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SR_29: Scheibenriss mit dem Trösten der Kranken
(BS_Basel_Kunstmuseum_SR_29)

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Titre

Scheibenriss mit dem Trösten der Kranken

Type d'objet
Dimensions
31.1 x 18.5 cm
Artiste
Joris, David · zugeschrieben
Datation
um 1555
Lieu
Numéro d'inventaire
U.I.100
Projet de recherche
Auteur·e et date de la notice
Marion Gartenmeister 2023

Iconographie

Description

Das Mittelbild zeigt den Innenraum eines Spitals, in dem drei Kranke auf einem Bett liegen und von Besuchern umsorgt werden. Das Bett im Vordergrund steht quer zum Betrachter, während die beiden hinteren längs ausgerichtet und perspektivisch stark gelängt sind, was durch den hochliegenden Fluchtpunkt bewirkt wird. Die Figuren und das Bettzeug werden durch feine Falten belebt, die dunkel laviert und weiss gehöht sind.
Die Szene wird auf der linken Seite von zwei dorischen, gekuppelten Säulen gerahmt. Auf dem Gesims sitzen ein nackter Mann und ein Putto, die einen menschlichen Kopf inspizieren. Der linke Scheitel des Dreieckgiebels wird von einer geflügelten Figur, die sich aus einer Akanthusranke entwickelt, gebildet. Sie stützt ein ovales Medaillon mit einer Fratze, welches die Spitze des Giebels einnimmt. Am unteren Rand neben der Basis zieren ein Pflanzenornament und ein mehrfachgerahmtes Medaillon, das nur halb ausgeführt ist, den Boden. Der rechte Teil ist leergelassen. Später brachte Hans Rudolf Lando dort seinen Eigentumsvermerk an.
Das ganze Blatt ist dunkelbraun laviert und mit weisser Farbe gehöht. Darunter sind Spuren der Vorzeichnung erkennbar. Hauptsächlich auf der rechten Seite des Blattes sind in Schwarz Bleilinien eingezeichnet.

Code Iconclass
11V5 · rendre visite aux malades, 'aeger curatur' ~ une des (sept) Oeuvres de miséricorde
92L41 · satyre(s) (en général)
Mot-clés Iconclass
Inscription

HRLando 1605 (links unten mit Feder in Braun) (Sammlerstempel des Kunstmuseums Basel).
Erkauffdt von Ludwig Koch durch mich HRLando 1605 Jars (verso)

Signature

keine

Matériaux, technique et état de conservation

Technique

Feder in Schwarz und Braun, braun und hellbraun aquarelliert, weiss gehöht, auf stellenweise hellbraun getöntem Papier, Korrekturen mit Weiss, Reste einer Vorzeichnung mit schwarzem Stift.

Etat de conservation et restaurations

Kein Wasserzeichen.
Horizontalknick. Randlinien links sowie oben und unten. Fleckig.
Mit dünnem Japanpapier hinterlegt.

Historique de l'oeuvre

Recherche

Die Zeichnung wurde von Koegler (1928–1930, S. 181–182) dem aus den Niederlanden stammenden und in Basel unter einem Pseudonym lebenden Glasmaler David Joris zugeschrieben (vgl. Mensger, 2012, S. 93). Er stützte sich dabei hauptsächlich auf stilistische Elemente, wie den engen Raum, die massigen Bauglieder, die stark axiale Zentralperspektive und die körperliche Figurenauffassung. Die Komposition folgt einem auf die Spitze gestellten Dreieck, wie sie auch in anderen Joris zugeschriebenen Zeichnungen zu finden ist, zum Beispiel auf dem Scheibenriss mit der Anbetung der heiligen drei Könige der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum (BHM 20036.274, SR_1). Grundlage für die stilistische Zuschreibung bildet ein in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe (Inv. Nr. VIII 2727) überlieferter Scheibenriss, der auf der Rückseite eine Beischrift trägt, welche die Zeichnung als eigenhändiges Werk David Joris' ausweist (Karlsruhe Staatliche Kunsthalle Inv. VIII 2727) (Mensger, 2012, S. 94).
Koegler hat den Scheibenriss erstmals mit drei weiteren Zeichnungen (Kunstmuseum Basel U. I. 101, SR_30; Weimar Staatliche Kunstsammlungen Inv. Nr. 144 und Zürich Kunsthaus Inv. 1938.59, BE_9425) in Verbindung gebracht. Die vier Zeichnungen gehören wohl zu einer Folge mit den Werken der Barmherzigkeit (Koegler, 1928–1930, S. 182; Ganz, 1966, S. 23–24). Drei davon waren darüber hinaus in Besitz des Berner Glasmalers Hans Rudolf Lando (vgl. Gartenmeister, 2019). Die vier Blätter der Folge sind in den Formaten identisch, wobei das Blatt in Weimar an den Seiten beschnitten ist (vgl. Koegler, 1934, S. 136). Weiter sind sie alle, mit Ausnahme des Blattes in Zürich, auf getöntem Papier mit dunkler Lavierung und Weiss gehöht gezeichnet. Sie stehen stilistisch auch dem Scheibenriss mit der Anbetung der heiligen drei Könige in der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum (SR_1) oder mit dem Scheibenriss mit der Darstellung der Ehebrecherfalle in der gleichen Sammlung (BHM 20036.254) nahe. Das zur Folge gehörende Blatt im Kunsthaus Zürich (Inv. Nr. 1938/59, BE_9425) und die Zeichnung mit der Anbetung der heiligen drei Könige im Bernischen Historischen Museum (SR_1) sind 1555 datiert. Die vorliegende Zeichnung dürfte im gleichen Zeitraum, kurz vor dem Tod Joris‘ 1556, entstanden sein.
Joris hat in Basel nur noch gelegentlich künstlerisch gearbeitet, da er sich dort als Adliger niederliess (Mensger, 2012, S. 94). Die zur Basler Zeit entstandenen Zeichnungen dürften daher wohl kaum mit einem konkreten Auftrag für Glasgemälde in Verbindung stehen. Die Lebensbeschreibungen von Joris, verfasst von seinem Schwiegersohn Nicolaus Blesdyck, schildern, dass Joris wohl eher zu seinem Vergnügen gezeichnet habe (Mensger, 2012, S. 93; Ganz, 1966, S. 23). Wie Mensger (2020, S. 146) jedoch festhält, sind auf dem vorliegenden Blatt sowie auf dem mit der Befreiung der Gefangenen (Kunstmuseum Basel U.I.101, SR_30) im Nachhinein Bleilinien aufgezeichnet worden. Zudem befanden sich die Blätter ab 1605 in Besitz des Berner Glasmalers Hans Rudolf Lando (Gartenmeister, 2010, S. 67–68). Wie Mensger (2020, S. 146) richtig hervorhebt, kann daraus nicht nur geschlossen werden, dass die drei Zeichnungen in Glasmalerwerkstätten zirkulierten, sondern auch, dass sie tatsächlich für die Umsetzung in Glasgemälde gedacht waren.

Datation
um 1555
Période
1545 – 1556

Provenance

Propriétaire

Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett

Propriétaire précédent·e

Bis 1605 Ludwig Koch, Bern (1577 – vor 1613) · ab 1605 Hans Rudolf Lando, Bern (1584–1646) ·
im 17. Jahrhundert Remigius Faesch, Basel (1595–1667) · ab 1823 Kunstmuseum Basel

Propriétaire précédent·e (structuré)
De [année de réception inconnue] jusque 1605: Koch, Ludwig, Berne (Suisse)
De 1605 jusque 1646 (ca.): Lando, Hans Rudolf, Berne (Suisse)

Bibliographie et sources

Bibliographie

Ganz, P. L. (1966). Die Basler Glasmaler der Spätrenaissance und der Barockzeit. Basel/Stuttgart: Schwabe & Co.

Gartenmeister, M (2019). "Erkauffdt durch mich HRLando", Der Glasmaler Hans Rudolf Lando als Sammler von Scheibenrissen. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 76 (3), 51–74, https://doi.org/10.5169/seals-846965.

Koegler, H. (1928–1930). Einiges über David Joris als Künstler, Jahresberichte der Öffentlichen Kunstsammlung Basel 25–27, 156–201.

Koegler, H. (1934). Eine Glasgemälde-Visierung von David Joris in Weimar, Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde NF 36, 136–139.

Mensger A. (Hg.) (2020). Lichtgestalten: Zeichnungen und Glasgemälde von Holbein bis Ringler. Kunstmuseum Basel; Basel u. München: Hirmer.

Mensger, A. (2012). Die Scheibenrisse der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. 2 Bde. Köln, Weimar, Wien: Böhlau Verlag.

Informations sur l'image

Nom de l'image
BS_Basel_Kunstmuseum_SR_29
Crédits photographiques
Kunstmuseum Basel
Lien vers l'image originale
Copyright
Public Domain

Proposition de citation

Gartenmeister, M. (2023). Scheibenriss mit dem Trösten der Kranken. Dans Vitrosearch. Consulté le 19 octobre 2026 de https://vitrosearch.ch/objects/2722119.

Informations sur l’enregistrement

Numéro de référence
SR_29