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TG_122: Gesellschaftsscheibe Zunft zum Grimmen Löwen
(TG_Diessenhofen_Zunft_TG_122)

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Title

Gesellschaftsscheibe Zunft zum Grimmen Löwen

Type of Object
Artist / Producer
Stör, Hans Konrad · signiert
Dating
um 1627

Iconography

Description

Die durch eine dreiachsige Rahmenarchitektur in ein Haupt- und zwei schmale Seitenfelder unterteilte Scheibe zeigt im Mittelbild die in ihrer Zunftstube im “Leuenhof” an einer reich gedeckten Tafel zum Mahl versammelten Gesellschaftsmitglieder. Einer der zehn Zunftangehörigen steht im Vordergrund der Tafelrunde und giesst aus einer Kanne Wein in einen Becher. Hinter der Tischgesellschaft zieht sich an der Stubenrückwand eine mit Wappenscheiben besetzte Butzenfensterfront hin. Die Wappen der speisenden Männer und deren auf Schriftrollen angebrachten Namen sind je zu fünft in den beiden Seitenfeldern aufgereiht. Die eingeflickte, nicht zugehörige Rollwerkkartusche unterhalb der Figurenszene enthält einen langen Sinnspruch (s.u.) sowie das Stiftungsjahr und die Signatur des Glasmalers.

Iconclass Code
46A122(BRACK) · armorial bearing, heraldry (BRACK)
46A122(ELGGES) · armorial bearing, heraldry (ELGGES)
46A122(OBERHUSER) · armorial bearing, heraldry (OBERHUSER)
46A122(PEYER) · armorial bearing, heraldry (PEYER)
46A122(RADER) · armorial bearing, heraldry (RADER)
46A122(SCHAFFERET) · armorial bearing, heraldry (SCHAFFERET)
46A122(WEPFER) · armorial bearing, heraldry (WEPFER)
46A122(WINDLER) · armorial bearing, heraldry (WINDLER)
Iconclass Keywords
Heraldry

Wappen Oberhuser, Bernhard: In Blau mit goldenem Schildrand ein geöffneter silberner Messzirkel, einen golden geschäfteten silbernen Hammer einschliessend. Wappen Schafferet, Adam: In Blau eine goldene Bretzel. Wappen Elgges, Georg: In Blau mit goldenem Schildrand ein silbernes Hauszeichen. Wappen Müller, Ulrich: In Blau ein von silbernem Messzirkel überhöhtes goldenes Mühlrad über ? Wappen Windler, Balthasar: In Blau goldenes Weberschiffchen, rechts begleitet von Schneiderschere, links begleitet von ? Wappen Huber, Konrad: In Blau mit goldenem Schildrand zwei sechsstrahlige goldene Sterne nebeneinander. Wappen Wepfer, Balthasar: In Blau eine goldene Bretzel, zwei gekreuzte goldene Bäckerschaufeln umschliessend. Wappen Peyer, Hans: In Blau mit goldenem Schildrand eine geöffnete silberne Schere. Wappen Rader, Hans: In Blau drei übereinander gekreuzte silberne Fische. Wappen Brack, Hans Heinrich: In Gold ein blauer, rotes Feuer speiender Greif, überhöht von einem mit goldenem Hammer gekreuzten, offenen silbernen Messzirkel.

Inscription

Stifternamen, linke und rechte Reihe: Bernhardt / Oberhůser, Adam Schaf / feret, Georg Elg= / ges, Vlrich / Müller, Balthaβar / Windler // Conradt / Huber, Balthaβar / Wepffer, Hanns / Peÿer, Hanns / Rader, Hans Heinrich / Brack Jůng. Der kranck Sivirus [falsch ausgebessert anstelle von "Skiluros"] lehret schön, Also ein gselschaft statt vnd Land / Důrch die gmalt figůr sine söhn. Man sÿ nit einig zämen sind / Diss bůrde stecken Zů in spricht, Sonder důrch zwitracht werded trent. / Keiner hie also gantz zerbricht. Zů grůnd gath bald ihr Regiment / Sos aber theilt sind vnder eüch, Deinigkeit aber ist Srecht band / Ein ÿeder ...ing zerstückt die glich, Die bhalte mag kunst, stett vnd land. / Anno Christi: 16 27

Signature

HCSTör (auf Flickstück)

Technique / State

State of Conservation and Restorations

Drei kleine neue Ergänzungen in der Fusszone; zwei Sprungbleie und mehrere geklebte Sprünge (das Foto 13716 des Schweizerischen Nationalmuseums zeigt stattdessen noch mehrere Sprungbleie, die bei einer späteren Restaurierung entfernt wurden); die Verbleiung erneuert. Die Rollwerktafel mit der Bildlegende am Scheibenfuss (darin einzelne Buchstaben bei den Bruchstellen falsch ausgebessert) wurde bislang als Originalteil der Scheibe betrachtet. Formal, stilistisch und technisch fügt sie sich denn auch nahezu nahtlos in die Gesamtkomposition (einzig das Fehlen der Rollwerkstücke in den beiden unteren Ecken mutet etwas seltsam an). Die Scheibe zeigt jedoch nicht die in der betreffenden Legende erwähnte “gmalt figur”, das heisst die Parabel vom Stäbebrechen, sondern die zum Mahl vereinten Zunftangehörigen. Diese Inschriftentafel kann demnach nicht zum originalen Scheibenbestand gehören. Vielmehr muss sie nachträglich als Flickstück eingefügt worden sein.

Restaurierungen Laut dem Protokollbuch der Zunft waren die beiden Zunftscheiben (TG_122, TG_123) 1839 sehr beschädigt. Die Gesellschaft verzichtete damals aus Kostengründen aber auf ihre Reparatur (Sieber, 2018, S. 98f.). 1947 wurde Titus Roesch beauftragt, die zwei Scheiben in Eichenholzrahmen einzufassen (Sieber, 2018, S. 99). 1975 verursachten Renovationsarbeiten im Rathaus "erhebliche Schäden" an beiden Glasgemälden, was dazu führte, dass diese als "provisorischen Schutz" einen Plastiküberzug erhielten (Sieber, 2018, S. 99). 1988/89 Urs Wohlgemuth, Bettwil: Entfernung des Plastiküberzugs und vermutlich Sprungklebungen anstelle von älteren Notbleien (Sieber, 2018, S. 99).

Technique

Farbloses und farbiges Glas; rotes Überfangglas mit rückseitigem Ausschliff; Bemalung mit Schwarzlot, Silbergelb, Eisenrot sowie blauer und violetter Schmelzfarbe.

History

Research

Von den zehn auf der Scheibe mit ihren Wappen vertretenen Stiftern ist nur Hans Heinrich Brack († 1629) näher fassbar. Er stammte aus Diessenhofen und heiratete dort am 5. Mai 1622 Margaretha Enteschiess aus Neunforn (Straub, 2017). Familien aus Diessenhofen entstammten ebenfalls Hans Rader und Konrad Huber (Rickenmann, 1940). Johann Adam Pupikofer geht davon aus, dass die Angehörigen der Zunft zum Grimmen Löwen das Glasgemälde 1627 für ihr 1615 neuerbautes Gesellschaftshaus anfertigen liessen, und zwar aus Dankbarkeit und im Andenken, dass sie von der damals in Diessenhofen wütenden Pest verschont blieben (dazu auch Baumer-Müller, 2003; Sieber, 2018). Ob dies tatsächlich zutrifft, lässt sich jedoch nicht sicher belegen. Da sich die Scheibe 1830 nachweislich im Gesellschaftshaus zum Grimmen Löwen, dem “Leuenhof”, befand, dürfte sie aber zumindest für dort geschaffen worden sein (Pupikofer, 1830; Brunner, 1861, S. 4f.). Später wurde sie zusammen mit Küblers Scheibe von 1614 (TG_123) ins “Casino”, das zwischen 1837 und 1839 neu erbaute Zunfthaus, überführt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kamen diese beiden Glasgemälde in zwei Fenstern an der Nordwand des Rathaussaales zur Aufstellung und 1975 gelangten sie von dort schliesslich ins Zunftdepot.

Weil es sich bei der Inschriftentafel von 1627 mit der Signatur des Schaffhauser Glasmalers Hans Konrad Stör um ein ersetztes Glasstück handelt, stellt sich die Frage, von wem und wann genau die Scheibe geschaffen wurde. Wie bereits gesagt, passt das Flickstück mit Störs Signatur in Form und Stil an sich sehr gut dazu. Ohne weiteres damit vergleichen lassen sich auch andere (signierte) Werke Störs wie beispielsweise die Willkommscheibe Bachmann-Küchlein von 1620 im Musée de Cluny (Jolidon, 1995, S. 128, Nr. 49) oder die Allianzwappenscheibe Hans Jakob Zieglers von 1628 im Victoria und Albert Museum in London (Inv. C.2-1970; V&A, 2020). Man darf Stör deshalb durchaus als Schöpfer der vorliegenden Zunftscheibe betrachten. Dass er diese um 1627 schuf, ist gut möglich (dass sie aus der Zeit vor 1629 datiert, belegt der damals erfolgte Tod ihres Mitstifters Hans Heinrich Brack). Diesbezüglich kann man sich zudem fragen, ob das darin eingefügte Flickstück mit der eine unbekannte Körperschaft zur Einigkeit aufrufenden Bildlegende aus einer Gesellschaftsscheibe stammen könnte, die Stör zusammen mit der vorliegenden 1627 ins Zunfthaus zum Grimmen Löwen lieferte. Die im Flickstück enthaltene Bildlegende bezieht sich auf die zur Einigkeit auffordernde, unter anderem in Aesops Fabelsammlung überlieferte Parabel vom Stäbebrechen. Sie berichtet von einem auf dem Sterbebett liegenden alten Mann namens Skiluros, der seine um ihn versammelten Söhne zur Eintracht mahnt, indem er darauf weist, dass keiner von ihnen allein ein ganzes Rutenbündel zu brechen imstande ist, dass aber jeder einen einzelnen Stab aus dem Bündel mit Leichtigkeit knicken kann. Diese Parabel hielt Christoph Murer 1580 auf seiner Radierung mit dem Stanser Bundesschwur fest. In der Folge entwickelte sich dieselbe zu einem die Einigkeit beschwörenden nationalen Bildthema, das von eidgenössischen Glasmalern vielfach aufgegriffen wurde (Vignau-Wilberg, 1982, S. 15f., Abb. 138; Hasler, Bd. 2, 1997, Kat.-Nr. 389; vgl. TG_128).

Die Scheibe wird genannt in: Pupikofer, 1830, S. 176 (Anm.). Brunner, 1861, S. 18f. Rahn, 1883, S. 47, Nr. 24. Büchi, 1890, S. 32f. Rickenmann, 1939, S. 45. Rickenmann, 1940, S. 43, 49, 55, Taf.-Abb. Thöne, 1965, S. 23, Abb. Forrer, 1966, S. 81, Abb. S. 80. Raimann, 1992, S. 26, 200 (Nr. 14), Abb. 18. Roesch, 2001, S. 7, Abb. Umschlagvorderseite. Baumer-Müller, 2003, S. 30f., Abb. Hasler, 2010, S. 150, Farbabb. Sieber, 2018, S. 97–99, Abb.

Dating
um 1627
Period
1625 – 1629
Original Donator

Zunft zum Grimmen Löwen, Diessenhofen · Oberhuser, Bernhard · Schafferet, Adam · Elgges, Georg · Müller, Ulrich · Windler, Balthasar · Huber, Konrad · Wepfer, Balthasar · Peyer, Hans · Rader, Hans · Brack, Hans Heinrich

Place of Manufacture
Owner

Zunft zum Grimmen Löwen, Diessenhofen

Bibliography and Sources

Literature

Baumer-Müller, V. (2003). Diessenhofen in der Barockzeit. 17. und 18. Jahrhundert. Diessenhofen: Stadtgemeinde Diessenhofen.

Brunner, J. (1861). Erinnerungen an die Gesellschaft zum grimmen Löwen in Diessenhofen vom Jahr 1400–1860. Frauenfeld 1861: J. Huber.

Büchi, J. (1890). Über die Glasmalerei überhaupt und über thurgauische Glasgemälde insbesondere. Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Heft 30.

Forrer, F. (1966). Die “Zunft zum Grimmen Löwen” in Diessenhofen. Thurgauer Jahrbuch, Jg. 41.

Hasler, R. (1996/97). Die Scheibenriss-Sammlung Wyss. Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Bernischen Historischen Museum, Katalog, 2 Bde. Bern: Verlag Stämpfli+Cie AG.

Hasler, R. (2010). Die Schaffhauser Glasmalerei des 16. bis 18. Jahrhunderts. Corpus Vitrearum Schweiz, Reihe Neuzeit, Bd. 5. Bern etc.: Peter Lang.

Jolidon, Y. (1995). Eidgenössische und oberrheinische Scheiben aus dem Museum Cluny, 2. Teil. Schweizer Archiv für Heraldik, Bd. 109, Heft 2.

Pupikofer, J. A. (1830). Geschichte des Thurgaus 1499–1829. Zürich: Trachslersche Buch- und Kunsthandlung, Bd. 2.

Rahn, J.R. u.a. (1883). Officieller Katalog der Schweizerischen Landesausstellung Zürich 1883. Special-Katalog der Gruppe XXXVIII: "Alte Kunst". Zürich: Orell Füssli & Co.

Raimann, A. (1992). Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau. Bd. V: Der Bezirk Diessenhofen. Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Basel: Wiese Verlag.

Rickenmann, J. (1939). Thurgauische Familienwappen. Thurgauer Jahrbuch, Bd. 15.

Rickenmann, J. (1940). Thurgauer Wappenbuch. Genf: Roto-Sadag AG.

Roesch, U. (Hrsg. 2001). Zunft zum Grimmen Löwen. Zunftgeschichtliche Anthologie 2001. Diessenhofen: Zunft zum Grimmen Löwen.

Sieber, H. (2018). Geschichte der Zunft zum Grimmen Löwen Diessenhofen. Schleitheim: stamm+co. AG.

Straub, H. (2017). Straub Datenbank. Abgerufen von http://gedbas.genealogy.net/person/show/1239716910

Thöne, F. (1965). Diessenhofen – St. Katharinenthal – Paradies. Ulm: J. Ebner.

V&A (2020). Search the collections. Abgerufen von http://collections.vam.ac.uk/item/O306834/panel/

Vignau-Wilberg, T. (1982). Christoph Murer und die "XL. EMBLEMATA MISCELLA NOVA". Bern: Benteli Verlag.

References to Additional Images

Schweizerisches Nationalmuseum Zürich, Foto 13715, 13716

Image Information

Name of Image
TG_Diessenhofen_Zunft_TG_122
Credits
© Vitrocentre Romont
Date
2018
Copyright
© Zunft zum Grimmen Löwen Diessenhofen

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Reference Number
TG_122
Author and Date of Entry
Rolf Hasler; Sarah Keller 2020

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