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BE_9425: Riss zu Bildscheibe mit Barmherzigen Samariter
(ZH_Zuerich_KunsthausZuerich_BE_9425)

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Titel

Riss zu Bildscheibe mit Barmherzigen Samariter

Art des Objekts
Masse
32.0 x 18.5 cm
Künstler:in / Hersteller:in
Joris, David · zugeschrieben
Datierung
1555
Standort
Inventarnummer
Slg. Ganz 1, Z. 1938/0059
Forschungsprojekt
Autor:in und Datum des Eintrags
Marion Gartenmeister 2023

Ikonografie

Beschreibung

Im Vordergrund des Mittelbildes entreissen zwei Diebe ihrem Opfer die Kleider. Sie schlagen mit Schwertern auf den am Boden liegenden nackten Mann ein. In der Landschaft im Hintergrund ist gezeigt, wie der barmherzige Samariter das Opfer auffindet und auf dem Pferd zum Wirtshaus führt.
Die Szene wird von einem halbseitig ausgeführten Rollwerkbogen gerahmt, vor dessen Stütze eine Hermenfigur angebracht ist, die das Kapitell des Pfeilers stützt. Die Volute des Bogens wird von einer knienden Figur auf dem Kapitell gehalten. Der Zwickel wird von zwei Figuren bevölkert. Die eine schaut über den Volutenbogen auf die Szene hinunter, während die andere einen Früchtefeston hält. Unten neben der Basis der Stütze ist in der Mitte die linke Hälfte einer Rollwerkkartusche eingefügt. Der Platz dazwischen füllt eine Figur mit Hund. In der rechten leeren Hälfte hat Hans Rudolf Lando seinen Eigentumsvermerk hingeschrieben.
Die ganze Zeichnung ist laviert, wodurch die Körperlichkeit der Figuren und Ornamente sowie der Raum betont wird. Unter der Lavierung sind Spuren der Vorzeichnung erkennbar.

Iconclass Code
11V4 · Nackte bekleiden (nudus vestitur) als eines der (sieben) Werke der Barmherzigkeit
Iconclass Stichworte
Inschrift

1555. (in der Kartusche links in Schwarz)
HRLando 1605. (rechts neben der Kartusche in Dunkelbraun)
(Auf der Basis des Säule links Sammlerstempel: DS)

Signatur

keine

Materialien, Technik und Erhaltungszustand

Technik

Feder in Schwarz, grau laviert, Vorzeichnung in grauem Stift.

Erhaltungszustand und Restaurierungen

Wasserzeichen: unbestimmt.
Randlinien oben, unten und links.
Auf Karton aufgezogen.

Entstehungsgeschichte

Forschung

Die Zeichnung wurde erstmals von Paul Ganz (Schweizerische Handzeichnungen, 1934, S. 11) David Joris zugeschrieben. Auf dieser Grundlage hat sie Paul Leonhard Ganz (1966, S. 24) mit der Folge mit den Werken der Barmherzigkeit in Verbindung gebracht. Zu dieser Folge gehören zwei Risse im Kunstmuseum Basel (U.I. 100, SR_29; U.I. 101, SR_30) sowie ein Riss in den Staatlichen Kunstsammlungen in Weimar (Inv. Nr. 144) (vgl. Koegler, 1928–1930, S. 181–185; Koegler, 1934, S. 136). Obwohl der vorliegende Riss nicht mit Weiss gehöht ist, zeigt er stilistische Ähnlichkeiten mit den anderen Zeichnungen der Folge. Unter anderem ist der Aufbau mit dem nur auf der linken Seite ausgeführten Rundbogen vergleichbar. Obwohl die Architekturelemente im Bildfeld fehlen, ist die Landschaft mit einem hohen Fluchtpunkt gestaltet und bewirkt ein enges Raumgefühl, wie dies in anderen Zeichnungen Joris‘ zu finden ist. Auch die kräftigen, muskulösen Körper und ihre Präsenz sind anderen Zeichnungen des Künstlers durchaus nahe. Als Vergleich bietet sich neben den zur Folge gehörenden Rissen auch die Zeichnung mit der Ehebrecherfalle in der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum an (BHM 20036.254, SR_1) an. Anzufügen ist, dass die beiden Blätter im Basler Kunstmuseum, die Zeichnung in der Sammlung Wyss und der vorliegende Riss früher im Besitz des Berner Glasmalers Hans Rudolf Lando waren (Gartenmeister, 2019).
Die vier Blätter der Folge mit den Werken der Barmherzigkeit sind in den Formaten identisch, wobei das Blatt in Weimar an den Seiten beschnitten ist (vgl. Koegler, 1934, S. 136). Das vorliegende Blatt fällt allerdings aufgrund der fehlenden Höhung in Weiss aus der Folge heraus.
Joris hat in Basel nur noch gelegentlich künstlerisch gearbeitet, da er sich dort als Adliger niederliess (Mensger, 2012, S. 94). Die zur Basler Zeit entstandenen Zeichnungen dürften daher wohl kaum mit einem konkreten Auftrag für Glasgemälde in Verbindung stehen. Die Lebensbeschreibungen von Joris, verfasst von seinem Schwiegersohn Nicolaus Blesdyck, schildern, dass Joris wohl eher zu seinem Vergnügen gezeichnet habe (Mensger, 2012, S. 93; Ganz, 1966, S. 23). Wie Mensger (2020, S. 146) jedoch festhält, sind auf den Blättern in Basel (Kunstmuseum Basel U.I.100, SR_29; U.I.101, SR_30) im Nachhinein Bleilinien aufgezeichnet worden. Zudem befanden sich die Blätter ab 1605 in Besitz des Berner Glasmalers Hans Rudolf Lando (Gartenmeister, 2010, S. 67–68). Wie Mensger (2020, S. 146) richtig hervorhebt, kann daraus nicht nur geschlossen werden, dass die drei Zeichnungen in Glasmalerwerkstätten zirkulierten, sondern auch, dass sie tatsächlich für die Umsetzung in Glasgemälde gedacht waren.

Datierung
1555

Provenienz

Eigentümer:in

Kunsthaus Zürich, Graphische Sammlung

Vorbesitzer:in

Ab 1605 Hans Rudolf Lando, Bern (1584–1646) · um 1870 Dietrich Schindler, Glarus (1795–1882) · um 1930 Sammlung Paul Ganz, Oberhofen (1872–1954) · ab 1938 Zürcher Kunstgesellschaft und Ankauf Kunsthaus Zürich

Vorbesitzer:in (strukturiert)
Von 1605 bis 1646 (ca.): Lando, Hans Rudolf, Bern (Schweiz)

Bibliografie und Quellen

Literatur

Ganz, P. L. (1966). Die Basler Glasmaler der Spätrenaissance und der Barockzeit. Basel/Stuttgart: Schwabe & Co.

Gartenmeister, M (2019). "Erkauffdt durch mich HRLando", Der Glasmaler Hans Rudolf Lando als Sammler von Scheibenrissen. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 76 (3), 51–74, https://doi.org/10.5169/seals-846965.

Koegler, H. (1928–1930). Einiges über David Joris als Künstler, Jahresberichte der Öffentlichen Kunstsammlung Basel 25–27, 156–201.

Koegler, H. (1934). Eine Glasgemälde-Visierung von David Joris in Weimar, Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde NF 36, 136–139.

Mensger A. (Hg.) (2020). Lichtgestalten: Zeichnungen und Glasgemälde von Holbein bis Ringler. Kunstmuseum Basel; Basel u. München: Hirmer.

Mensger, A. (2012). Die Scheibenrisse der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. 2 Bde. Köln, Weimar, Wien: Böhlau Verlag.

Schweizerische Handzeichnungen XVI.–XX. Jahrhundert aus der Sammlung Prof. Paul Ganz, Basel (1934). Ausst.-Kat. Kunstverein Winterthur 25. März bis 22. April 1934.

Bildinformationen

Name des Bildes
ZH_Zuerich_KunsthausZuerich_BE_9425
Fotonachweise
Kunsthaus Zürich, Grafische Sammlung

Zitiervorschlag

Gartenmeister, M. (2023). Riss zu Bildscheibe mit Barmherzigen Samariter. In Vitrosearch. Aufgerufen am 19. Oktober 2026 von https://vitrosearch.ch/objects/2722111.

Informationen zum Datensatz

Referenznummer
BE_9425