Carl von Egeri (um 1510/15–1562), der von seinen Zeitgenossen als «grosser Künstler» geschätzt wurde, stammte aus einer in Baden ansässigen Familie und liess sich in Zürich nieder, wo er 1537 der Zunft "Zur Meise" beitrat. Durch seine Heirat mit Anna Lavater, Tochter des Glasers und späteren Bürgermeisters Hans Rudolf Lavater, war er mit einer einflussreichen Zürcher Familie verbunden. Als Mitglied der Gesellschaft der Schildner zum Schneggen, in der unter anderem auch die Äbte von Einsiedeln und Muri ehrenhalber Einsitz hatten, sowie als Vertreter seiner Zunft im Grossen Rat und Chorherrenpfleger verfügte er über ein weitreichendes gesellschaftliches und humanistisches Beziehungsnetz.
Künstlerisch steht Egeri in der Tradition von Lukas Zeiner und Hans Funks (Kt. Zürich, 1981, S. 17) sowie unter dem Einfluss von Hans Leu d. J. und Niklaus Manuel. Seine zeichnerische Begabung erlaubte ihm, Vorlagen für seine Glasmalereien selbst zu entwerfen (Anderes, 1974, S. 33–41). Als einer der angesehensten Glasmaler seiner Zeit unterhielt er Kontakte zu zahlreichen Zürcher Künstlern und verfügte vermutlich über einen grösseren Mitarbeiterstab.
Dank seines Könnens und seiner guten Beziehungen erhielt Egeri zahlreiche Privat- und Kollektivaufträge. Die wiederholten Bestellungen für Standesscheibenzyklen lassen ihn geradezu als «Hofglasmaler» der Tagsatzung erscheinen. Zwischen 1540 und 1561 schuf seine Werkstatt mehrere solcher Zyklen, darunter ab 1554 jenen für den Kreuzgang des Klosters Muri.
Die unter den Äbten Johann Christoph vom Grüth und Hieronymus Frey in den Kreuzgang von Muri gestifteten Glasgemälde stammen überwiegend von Meistern zürcherischer Herkunft. Ausschlaggebend waren sowohl vom Grüths enge Verbundenheit mit seiner Vaterstadt als auch der ausgezeichnete Ruf der Zürcher Glasmaler, deren Kundenkreis weit über die Stadt und die Konfessionsgrenzen hinausreichte. Da vom Grüth die versprochenen Scheibengaben mehrheitlich selbst in Auftrag geben konnte (Meyer, 1884, S. 202), war es ihm möglich, den geplanten einheitlichen Zyklus einem seinen Vorstellungen entsprechenden Glasmalerteam anzuvertrauen. Seine erste Wahl fiel auf Carl von Egeri. Zwischen 1554 und 1558 schuf dieser 38 der gesamten 76 Scheiben. Seine Werkstatt ist durch Monogramme und schriftliche Quellen für die Standesscheibenfolge im Ostflügel und für die im Westflügel gelegene Wappenscheibe Martha Tammann (AG_227) gesichert. Darüber hinaus werden ihm das westliche Fleckenstein-Fenster (AG_230–AG_232) sowie der gesamte Masswerkzyklus zur Kindheit Christi im Ostarm zugeschrieben. Wahrscheinlich führte seine Werkstatt auch die Masswerkfüllungen im Westarm aus, während Leus Werkstatt hauptsächlich für die beiden südlichen und nördlichen Kreuzgangarme zuständig war.
Trotz seiner zahlreichen Verpflichtungen dürfte Egeri an der Ausführung der Glasgemälde persönlich beteiligt gewesen sein. Darauf weisen insbesondere die fein modellierten Gesichter hin, während Arbeiten wie das Vorzeichnen oder die Ausführung der Damastgründe wohl Mitarbeitern überlassen wurden. Bei den kleinen Figuren in den Bogenzwickeln ist hingegen auch die Hand eines geschickten Mitarbeiters denkbar.
Stilistisch verbinden Egeris Murenser Glasgemälde die spätgotische Tradition mit Einflüssen der Berner Glasmalerei im Gefolge Niklaus Manuels. Charakteristisch sind die weitgehende Beschränkung auf farbige Gläser, der sparsame Einsatz von Schmelzfarben sowie eine zurückhaltende räumliche Gestaltung. Repräsentative Figuren stehen vor einfachen Bildbühnen und duftigen Landschaftshintergründen. Besondere Meisterschaft zeigt Egeri in der Bearbeitung von Überfangglas und vor allem in der virtuosen Verwendung des Schwarzlots, das er sowohl für Konturen als auch für differenzierte Schattierungen und Lavierungen einsetzte.
Von den Entwürfen und Bleirissen für die Murenser Glasgemälde scheint sich nichts erhalten zu haben. Besonders bedauerlich ist dies im Hinblick auf die monumentalen Masswerkbilder, für die Egeri die kleinen Holzschnitte aus Salomons Bilderbibel in grossformatige Kompositionen übertragen musste. Die weitgehend erhaltenen Glasmalereien belegen, mit welcher Souveränität er diese Aufgabe bewältigte, und zeigen ihn auf dem Höhepunkt seines Schaffens (Hasler, 2002, S. 30–34).
Hasler, 2002
Anderes, 1974
Kt. Zürich, 1981