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BE_2303: Scheibenriss mit zwei leeren Wappen
(ZH_Zuerich_SNM_BE_2303)

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Titel

Scheibenriss mit zwei leeren Wappen

Art des Objekts
Masse
32.5 x 21 cm
Künstler:in / Hersteller:in
Datierung
vor 1602
Standort
Inventarnummer
AG 12024
Forschungsprojekt
Autor:in und Datum des Eintrags
Marion Gartenmeister 2023

Ikonografie

Beschreibung

Ein ovaler Lorbeerkranz rahmt die zwei leeren Wappenschilde in der Mitte des Blattes. Die Helmzier und Helmdecke in der oberen Hälfte des Ovals fehlen. Der Lorbeerkranz prangt vor einer reichen Architekturrahmung, die in Doppelprojektion ausgeführt ist. In der linken Blatthälfte begrenzt eine Säule den Riss, während in der rechten Blatthälfte Fruchtgehänge und ein spielender Putto angebracht sind. Über einem breiten Gebälk mit zentraler Kartusche wird im Oberbild eine Landschaft mit einem Löwen im Vordergrund und einer Stadt im Hintergrund gezeigt. in den Ecken sitzen zwei Putti. In der Fusszone ist in der Mitte eine leere Inschriftenkartusche in Doppelprojektion mit späteren Beischriften eingefügt. Sie wird auf der linken Seite von einem nackten Engelknaben, der eine antike Vase auf den Schultern trägt, und einem Adler begleitet. Auf der rechten Seite trägt ein nackter Engelknabe einen Bottich auf dem Rücken.
Zwischen den beiden Wappen hat der Monogrammist IM seinen Eigentumsvermerk hingeschrieben. In der Kartusche findet sich der Kaufvermerk von Hans Rudolf Lando.

Iconclass Code
46A122 · Wappenschild, heraldisches Symbol
Inschrift

Jn Zoffingen / 1602 (in Schwarzbraun) / IM (durchgestrichen, in Schwarz)
HRLando kaūft In Schaffh/ūsen den 20 hornūng / des 1605 Jars (in Braun)
40 (auf der Rückseite, mit rotem Stift) / CF 25 (mit schwarzer Tinte) (mit Bleistift die Inventarnummer sowie Sammlerstempel des Schweizerischen Nationalmuseums)

Signatur

keine

Materialien, Technik und Erhaltungszustand

Technik

Feder in Schwarz, grau laviert.

Erhaltungszustand und Restaurierungen

Kein Wasserzeichen.
Vertikalknick.
Keine Randlinien. An den Seiten beschnitten und angerändert. Quetschfalte unten rechts neben der Inschriftenkartusche.

Entstehungsgeschichte

Forschung

Die Zeichnung ist in flüssigen Tintenstrichen ausgeführt und sorgfältig laviert. Wer der Riss gezeichnet hat, kann heute nicht mehr bestimmt werden.
In der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum wird ein in der Komposition ähnlicher Scheibenriss aufbewahrt mit dem Wappen Iselin und leerem Wappenschild in einem Lorbeerkranz umgeben von Engelkindern, welche die vier Jahreszeiten versinnbildlichen (BHM 20036.455, SR_13). Die Zeichnung ist allerdings nicht laviert. Dagegen weist sie wie das vorliegende Blatt Eigentumsvermerke des Monogrammisten IM und Hans Rudolf Landos auf.
Auf dem vorliegenden Scheibenriss findet sich eine erste Beischrift "In Zofingen 1602" in dunkelgrauer Tinte zwischen den beiden leeren Wappenschilden. Sie ist visuell nicht von den Tintenstrichen der Zeichnung zu unterscheiden. Dieselbe Beischrift findet sich im oben erwähnten Scheibenriss in der Sammlung Wyss sowie auf dem Scheibenriss mit zwei Reitern auf dem Pferd im British Museum in London (Inv. 1899,0120.52, SR_33). Auf allen drei Blättern ist in schwarzer Tinte das Monogramm "IM" hinzugefügt worden, das sich leicht vom Rest der Zeichnung abhebt. Das Monogramm ist auf beiden Zeichnungen mit hellbrauner Tinte durchgestrichen worden. Es findet sich auf drei weiteren Blättern, die Lando erworben hat (Bernisches Historisches Museum, 20036.339, BE_4883 und 20036.469, SR_14; Österreichische Nationalbibliothek, LAV X/96/2041, SR_22). Die sechs Blätter aus dem ehemaligen Besitz des Monogrammisten IM bilden stilistisch, wie Hasler (1996/1997, 2. Bd., S. 241) festhält, keine Einheit. Auf dem vorliegenden Blatt sind die beiden Beischriften nah beieinander geschrieben worden, dennoch lässt sich visuell einen Unterschied erkennen, so dass die Vermutung zulässig ist, dass diese beiden Beischriften zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind. Das Monogramm wurde ausserdem in derselben Tintenfarbe durchgestrichen, wie der in der Kartusche angebrachte Vermerk von Hans Rudolf Lando. Es kann daher davon ausgegangen werden, wie bereits Hasler (1996/1997, 2. Bd., S. 241) bemerkt hat, dass Lando das Monogramm IM durchgestrichen hat, und zwar, um den früheren Besitzer zu tilgen (Gartenmeister, 2019, S. 59). Das Monogramm IM ist folglich ebenfalls als Besitzerzeichen zu identifizieren und nicht als Künstlersignatur. Lando kaufte die Zeichnung, wie die Beischrift besagt, in Schaffhausen am 20. Februar 1605. Zu diesem Zeitpunkt kaufte er insgesamt fünf Risse beim Monogrammisten IM, sowie ein weitere bereits am 11. November 1604 (Bernisches Historisches Museum, 20036.339, BE_4883). Die Beischrift "In Zofingen" ist entweder auf die Entstehung des Scheibenrisses zurückzuführen oder aber auch auf den Kaufort. Sicherlich ist davon auszugehen, dass sich das Blatt 1602 in Zofingen befunden hat und wohl dort in den Besitz des Monogrammisten IM überging. Aus den Beischriften auf diesen sechs Blättern lässt sich schliessen, dass der Monogrammist IM 1602 in Zofingen, 1604 in Freiburg im Breisgau und von November 1604 bis spätestens Februar 1605 in Schaffhausen weilte (Gartenmeister, 2019, S. 60). Weiter ist festzuhalten, dass Lando bereits im November 1604 in Schaffhausen weilte und bei zwei Gelegenheiten Blätter beim Monogrammisten "IM" kaufte.

Datierung
vor 1602
Zeitraum
1580 – 1602

Provenienz

Eigentümer:in

Schweizerisches Nationalmuseum Zürich

Vorbesitzer:in

Ab 1602 bis 1605 Monogrammist IM erworben in Zoffingen · ab 1605 Hans Rudolf Lando, Bern (1584–1646) (er kaufte das Blatt am 20. Februar 1605 in Schaffhausen)

Vorbesitzer:in (strukturiert)
Von 1605 bis 1646 (ca.): Lando, Hans Rudolf, Bern (Schweiz), Kauf

Bibliografie und Quellen

Literatur

Gartenmeister, M. (2019). "Erkauffdt durch mich HRLando", Der Glasmaler Hans Rudolf Lando als Sammler von Scheibenrissen. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 76 (3), 51–74, https://doi.org/10.5169/seals-846965

Hasler, R. (1996/1997). Die Scheibenriss-Sammlung Wyss. Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Bernischen Historischen Museum. Bern: Stämpfli und Cie AG.

Bildinformationen

Name des Bildes
ZH_Zuerich_SNM_BE_2303
Fotonachweise
Schweizerisches Nationalmuseum

Zitiervorschlag

Gartenmeister, M. (2023). Scheibenriss mit zwei leeren Wappen. In Vitrosearch. Aufgerufen am 20. Oktober 2026 von https://vitrosearch.ch/objects/2722086.

Informationen zum Datensatz

Referenznummer
BE_2303