenden Elischa (Elisa)
(AUT_Wien_OesterreichischeNationalbibliothek_SR_22)

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Titel

Scheibenriss mit leerem Wappenschild und dem die Knaben verfluchenden Elischa (Elisa)

Art des Objekts
Masse
29.6 x 20.5 cm ohne Passepartout
Künstler:in / Hersteller:in
Vischer, Hieronymus · zugeschrieben
Datierung
1581
Standort
Inventarnummer
LAV 96/2041 POR MAG
Forschungsprojekt
Autor:in und Datum des Eintrags
Marion Gartenmeister 2023

Ikonografie

Beschreibung

Das Mittelbild zeigt eine alttestamentliche Szene aus der Geschichte des Propheten Elischa (Elisa), ein Jünger des Propheten Elija (Elia) (2Kön 2,23–25). Rechts im Vordergrund steht Elischa mit dem Rücken zum Betrachter, der über seine rechte Schulter zu den Knaben aus der Stadt Bet-El (Bethel) blickt. Diese verspotten seine Kahlheit. Links davon sieht man Bären, welche die Kinder zerreissen, die zuvor von Elischa im Namen des Herrn verflucht wurden. Im Hintergrund erhebt sich eine Waldlandschaft mit einer entfernten Stadt auf einem Hügel.
Die narrative Szene wird von einer reichgeschmückten manieristischen Pilasterarchitektur eingerahmt. Darunter ist eine Rollwerkkartusche eingefügt, deren Mitte ein leerer Wappenschild ziert.
Die Zeichnung ist in feinen schwarzen Tintenlinien erfasst und mit Pinsel laviert, was der Szene Räumlichkeit vermittelt.
Über die Kartusche hinweg steht in brauner Tinte der spätere Eigentumsvermerk Hans Rudolf Landos.

Iconclass Code
71N21 · zwei Bären kommen aus dem Wald und zerreißen die Kinder, die von Elischa verflucht worden sind, in Stücke
Iconclass Stichworte
Inschrift

15 / 81 (auf der Kartuschenrahmung in schwarzgrauer Tinte)
HRLando kaūffdt zu Schaffhusen / den 20 Horūng des 1605 Jars (über die Inschriftenkartusche hinweg in hellbrauner Tinte)
MKE (ligiert, Monogramm neben der Basis des linken Pfeilers in grauschwarzer Tinte)
IM (zwischen den Füssen Elischas in schwarzgrauer Tinte, mit hellbrauner Tinte durchgestrichen)

Signatur

keine

Materialien, Technik und Erhaltungszustand

Technik

Feder in Schwarz, grau laviert.

Erhaltungszustand und Restaurierungen

Wasserzeichen nicht erkennbar.
An allen Seiten und den Ecken beschnitten.
Aufgeklebt auf einen Karton und in einem fixen Passepartout eingelassen.
Stark fleckig und bräunliche Verfärbungen. Grössere Flecken in der oberen rechten Ecke.

Entstehungsgeschichte

Forschung

In der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum wird ein identischer Scheibenriss aufbewahrt (BHM 20036.179, SR_4). Jedoch sind beim Berner Blatt die beiden Szenen in den Oberlichtern nicht abgeschnitten worden. Eine weitere übereinstimmende Zeichnung mit den beiden Szenen in den Oberlichtern wird im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich aufbewahrt (LM 61587) (Hasler, 1996/1997, 2. Bd. S. 129; Canestrini, 2000, S. 134–125). Letztere wurde 1585 vom Basler Hieronymus Vischer ausgeführt und mit dem Monogramm gekennzeichnet. 1995 ist im Kunsthandel ein weiterer identischer Scheibenriss aufgetaucht, der ebenfalls Vischer zugeschrieben wurde (Galerie Fischer Luzern & August Laube Zürich, 1995, S. 96, vgl. Hasler, 1996/1997, 2. Bd., S. 131–132). Auf diesem befindet sich rechts neben der Kartusche das Monogramm TS, was den Schluss zulässt, dass es sich um eine Nachzeichnung eines verschollenen Originals von Tobias Stimmer handelt. Vischer hat auch weitere Risse von Stimmer kopiert (vgl. Landolt, 1985; Ganz, 1966, S. 99). Die betreffende Szene hat Stimmer in verwandter Form in seiner Bilderbibel von 1576 umgesetzt (Stimmer, 1576, S. [110]). In den Holzschnitten Hans Holbeins d.J. für seine "Icones historiarum veteris testamenti", die erstmals 1538 in Lyon erschienen sind, findet sich die Szene ebenfalls. Das verschollene Blatt Stimmers könnte für den vorliegenden Riss wie auch für die anderen identischen Zeichnungen die Vorlage gebildet haben.

Auf dem vorliegenden Blatt finden sich mehrere Beischriften, darunter der Kaufvermerk Hans Rudolf Landos, die besagt, dass er das Blatt am 20. Februar 1605 in Schaffhausen erworben hat. Lando hat den Vermerk mit brauner Tinte über die Kartusche und das Wappen hinweg geschrieben. Auch die identische Zeichnung in der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum (BHM 20036.179, SR_4) weist einen Eigentumsvermerk von Hans Rudolf Lando auf. Diesen zweiten Riss kaufte dieser im gleichen Jahr, jedoch beim Berner Glasmaler Ludwig Koch (Gartenmeister, 2019, S. 67–68). Neben dem Kaufvermerk sind auf dem Wiener Blatt weitere Monogramme zu erkennen. Zwischen den Beinen des Elischa steht das Monogramm IM, das durchgestrichen wurde. Dasselbe Monogramm findet sich ebenfalls auf mindestens fünf weiteren Rissen, die Lando erworben hat, und auch auf diesen ist das Monogramm durchgestrichen. Drei werden in der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum (BHM 20036.339, BE_4883; BHM 20036.455, SR_13; BHM 20036.469, SR_14), der vierte im British Museum in London (Inv. 1899,0120.52, SR_33) und der fünfte im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich (AG 12024, BE_2303) aufbewahrt. Das Monogramm wurde in derselben Tintenfarbe getilgt wie der Kaufvermerk Landos, was darauf schliessen lässt, dass dieser die Tilgung vorgenommen hat. Es ist folglich, wie Hasler festgehalten hat, als Eigentumsvermerk zu deuten und nicht als Signatur des Künstlers (Hasler, 1996/1997, 1. Bd. S. 110, vgl. Gartenmeister, 2019, S. 59; Canestrini, 2000, S. 135). Über den Monogrammisten IM ist weiter nichts bekannt. Dank der Beischriften auf den vier Scheibenrissen mit dem Monogramm IM kann rekonstruiert werden, dass dieser im Jahre 1602 in Zofingen (British Museum London, 1899,0120.52, SR_33), 1605 in Freiburg im Breisgau (BHM 20036.469, SR_14) und im November 1604 bis Februar 1605 in Schaffhausen weilte (vgl. Gartenmeister, 2019, S. 60). Weiter ist auf dem vorliegenden Scheibenriss auf der Architekturrahmung des Bildfeldes das ligierte Monogramm MKE zu erkennen. Nach Canestrini (2000, S. 135) dürfte es sich hierbei um einen weiteren Vorbesitzer aus dem 17. Jahrhundert handeln. Das Monogramm ist bei Lugt nicht aufgeführt (Lugt 2010).

Datierung
1581

Provenienz

Eigentümer:in

Wien, Österreichische Nationalbibliothek

Eigentümer:in (strukturiert)
Vorbesitzer:in

Bis 1605 Monogrammist IM · ab 1605 Hans Rudolf Lando, Bern (1584–1646) · zwischen ca. 1650–1770/80 Monogrammist MEK? · im 18. Jahrhundert Johann Caspar Lavater, Zürich (1741–1801) · 1828 Ankauf der Sammlung durch Kaiser Franz I. von Österreich, Wien (1768–1835)

Vorbesitzer:in (strukturiert)
Von 1605 bis 1646 (ca.): Lando, Hans Rudolf, Bern (Schweiz)

Bibliografie und Quellen

Literatur

Canestrini, A. (2000). Die Scheibenrisse der Sammlung J.C. Lavater in Wien. Katalogisierung und Klassifizierung. Diplomarbeit Universität Wien.

Galerie Fischer Luzern & August Laube Zürich (1995), Handzeichnungen und Aquarelle alter und moderner Meister. Aukt.-Kat. 20.06.1995 Nr. 346.

Ganz, P. L. (1966). Die Basler Glasmaler der Spätrenaissance und der Barockzeit. Basel/Stuttgart: Schwabe & Co.

Gartenmeister, M. (2019). "Erkauffdt durch mich HRLando", Der Glasmaler Hans Rudolf Lando als Sammler von Scheibenrissen. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 76 (3), 51–74, https://doi.org/10.5169/seals-846965.

Hasler, R. (1996/1997). Die Scheibenriss-Sammlung Wyss. Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Bernischen Historischen Museum. Bern: Stämpfli und Cie AG.

Landolt, E. (1985). Scheibenrisse von Hieronymus Vischer nach Tobias Stimmer. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 42(2), 115–120. https://doi.org/10.5169/SEALS-168618.

Lugt, F. (2010). Les Marques des Collections de Dessins & d'Estampes. https://www.marquesdecollections.fr

Stimmer, T. (1576). Neue Künstliche Figuren Biblischer Historien. Und zu Gotsförchtiger ergetzung andachtiger Hertzen mit artigen Reimen begriffen durch J. F. G. M. Zu Basel, bei Thoma Gwarin. Basel (Universitätsbibliothek Basel, BibG C 737), https://doi.org/10.3931/e-rara-431.

Vorlage

Verschollener Riss von Tobias Stimmer

Bildinformationen

Name des Bildes
AUT_Wien_OesterreichischeNationalbibliothek_SR_22
Fotonachweise
Österreichische Nationalbibliothek
Link zum Originalfoto

Zitiervorschlag

Gartenmeister, M. (2023). Scheibenriss mit leerem Wappenschild und dem die Knaben verfluchenden Elischa (Elisa). In Vitrosearch. Aufgerufen am 20. Oktober 2026 von https://vitrosearch.ch/objects/2722112.

Informationen zum Datensatz

Referenznummer
SR_22