Seine Kindheit und Schulzeit verbringt Casty in Zuoz. Danach absolviert er eine Lehre als Flach- und Dekorationsmaler in Chur (Gysel, 2013). In den Jahren von 1933 bis 1937 nimmt er Kurse an der Allgemeinen Gewerbeschule in Basel, unter anderem bei Arnold Fiechter. Dies markiert den Beginn seiner langen Verbindung zu Basel, so ist er ab 1936 im Adressbuch nachweisbar (Adressbuch Basel, 1936, S. I/119). Es folgt 1937 ein Aufenthalt in Malmö und 1938/1939 in Paris, um die Académie de la Grande Chaumière zu besuchen. Ab Anfangs der 1940er Jahre beschäftigt sich Casty hauptsächlich mit Malerei.
Casty erhält wahrscheinlich nach 1946 eine Ausbildung beim Glasmaler Hans Schläfli in Basel (Gysel, 2013). Er erlernt bei Schläfli sicherlich das Glasmaler-Handwerk, obwohl im Basler Adressbuch hinter Castys Namen die Bezeichnung «Dekorationsmalermeister» aufgeführt ist (ab 1949 erstmalig nachweisbar; s. Adressbuch Basel, 1949, S. I/141). In der Folgezeit verlagert sich sein künstlerischer Schwerpunkt auf das Medium der Glasmalerei.
Seine Glasmalereien, die er vom Entwurf bis zur Fertigstellung stets eigenhändig ausführt, sind geprägt durch kräftige und leuchtende Farben. Im Zeitraum zwischen 1948 und 1979 entstehen über 350 Einzelscheiben für Private, öffentliche Institutionen sowie Fenster in über 40 sakralen und profanen Gebäuden, hauptsächlich in der Region Basel und der Ostschweiz (Gysel, 2013).
Castys erster öffentlicher Auftrag im Bereich Glasmalerei entsteht 1951 für das Schulhaus Neubad in Basel (BS_2753). Im sakralen Bereich schafft er den Durchbruch mit der heute verschollenen Christophorus-Scheibe, die 1955 vom Bund erworben und Papst Pius XII. zum 80. Geburtstag überreicht wird (Gysel, 2013).
In seinen ersten Jahren der Glasmalerei übernimmt das Schwarzlot hauptsächlich zeichnerische Funktion (Kreuzigung, 1948). Später erfolgt zumeist eine schattierende und modellierende Funktion (Urwald, 1959, Chur, Bündner Kunstmuseum).
Gysel (2023) gruppiert Castys Glasgemälde in Farb- und Weissfenster: Die Werke aus Farbgläsern stehen denjenigen gegenüber, die als Grundfläche farbloses oder schwach getöntes und mit Schwarzlot eingefärbtes Glas aufweisen. Casty verwendet Antikglas mit Bläschen, Schlieren und unregelmässiger Dicke.
Castys öffentliche Glasmalereien befinden sich unter anderem in:
Balgach, Evangelische Kirche; Basel, Gellert-Schulhaus; Basel, Schulhaus Neubad; Bischofszell, Evangelische Johanneskirche; Chur, Otto-Barblan-Schulhaus; Diessenhofen, Evangelische Stadtkirche; Frauenfeld, Kantonsschule; Frauenfeld, Sekundarschulhaus Reutenen II; Grüningen, Schlosskirche; Küsnacht, Reformierte Kirche, Jürgenhaus; Murgenthal-Glashütten, Reformierte Kirche; Pratteln, Evangelisch-reformierte Kirche; Schwyz, Evangelische Kirche; Scuol, Kirche St. Georg; St. Moritz-Bad, Evangelische Kirche; Zuoz, Dorfkirche San Luzi; Zuoz, Kapelle San Bastiaun; Zuoz, Parkhaus Centrel.
Adressbuch der Stadt Basel und der Gemeinden Riehen und Bettingen. (1949). Benno Schwabe & Co.
Adressbuch der Stadt Basel und der Gemeinden Riehen, Bettingen, Allschwil, Binningen und Birsfelden. (1936). Benno Schwabe & Co.
Gysel, R. (2013). Gian Casty. SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz. Abgerufen am 31.1.2025, von https://recherche.sik-isea.ch/sik:person-4023907/in/sikart