Die Zeichnung wurde von Koegler (1928–1930, S. 181–182) dem aus den Niederlanden stammenden und in Basel unter einem Pseudonym lebenden Glasmaler David Joris zugeschrieben (vgl. Mensger, 2012, S. 93). Er stützte sich dabei hauptsächlich auf stilistische Elemente, wie den engen Raum, die massigen Bauglieder, die stark axiale Zentralperspektive und die körperliche Figurenauffassung. Die Komposition folgt einem auf die Spitze gestellten Dreieck, wie sie auch in anderen Joris zugeschriebenen Zeichnungen zu finden ist, zum Beispiel auf dem Scheibenriss mit der Anbetung der heiligen drei Könige der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum (BHM 20036.274, SR_1). Grundlage für die stilistische Zuschreibung bildet ein in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe (Inv. Nr. VIII 2727) überlieferter Scheibenriss, der auf der Rückseite eine Beischrift trägt, welche die Zeichnung als eigenhändiges Werk David Joris' ausweist (Karlsruhe Staatliche Kunsthalle Inv. VIII 2727) (Mensger, 2012, S. 94).
Koegler hat den Scheibenriss erstmals mit drei weiteren Zeichnungen (Kunstmuseum Basel U. I. 101, SR_30; Weimar Staatliche Kunstsammlungen Inv. Nr. 144 und Zürich Kunsthaus Inv. 1938.59, BE_9425) in Verbindung gebracht. Die vier Zeichnungen gehören wohl zu einer Folge mit den Werken der Barmherzigkeit (Koegler, 1928–1930, S. 182; Ganz, 1966, S. 23–24). Drei davon waren darüber hinaus in Besitz des Berner Glasmalers Hans Rudolf Lando (vgl. Gartenmeister, 2019). Die vier Blätter der Folge sind in den Formaten identisch, wobei das Blatt in Weimar an den Seiten beschnitten ist (vgl. Koegler, 1934, S. 136). Weiter sind sie alle, mit Ausnahme des Blattes in Zürich, auf getöntem Papier mit dunkler Lavierung und Weiss gehöht gezeichnet. Sie stehen stilistisch auch dem Scheibenriss mit der Anbetung der heiligen drei Könige in der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum (SR_1) oder mit dem Scheibenriss mit der Darstellung der Ehebrecherfalle in der gleichen Sammlung (BHM 20036.254) nahe. Das zur Folge gehörende Blatt im Kunsthaus Zürich (Inv. Nr. 1938/59, BE_9425) und die Zeichnung mit der Anbetung der heiligen drei Könige im Bernischen Historischen Museum (SR_1) sind 1555 datiert. Die vorliegende Zeichnung dürfte im gleichen Zeitraum, kurz vor dem Tod Joris‘ 1556, entstanden sein.
Joris hat in Basel nur noch gelegentlich künstlerisch gearbeitet, da er sich dort als Adliger niederliess (Mensger, 2012, S. 94). Die zur Basler Zeit entstandenen Zeichnungen dürften daher wohl kaum mit einem konkreten Auftrag für Glasgemälde in Verbindung stehen. Die Lebensbeschreibungen von Joris, verfasst von seinem Schwiegersohn Nicolaus Blesdyck, schildern, dass Joris wohl eher zu seinem Vergnügen gezeichnet habe (Mensger, 2012, S. 93; Ganz, 1966, S. 23). Wie Mensger (2020, S. 146) jedoch festhält, sind auf dem vorliegenden Blatt sowie auf dem mit der Befreiung der Gefangenen (Kunstmuseum Basel U.I.101, SR_30) im Nachhinein Bleilinien aufgezeichnet worden. Zudem befanden sich die Blätter ab 1605 in Besitz des Berner Glasmalers Hans Rudolf Lando (Gartenmeister, 2010, S. 67–68). Wie Mensger (2020, S. 146) richtig hervorhebt, kann daraus nicht nur geschlossen werden, dass die drei Zeichnungen in Glasmalerwerkstätten zirkulierten, sondern auch, dass sie tatsächlich für die Umsetzung in Glasgemälde gedacht waren.