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TG_1264: Allianzwappenscheibe Hektor von Beroldingen und Veronika von Heidenheim
(TG_Gachnang_refKirche_TG_1264)

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Title

Allianzwappenscheibe Hektor von Beroldingen und Veronika von Heidenheim

Type of Object
Artist / Producer
Erhart, Tobias · zugeschr.
Dating
1608
Dimensions
32 x 20.7 cm im Licht

Iconography

Description

Die Vollwappen des Hektor von Beroldingen und dessen Gemahlin befinden sich vor farblosem Grund über der gelben, die Stifternamen enthaltenden Rollwerkkartusche, zu deren Seiten je ein Putto mit einer Trommel beziehungsweise Flöte in der Hand sitzt. Die Wappenschilde rahmen zwei violette Pilaster, über die sich ein rotes Gebälk mit zentralem grünem Rollwerkstück hinzieht. Der darüber befindliche, mit einer Schale dekorierte Gebälkaufsatz unterteilt das Oberbild in zwei Felder. In diesem wird geschildert, wie Wilhelm Tell mit der Armbrust den Apfel vom Kopf seines Sohnes schiesst und wie er aus Gesslers Boot entflieht.

Iconclass Code
46A122(HEIDENHEIM VON) · armorial bearing, heraldry (HEIDENHEIM VON)
Iconclass Keywords
Heraldry

Wappen Beroldingen, Hektor von: Geviert, 1 und 4 in Gold ein aufgerichteter schwarzer Löwe mit flatternder blauer Halsbinde, 2 und 3 in Gold ein blauer, mit zwei goldenen Sternen belegter, schwarz gesprängter Reichsapfel; Helm: silbern mit goldenen Spangen; Helmdecke: rot und silbern; Helmzier: ein wachsender schwarzer Löwe mit flatternder blauer Halsbinde. Wappen Heidenheim, Veronika von: In Blau ein sinkender goldener Mond, überhöht von sechsstrahligem goldenem Stern; Helm: silbern mit goldenen Spangen; Helmdecke: golden und blau; Helmzier: ein geschlossener blauer Flug mit dem Schildlbild.

Inscription

Hector von Berollingen Landtman zů Vrÿ / vnd GrichtsHerr zů Gachlingen vnd Veroni / ca von Bero[l]dingen Ein Gebornne von / Heiden[heim] sÿn Elliche Gemachel · 1608 · (in eckigen Klammern die durch Notbleie verdeckten Teile)

Signature

keine

Technique / State

State of Conservation and Restorations

Das Glasstück mit der Helmzier des Frauenwappens neu ergänzt; stellenweise Korrosionsschäden in den Gläsern und deren Bemalung; wenige Sprünge und einige Sprungbleie; die Verbleiung erneuert.

Technique

Farbloses und farbiges Glas; rotes Überfangglas mit rückseitigem Ausschliff; Bemalung mit Schwarzlot, Silbergelb, Eisenrot und blauer Schmelzfarbe.

History

Research

Der einem Urner Geschlecht entstammende Hektor von Beroldingen (um 1570–nach 1631), der Sohn des Johann Peregrin, Herrn zu Steinegg im Thurgau, war katholischen Glaubens und seit 1610 mit Veronika von Heidenheim verheiratet, der Tochter des Gerichtsherrn auf Klingenberg Kaspar Ludwig von Heidenheim, der ab 1562 die Herrschaft Gachnang besass. Diese Herrschaft erwarb Hektor von Beroldingen 1587. Im Zuge seiner Rekatholisierungsbemühungen baute von Beroldingen 1605 innerhalb der Ringmauern seines Gachnanger Schlosses eine eigene Kapelle (die spätere katholische Kirche St. Sebastian). Dort befindet sich noch heute der Taufstein von 1605 mit den Allianzwappen von Beroldingens und dessen Gemahlin (Knoepfli, 1950, S. 200f., Abb. 141). Die Protestanten, welche die Mehrheit der Einwohnerschaft Gachnangs bildeten, stürmten 1610 das Schloss mit seinem neuen Kultgebäude. Der sogenannte Gachnangerhandel führte die Eidgenossenschaft an den Rand eines Religionskrieges. Durch Vermittlung Berns konnte das Schlimmste aber verhindert werden, indem man die Plünderer bestrafte sowie Friedhof und Pfarrpfründe Gachnangs zwischen den verfeindeten Konfessionen aufteilte. Hektor von Beroldingen, der auch massgeblich an der thurgauischen Kriegsordnung von 1619 beteiligt war, verkaufte 1623 die Herrschaft Gachnang an das Kloster Einsiedeln (Historisches Lexikon der Schweiz, 2/2003, S. 319; HLS, 5/2006, S.58). 1588–1609 verwaltete Hektor von Beroldingen auch die Herrschaft Klingenberg (Giger, 1993, S. 97) und 1622 kaufte er die Herrschaft Gündelhart samt Kollatur der dortigen Pfarrei. 1934 kaufte das Historische Museum Uri in Altdorf aus der Sammlung in Schloss Wolfsberg in Ermatingen eine fragmentarische Scheibe des Ehepaares aus dem Jahr 1614 an (Jahresbericht, 1934, S. XX. Dort ist sie 2020 nicht aufzufinden).

Laut André Salathé (HLS) sollen sich Hektor von Beroldingen und Veronika von Heidenheim 1610 verheiratet haben. Die vorliegende, vermutlich 1608 entstandenen Scheibe (die undeutlich lesbare letzte Ziffer der Jahreszahl dürfte eine 8 sein) und der erwähnte Taufstein von 1605 in der katholischen Kirche Gachnangs lassen jedoch keinen Zweifel daran, dass sie 1610 bereits seit mehreren Jahren im Ehestand lebten. Als überzeugter Katholik, der sich im Schloss Gachnang für seinen Kult eine Kapelle errichten liess, kann Hektor von Beroldingen die Scheibe 1608 unmöglich in die dortige reformierte Kirche gestiftet haben. 1959 wurde die Scheibe auf dem Kunstmarkt entdeckt und gelangte in das Schloss Gachnang (Knoepfli, 1959, S. 82). Erst 1996 wurde sie in der reformierten Kirche eingebaut (Auf Glasstück unterhalb der Scheibe: Gestiftet von den Familien Müller / Schloss Gachnang 1996). Zwar darf man als ursprünglichen Bestimmungsort für die Scheibe die Kapelle oder einen anderen Raum im Schloss Gachnang in Betracht ziehen. Dass das Glasgemälde für dort geschaffen wurde, ist jedoch nicht gesichert.

Knoepfli (1959, S. 82) deutete einige Linien beim Sprungblei am rechten Rand der Inschriftkartusche als Monogramm WB des Glasmalers Wolfgang Breny. Dieser Befund ist jedoch zu uneindeutig, sowie auch Vergleiche mit anderen von Breny signierten Scheiben. Eine 1610 gestiftete Scheibe des Marx von Ulm und der Anna Barbara Reichlin von Meldegg (Weinfelden, Gasthaus Trauben, TG_1440) stammt sicherlich von demselben Glasmaler. Die Inschriftkartusche und die beiden Putten sind identisch gestaltet, die architektonische Rahmung, Schriftcharakter und Stil sind sehr ähnlich. Diese Scheibe lässt sich im Vergleich mit der signierten Scheibe des Ulrich Peter und der Margaretha Weber von 1605 (Weinfelden, Gasthaus Trauben, TG_219) Tobias Erhart zuweisen. Demnach stammt auch die vorliegende Allianzscheibe aus der Werkstatt dieses Winterthurer Glasmalers.

Wie Knoepfli feststellte, entspricht die Darstellung des Apfelschusses im Oberbild bis ins Einzelne dem Oberbild einer 1578 datierten Wappenscheibe von Roll (Abb. 17 und 18 in Heinemann, 1902), damaliger Privatbesitz Ed. Ettlin in Sarnen (Knoepfli, 1959, S. 82). Dieser Bildtypus seinerseits ist sehr nahe verwandt den von Jos. bzw. Christoph Murer geschaffenen Kupferstich mit der synoptischen Darstellung von der Gründung der Eidgenossenschaft und noch mehr dem Scheibenriss von 1580 in der öffentlichen Kunstsammlung Basel sowie dem von denselben Meistern 1577/79 geschaffenen Oberbild der Urner Standesscheibe im Kloster Wettingen. Vgl. zu letzterer sowie der Darstellung des Apfelschusses auf Wappenscheiben Hoegger, 2002, S. 376–77.

Die Scheibe wird genannt in: Galerie Stuker, 1959, Nr. 1218. Knoepfli, 1959, 82–84, Abb. Bollhalder-Müller, 1990, Abb. S. 16.

Dating
1608
Original Donator

Beroldingen, Hektor von · Heidenheim, Veronika von

Previous Location
Place of Manufacture
Owner

Evangelische Kirchgemeinde Gachnang

Previous Owner

1959 von A. Hess bei Stuker für Fr. 800.- ersteigert für Familie Müller, Mosterei, Gachnang.

Bibliography and Sources

Literature

Bollhalder-Müller, L. (1990?). 1100 Jahre Gachnang, 889–1989. Gachnang: L. Bollhalder-Müller.

Galerie Jürg Stuker, Bern (1959). Grosse Auktion 12.–18. November 1959. Bern.

Giger, B. (1993). Gerichtsherren, Gerichtsherrschaften, Gerichtsherrenstand im Thurgau vom Ausgang des Spätmittelalters bis in die frühe Neuzeit. Thurgauer Beiträge zur Geschichte, Bd. 130, 5-216.

Giger, P. (2006). Gachnangerhandel. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). Abgerufen von http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D14889.php.

Heinemann, F. (1902). Tell-Iconographie. Wilhelm Tell und sein Apfelschuss. Luzern: Geschw. Doleschal's Buchhandlung / Leipzig: Eduard Avenarius.

Hoegger, P. (2002). Glasmalerei im Kanton Aargau. Kloster Wettingen. Corpus Vitrearum Schweiz, Reihe Neuzeit, Bd. 1. Aarau: Kanton Aargau.

Jahresbericht (1934). In Der Geschichtsfreund, Bd. 89, S. III–XXIV.

Knoepfli, A. (1950). Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau. Bd. I. Der Bezirk Frauenfeld. Die Kunstdenkmäler der Schweiz, S. 190, 200.

Knoepfli, A. (1959). Eine heimgekehrte “Gochliger” Scheibe. In Thurgauer Zeitung 19.XII.

Salathé, André (2003). Beroldingen, Hektor von. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). Abgerufen von http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D15166.php.

Image Information

Name of Image
TG_Gachnang_refKirche_TG_1264
Credits
© Vitrocentre Romont
Date
2018
Copyright
© Evangelische Kirchgemeinde Gachnang

Inventory

Reference Number
TG_1264
Author and Date of Entry
Rolf Hasler; Sarah Keller 2020
Version 1.3.1 Objects | Artists | Studios | Buildings / Institutions | Iconclass Codes