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TG_33: Wappenscheibe Hans Rudolf Rahn
(TG_Frauenfeld_HistMuseum_TG_33)

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Title

Wappenscheibe Hans Rudolf Rahn

Type of Object
Artist / Producer
Dating
1607

Iconography

Description

Säulen und Gebälk teilen die Scheibe in fünf Felder. Im mittleren befindet sich vor farblosem Grund das Vollwappen Hans Rudolf Rahns über der blauen Rollwerkkartusche mit der Stifterinschrift. Links davon sind das Gastmahl des Belsazar (Dan, Kap. 5) und rechts Judith mit dem Haupte des Holofernes' (Jdt, Kap. 13) dargestellt. Im Oberbild thront die Allegorie der Veritas, und zu ihren Seiten ist die Geschichte von Elias und den Baalspriestern dargestellt. Links kniet Elias vor dem von seinem Herrn entzündeten Altarfeuer, während auf der anderen Seite die um den Altar versammelten Baalspriester vergeblich auf die Feuerantwort ihres Gottes warten (1 Kg 18, 37–39). Im untersten Bildfeld ist zwischen zwei Putten mit Stundengläsern die Eroberung von Belsazars babylonischem Reich durch Darius und Cyrus dargestellt (Dan, 5. Kap.).

Iconclass Code
52A6 · Truth; 'Verità' (Ripa)
71M43 · two sacrificial altars are set up ~ story of Elijah
71P22 · during Belshazzar's banquet a hand appears and writes on the wall (MENE, MENE, TEKEL and PARSIN (UPHARSIN)); King Belshazzar is frightened
71P271 · Darius the Median conquers Babylon after Belshazzar's death
71R142 · the contest of the three guardsmen in King Darius' bedchamber
71U42731 · Judith with Holofernes' head and the sword
Iconclass Keywords
Heraldry

Wappen Rahn, Rudolf: Geteilt von Rot mit wachsendem, in ein von Gold mit zwei schwarzen Balken und von Rot gespaltenes Hemd und eine golden-schwarze Kopfbinde gekleideten Mannsrumpf und von Gold und Schwarz geschacht; Helm: blau; Helmdecke: golden und schwarz (rechts), rot (links); Helmzier: über golden-schwarzem Wulst ein von Gold-Schwarz-Gold und Rot gespaltener Federbusch.

Inscription

Rudolf Raan Burger= / meister, 1607 Baltha / sar // FORTE EST / VINVM. / Daniel. 5. Cap (stark ist der Wein) FORTIORES / SVNT MVLIER= / ES. Iud. 13. Cap. (stärker sind die Frauen) Darius. Cÿrus // FORTIOR EST REX. Daniel 5. Cap. (stärker ist der König) Veritas Vin[cit O]mnia / [Veritas] Domi / nat in / aete[r]num / ISA 4 (Die Wahrheit siegt über alles, die Wahrheit regiert in Ewigkeit) DEVO[TI]O VERA 3. R[EG] (wahre Frömmigkeit) O Baal O Baal / SVPERSTITIO. 3. REG.: 18 (Aberglaube)

Signature

IM

Technique / State

State of Conservation and Restorations

Einige neue Ergänzungen; Sprungbleie; die Verbleiung erneuert.

Das Foto des Schweizerischen Nationalmuseums Zürich zeigt weniger Sprungbleie als heute (dafür die Sprünge).

Technique

Farbloses und farbige Glas; rotes Überfangglas mit rückseitigem Ausschliff; Bemalung mit Schwarzlot, Silbergelb und Eisenrot sowie blauer, violetter und grüner Schmelzfarbe.

History

Research

Hans Rudolf Rahn (1560 in Zürich–1627 in Zürich), der Sohn Heinrichs und der Dorothea Ammann, war reformierten Glaubens. 1586 heiratete er Regula Hegner, Tochter des Diethelm, Stadtschreibers von Winterthur. 1586 trat Rahn in Zürich als geschworener Schreiber in den Staatsdienst und erhielt gleichzeitig als Vertreter der Widderzunft Einsitz im Grossen Rat. Nur zwei Jahre später gelangte er in den Kleinen Rat und diente 1587–1608 als Zensor, 1588–1606 als Obervogt von Wiedikon, 1590 als eidgenössischer Landvogt in den Freien Ämtern sowie 1594–1606 als Obmann gemeiner Klöster. Als Reformfreund sass er 1601 an der Spitze der obrigkeitlichen Kommission für eine neue Schulordnung, die den Schülern eine genügende Grundausbildung für höhere Studien verschaffen sollte. 1607 zum Bürgermeister von Zürich erkoren, bestimmte Rahn von Beginn weg die Politik. Zusammen mit Leonhard Holzhalb gelang ihm ab 1609 eine erfolgreiche Bündnispolitik. Mit Hartnäckigkeit und Verhandlungsgeschick half er nach dem Gachnangerhandel von 1610 mit, einen Krieg mit den katholischen Orten zu verhindern und neue Bündnisse mit dem Markgrafen von Baden-Durlach (1612), mit Frankreich (1614) und Venedig (1615) abzuschliessen. Rahn war zu seiner Zeit eine der bestimmenden Persönlichkeiten der eidgenössischen Politik (Historisches Lexikon der Schweiz, 10/2011, S. 73). Das Historische Museum des Thurgaus besitzt von Rahns Sohn Hans Heinrich eine Scheibe (TG_304).

Die vier Inschriften auf vorliegender Scheibe beziehen sich auf die apokryphe Geschichte von König Darius und seinen drei Leibwächtern (3. Buch Esra, Kap. 3). Diese nannten ihrem Herrscher in einem Wettstreit, was sie für das Mächtigste auf Erden hielten: “fortius est vinum. alius scripsit: fortior est rex. tertius autem scripsit: fortiores sunt mulieres, super omnia autem vincit veritas.” Diese Aussagen werden auf der vorliegenden Scheibe mit anderen biblischen Szenen verbildlicht. So steht das Gastmahl des Belsazar für die Macht des Weines, die Eroberung Babylons durch Darius den Meder und Kyros II. für die Macht des Königs, Judith mit dem Haupt des Holofernes' für die Macht der Frauen und die erfüllte Prophezeiung von Elias für die höchste Macht der göttlichen Wahrheit. Der Vergleich endet damit, dass König Darius den dritten Leibwächter Zorobabel, der für die Macht der göttlichen Wahrheit plädiert hatte, zum Sieger des Wettstreites kürte. Zorobabel wird daraufhin zum zweiten Mann im Grossreich, gleich nach dem König. In dieser Funktion erinnert Zorobabel den König an sein Versprechen, Jerusalem und den Tempel wieder aufzubauen. Die Geschichte dieses Triumphs der Wahrheit und des Wiederaufbaus der gottesfürchtigen Gemeinde war ein beliebtes Thema der reformatorischen Autoren, vor allem für dramatische Adaptionen (vgl. Pfeiffer, 2016, S. 77–78; Adomatis et al., 1974, Bd. 1, S. 909–910). Ein um 1590 entstandener Scheibenriss zeigt dasselbe Bildthema der drei Leibwächter, wählte jedoch eine andere Darstellungsform (Hasler 1996/97, Bd. 2, Kat.-Nr. 654).

Die Gestalt der Veritas wiederholt in leicht abgewandelter Form die allegorische Figur der Wahrheit, die Christoph Murer 1598 auf seiner Scheibe für die Stadt Nürnberg festhielt, die sich heute in der dortigen Städtischen Kunstsammlung befindet (Vignau-Wilberg 1982, Abb. 118). An Entwürfe dieses Zürcher Glasmalers dürften sich auch die anderen Figurenszenen der vorliegenden Scheibe anlehnen, die Christoph Murers Bruder Josias signierte. Die Geschichte des König Darius und seines Leibwächters Zorobabel war diesem dabei sicherlich wohlbekannt: sein Vater Jos hatte 1575 ein Drama “Zorobabel” (nach der Vorlage von Sixt Birck) verfasst (erschienen bei Froschauer in Zürich; Adomatis et al., 1974, Bd. 1, S. 907f.).

Die Scheibe wird genannt in: Früh, 2001, S. 83.

Dating
1607
Original Donator

Rahn, Rudolf, Bürgermeister Zürich

Previous Location
Place of Manufacture
Owner

Seit 1955 Historisches Museum Thurgau

Previous Owner

Sammlung Bachmann, Schloss Frauenfeld

Inventory Number
T 6461

Bibliography and Sources

Literature

Adomatis, H.-J. et al. (Hrsg.)(1974). Jos Murer. Sämtliche Dramen, 2 Bde. Berlin/New York: de Gruyter.

Früh, M. (2001). Führer durch das Historische Museum des Kantons Thurgau (2. Auflage 2001). Frauenfeld.

Hasler, R. (1996/97). Die Scheibenriss-Sammlung Wyss. Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Bernischen Historischen Museum. 2 Bde., Bern: Stämpfli Verlag AG.

Lassner, M. (2011). Rahn, Hans Rudolf. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). Abgerufen von http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D18061.php.

Pfeiffer, J. (2016). Christlicher Republikanismus in den Bibeldramen Sixt Bircks: Theater für eine 'neu entstehende' Bürgerschaft nach der Reformation in Basel und Augsburg. Berlin/Boston: de Gruyter.

Vignau-Wilberg, T. (1982). Christoph Murer und die "XL. EMBLEMATA MISCELLA NOVA". Bern: Benteli Verlag.

References to Additional Images

Schweizerisches Nationalmuseum Zürich, Foto 6175

Image Information

Name of Image
TG_Frauenfeld_HistMuseum_TG_33
Credits
© Vitrocentre Romont (photo : Yves Eigenmann, Francesco Ragusa, Fribourg)
Date
2018
Copyright
© Historisches Museum Thurgau

Inventory

Reference Number
TG_33
Author and Date of Entry
Rolf Hasler; Sarah Keller 2020

Linked Objects and Images

Additional Images
Schema
Version 1.3.1 Objects | Artists | Studios | Buildings / Institutions | Iconclass Codes