Research
Die Zeichnung wurde erstmals von Paul Ganz (Schweizerische Handzeichnungen, 1934, S. 11) David Joris zugeschrieben. Auf dieser Grundlage hat sie Paul Leonhard Ganz (1966, S. 24) mit der Folge mit den Werken der Barmherzigkeit in Verbindung gebracht. Zu dieser Folge gehören zwei Risse im Kunstmuseum Basel (U.I. 100, SR_29; U.I. 101, SR_30) sowie ein Riss in den Staatlichen Kunstsammlungen in Weimar (Inv. Nr. 144) (vgl. Koegler, 1928–1930, S. 181–185; Koegler, 1934, S. 136). Obwohl der vorliegende Riss nicht mit Weiss gehöht ist, zeigt er stilistische Ähnlichkeiten mit den anderen Zeichnungen der Folge. Unter anderem ist der Aufbau mit dem nur auf der linken Seite ausgeführten Rundbogen vergleichbar. Obwohl die Architekturelemente im Bildfeld fehlen, ist die Landschaft mit einem hohen Fluchtpunkt gestaltet und bewirkt ein enges Raumgefühl, wie dies in anderen Zeichnungen Joris‘ zu finden ist. Auch die kräftigen, muskulösen Körper und ihre Präsenz sind anderen Zeichnungen des Künstlers durchaus nahe. Als Vergleich bietet sich neben den zur Folge gehörenden Rissen auch die Zeichnung mit der Ehebrecherfalle in der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum an (BHM 20036.254, SR_1) an. Anzufügen ist, dass die beiden Blätter im Basler Kunstmuseum, die Zeichnung in der Sammlung Wyss und der vorliegende Riss früher im Besitz des Berner Glasmalers Hans Rudolf Lando waren (Gartenmeister, 2019).
Die vier Blätter der Folge mit den Werken der Barmherzigkeit sind in den Formaten identisch, wobei das Blatt in Weimar an den Seiten beschnitten ist (vgl. Koegler, 1934, S. 136). Das vorliegende Blatt fällt allerdings aufgrund der fehlenden Höhung in Weiss aus der Folge heraus.
Joris hat in Basel nur noch gelegentlich künstlerisch gearbeitet, da er sich dort als Adliger niederliess (Mensger, 2012, S. 94). Die zur Basler Zeit entstandenen Zeichnungen dürften daher wohl kaum mit einem konkreten Auftrag für Glasgemälde in Verbindung stehen. Die Lebensbeschreibungen von Joris, verfasst von seinem Schwiegersohn Nicolaus Blesdyck, schildern, dass Joris wohl eher zu seinem Vergnügen gezeichnet habe (Mensger, 2012, S. 93; Ganz, 1966, S. 23). Wie Mensger (2020, S. 146) jedoch festhält, sind auf den Blättern in Basel (Kunstmuseum Basel U.I.100, SR_29; U.I.101, SR_30) im Nachhinein Bleilinien aufgezeichnet worden. Zudem befanden sich die Blätter ab 1605 in Besitz des Berner Glasmalers Hans Rudolf Lando (Gartenmeister, 2010, S. 67–68). Wie Mensger (2020, S. 146) richtig hervorhebt, kann daraus nicht nur geschlossen werden, dass die drei Zeichnungen in Glasmalerwerkstätten zirkulierten, sondern auch, dass sie tatsächlich für die Umsetzung in Glasgemälde gedacht waren.
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1555