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BE_9423: Riss zu Bildscheibe mit dem Propheten Elija (Elia) und dem Gottesurteil auf dem Karmel (Baal-Opfer)
(ZH_Zuerich_KunsthausZuerich_BE_9423)

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Title

Riss zu Bildscheibe mit dem Propheten Elija (Elia) und dem Gottesurteil auf dem Karmel (Baal-Opfer)

Type of Object
Dimensions
41.0 x 28.8 cm
Artist / Producer
Dating
um 1590
Location
Inventory Number
lose Blätter, Z. 1938/0992
Research Project
Author and Date of Entry
Marion Gartenmeister 2023

Iconography

Description

Die alttestamentliche Szene mit dem Propheten Elija auf dem Berg Karmel, der den Baals-Priester herausfordert, ist im Mittelbild dargestellt (1. Kön. 18). Mittels einer Glaubensprobe soll der wahre Gott ermittelt werden. Hierfür wurden nach der biblischen Erzählung zwei Altäre mit einem Stier aufgestellt, die vom jeweiligen Gott mit Feuer entfacht werden sollten. Jedoch brannte nur der Altar des Elijas. Im Zentrum der Zeichnung steht der brennende Altar des Elijas mit dem Stier, um den die Gläubigen stehen. Links im Hintergrund wird der zweite Altar für den Gott Baal gezeigt. Im Vordergrund links begutachtet König Ahab das Geschehen und rechts kniet Elija, der zum brennenden Altar blickt.
Die narrative Szene wird von manieristisch dekorierten Säulen gerahmt. Auf deren Kapitellen stehen Lorbeerkränze tragende Engel, welche die leere Inschriftenkartusche präsentieren.
In der Fusszone sind unterhalb der Säulen zwei Basen eingefügt, die mit einem Stierkopf verziert sind. Angedeutet sind zwei vor den Basen liegende Voluten, die über die seitlichen Linien der Säulen hinausragen. Die Mitte der Fusszone ist leer.
Die Zeichnung ist in schwarzer Tinte mit Kreuz- und Parallelschraffuren ausgeführt.
In brauner Tinte ist am unteren Rand des Mittelbildes in Braun der Eigentumsvermerk von Hans Rudolf Lando angebracht. Auf der Rückseite hat Lando den Kauf des Risses 1605 datiert. Oben über der Kartusche steht ebenfalls in brauner Tinte eine weitere Beischrift, die den Glasmaler Hans Schwyter nennt.

Iconclass Code
71M431 · an altar is prepared by the Baal-worshippers and a bull is laid upon it; all the priests' cries, wild dances and self-mutilations are in vain (sacrifice on Mount Carmel)
Iconclass Keywords
Inscription

Hanns Schwyter von Lachen am ZürichSee / glaßmaler. (über der Inschriftenkartusche oben in Braun)
HRLando 1605 (über der Sockelzone in Braun)
Erkaufdt von Lu(o)dwig Koch durch mich HRLando 1605 Jars. (verso unten)
Filigrane (im oberen Teil mit Bleistift)
No 72 / Ch. Eggimann (rechts in Schwarz)

Signature

keine

Materials, Technique and State of Preservation

Technique

Feder in Schwarz

State of Preservations and Restorations

Wasserzeichen: nicht.
Horizontalknick.
Ohne Randlinien, beschnitten, Leicht gebräunt und einzelne Flecken.

History

Research

Der Scheibenriss ist eine Kopie einer heute verschollenen Vorlage Tobias Stimmers. Darauf weist eine weitere Zeichnung mit identischem Mittelbild hin, die sich heute im Victoria & Albert Museum in London befindet (Inv. E. 523-1911). Auf dieser Kopie hat der Zeichner, Hieronymus Vischer, nicht nur sein Monogramm festgehalten, sondern auch dasjenige des Urhebers der Vorlage: TS für Tobias Stimmer. Der von Vischer 1589 gezeichnete Scheibenriss zeigt, im Gegensatz zum vorliegenden, auch den Wappenkranz, der die Szene umfasst. Die heute nicht mehr existierende Vorlage Stimmers datiert Landolt (1985, S. 115) aus stilistischen Gründen auf um 1562. Sie vergleicht hierfür den Scheibenriss Vischers mit dem 1562 entstandenen Scheibenriss Stimmers mit einer Szene aus der Aesop-Fabel vom Vater Sciluros, der seine Söhne zur Eintracht ermahnt (Berlin Staatliche Kunstbibliothek, Inv. 881 815) (Tobias Stimmer, 1984, S. 416–418). Neben der ähnlichen diagonalen Komposition seien Übereinstimmungen in der Modellierung mittels Parallelschraffuren und in der Wiedergabe der Kleidung erkennbar. Diese Merkmale finden sich auch im vorliegenden Scheibenriss wieder, wobei festgehalten werden muss, dass insbesondere bei Kopien eine Zuschreibung an einen Zeichner schwierig ist, da stilistische Eigenheiten teilweise vom Urheber der Vorlage übernommen wurden und daher nicht zwingend auf den Kopisten hinweisen. Weiter ist zu beachten, dass der vorliegende Riss sowohl eine Nachzeichnung von Stimmers Vorlage als auch von Vischers Kopie sein könnte. Von der Forschung (Hasler, 2019, S. 85) wird der Riss um 1590 angesetzt, also später als Vischers Kopie.
Als Urheber in Frage käme der aus Lachen stammende Glasmaler Hans oder Johannes Schwyter, der in der Beischrift über der Kartusche genannt wird. Über diesen Glasmaler ist kaum etwas bekannt (Hasler, 2019, S. 84), insbesondere sind keine Scheibenrisse von seiner Hand überliefert. Im Stadtmuseum Rapperswil-Jona wird eine mit J.S. monogrammierte Wappenscheibe Heinrich Göldi und Anna Schiesserin aufbewahrt, die ihm aufgrund des Monogramms zugewiesen wird (Wyss, 1946, S. 85; Anderes, 1966, S. 469). Ob er identisch ist mit dem in den Stadtrechnungen von Schaffhausen erwähnten Glasmaler Hans Schwyzer, der 1573 für eine Wappenscheibe bezahlt wird, ist ungeklärt (Hasler, 2010, S. 136; Reuter, 1933, S. 43). Der Name Schwyters ist im Scheibenriss in brauner Tinte hinzugefügt worden und unterscheidet sich dadurch von der mit schwarzer Tinte gezeichneten Szene darunter. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Beischrift ein späterer Zusatz sein könnte. Nicht auszuschliessen ist auch, dass es sich hierbei um einen Eigentumsvermerk handeln könnte. Die Zuweisung des Scheibenrisses an Schwyter als Zeichner ist daher unsicher.
Tobias Stimmer gestaltete bereits für Johann Fischarts Bilderbibel von 1576 einen Holzschnitt mit der Szene des Baal-Opfers (Stimmer & Fischart, 1576, [S. 103, III. Reg. XVIII]). Wie Hasler (2019, S. 84, 95) herausgearbeitet hat, wird die Szene dort als Glaubensprobe gedeutet. Durch ein Feueropfer wollte der Prophet Elijas das dem Baal-Kult verfallene Volk wieder zum rechten Glauben zurückführen. Dies gelang ihm, weil nur sein Opfer auf dem Altar, im Gegensatz dem auf dem Baal-Altar, durch Gotteshand in Flammen aufging. Hasler stellt die Darstellung der Glaubensprobe des Propheten Elijas in den Zusammenhang reformatorischer Propagandamotive gegen den katholischen Glauben und führt weitere Beispiele aus der Glasmalerei an. In diesem Sinne ist nach Hasler das Motiv des Baal-Opfers und des Baal-Kults als Kritik am katholischen Bilderkult und am Messopfer zu lesen.

Dating
um 1590
Period
1562 – 1605

Provenance

Owner

Kunsthaus Zürich, Graphische Sammlung

Previous Owner

Bis 1605 Ludwig Koch, Bern (1577 – vor 1613) · ab 1605 Hans Rudolf Lando, Bern (1584–1646) · bis 1919 Sammlung Charles Eggimann, Paris (1863–1948) · 1919 bis 1938 Sammlung Paul Ganz, Oberhofen (1872–1954) · ab 1938 Zürcher Kunstgesellschaft und Ankauf Kunsthaus Zürich

Previous Owner (structured)
From [year of reception unknown] until 1605: Koch, Ludwig, Bern (Switzerland)
From 1605 until 1646 (c.): Lando, Hans Rudolf, Bern (Switzerland)

Bibliography and Sources

Literature

Anderes, B. (1966). Der Seebezirk. Kunstdenkmäler der Schweiz, St. Gallen, Bd. 4, Birkhäuser. Abgerufen von: https://ekds.ch/library/book:053.

Hasler, R. (2010). Die Schaffhauser Glasmalerei des 16. bis 18. Jahrhunderts. Corpus Vitrearum Schweiz, Reihe Neuzeit, Bd. 5. Bern etc.: Peter Lang.

Hasler, R. (2019). Altschweizer Glasmalereien als konfessionelles Propagandamedium. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 76(3), 75–100.

Landolt, E. (1985). Scheibenrisse von Hieronymus Vischer nach Tobias Stimmer. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 42(2), 115–120. https://doi.org/10.5169/SEALS-168618.

Reuter, W. (1933). Beiträge zur Geschichte der Entwürfe für die schweizer Wappenscheibe im 16. und 17. Jahrhundert. Diss. Frankfurt a. M. Glenhausen.

Stimmer, T. & Fischart, J. (1576). Neue Künstliche Figuren Biblischer Historien: Und zu Gotsförchtiger ergetzung andachtiger Hertzen mit artigen Reimen begriffen durch J. F. G. M. bei Thoma Gwarin. https://doi.org/10.3931/E-RARA-431.

Tobias Stimmer 1539–1584 (1984). Spätrenaissance am Oberrhein, Ausst. Kunstmuseum Basel Sept. bis Dez. 1984. Basel.

Wyss, F. (1946): Einige Streiflichter auf die Glasmalerei in Rapperswil und Weesen. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 8(2), 80–91.

References to Additional Images

SNM Zürich, Foto Neg. 16936

Image Information

Name of Image
ZH_Zuerich_KunsthausZuerich_BE_9423
Credits
Kunsthaus Zürich, Grafische Sammlung

Citation suggestion

Gartenmeister, M. (2023). Riss zu Bildscheibe mit dem Propheten Elija (Elia) und dem Gottesurteil auf dem Karmel (Baal-Opfer). In Vitrosearch. Retrieved October 19, 2026 from https://vitrosearch.ch/objects/2722110.

Record Information

Reference Number
BE_9423