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BE_1453: Runde Wappenscheibe Johann (Hans) Rudolf von Erlach und Dorothea Velga (Felga)
(BE_Bern_BHM_23610)

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Title

Runde Wappenscheibe Johann (Hans) Rudolf von Erlach und Dorothea Velga (Felga)

Type of Object
Artist / Producer
Funk, Hans · zugeschr.
Dating
um 1538
Dimensions
⌀ 27.3 cm im Licht

Iconography

Description

Vor hellblauem Grund sind die Vollwappen von Johann (Hans) Rudolf von Erlach und Dorothea Velga (Felga) dargestellt. Sie werden von einer gelben Bordüre aus Blättern, Blumen, Früchten und hellbraunen Querbändern umfasst, die unten durch hellviolettes Blattwerk sowie oben durch das Schriftband mit den Stifternamen unterbrochen ist.

Iconclass Code
46A122 · armorial bearing, heraldry
Iconclass Keywords
Heraldry

Wappen Johann (Hans) Rudolf von Erlach, Dorothea Velga (Felga)

Inscription

[Hans Růdolf Erlach Dorotea Vel]gen sÿn Hu(s)Frauw.

Signature

Keine

Technique / State

State of Conservation and Restorations

Etliche neue Ergänzungen in der linken Hälfte der Scheibe; Sprungbleie und ein Sprung; die Verbleiung erneuert.

Restaurierungen

  1. Hälfte 19. Jahrhundert Johann Heinrich Müller, Bern (s. u.)? Beginn 20. Jahrhundert Hans Drenckhahn, Thun? Drei Ergänzungen aus dieser Scheibe befinden sich im Bernischen Historischen Museum, nämlich zwei Stücke der Helmdecke und der linke Teil der Inschrift (BHM Bern, Inv. 27216). Vermutlich handelt es sich dabei um Ergänzungen Johann Heinrich Müllers, die von Hans Drenckhahn ausgewechselt wurden.
Technique

Farbloses und farbiges Glas; rotes Überfangglas mit rückseitigem Ausschliff; Bemalung mit Schwarzlot und Silbergelb.

History

Research

Unter dem Herrschaftsherrn Jost von Diesbach (1503–1565) brannte das Schloss Worb 1535 ab. Nach dem Wiederaufbau empfing dieser für den dortigen Wohnraum Fenster- und Wappenstiftungen. Von dem um 1538 ins Schloss Worb gestifteten Zyklus haben sich vier heraldische Rundscheiben erhalten. Drei davon befinden sich im Bernischen Historischen Museum. Sie zeigen die Allianzwappen von Hans von Erlach und Magdalena von Mülinen (1538 datiert; Inv. 23608), von Hans Rudolf von Erlach und Dorothea Velga sowie von Hans Jakob von Wattenwyl und Rose de Chauvirey (1538 datiert; Inv. 23609). Hinzu kommt die inschriftenlose Rundscheibe mit dem Wappen von Offenburg im Historischen Museum Basel (Inv. 1903.330; ∅ 20 cm). Diese gelangte 1903 ans Basler Museum, und zwar durch Ankauf von Eduard von Goumoëns, der 1893–1899 Besitzer von Schloss Worb gewesen war und dasselbe 1898 hatte umbauen lassen. Damit liegt die Annahme nahe, dass er anlässlich des Umbaues die Von-Offenburg-Scheibe (zusammen mit anderen?) aus dem Schloss entfernte und einige Jahre später nach Basel veräusserte. Man darf Schloss Worb somit als den ursprünglichen Standort dieser Rundscheibe betrachten. Das darauf dargestellte Wappen dürfte mit anderen Worten dasjenige der Anna von Offenburg sein, der Gemahlin des Worber Schlossherrn Jost von Diesbach, der die in seinen erneuerten Wohnsitz gestiftete Glasgemäldefolge offenbar mit einer eigenen Doppelscheibe bereicherte (das Gegenstück mit seinem Wappen ist verschollen). Zum Worber Zyklus gehört möglicherweise auch die undatierte Allianzscheibe des Anton von Erlach und der Loysa von Hertenstein im Schweizerischen Nationalmuseum Zürich (Inv. LM 1093.3, ∅ 26,9 cm; Schneider 1971, Bd. 1, Kat.-Nr. 221). Diese ist vollkommen analog komponiert wie die Scheibe des Hans Rudolf von Erlach und der Dorothea Velga (vgl. Lehmann 1915, S. 325). Das in Zürich erhaltene Glasgemälde befand sich allerdings bis 1827 in der Sammlung Johann Martin Usteris und von 1827–1894 im Schloss Gröditzberg in Schlesien (Kat. Usteri 1894, Nr. 40). Es wäre also früher auf den Kunstmarkt gelangt als die anderen Worber Scheiben, die sich 1883 noch im Schloss befanden (von Mülinen 1883: "In den Gängen befinden sich alte gemalte Wappenscheiben."). Die Rundscheiben aus Worb besitzen die "ausgestanzten Helmdeckenblättchen" als gemeinsames Motiv. Dasselbe kennt man von mehreren anderen, möglicherweise alle von der gleichen (unbekannten) Hand geschaffenen Glasgemälden aus der Zeit von ca. 1534/35 bis gegen 1580 (Scheidegger 1947, S. 44f., 78f.; Kurmann-Schwarz 1998, S. 481f.). Trotz dieser Gemeinsamkeit stammen die Worber Scheiben jedoch kaum von derselben Hand. Wie von Hans Lehmann vorgeschlagen, dürften sie vielmehr Hans Funk zuzuweisen sein (Lehmann 1915). Sie lassen sich mit dessen Stadtscheiben von Bern und Lausanne im Rathaus von Lausanne vergleichen (vgl. Grandjean 1965, Fig. 321, 323; Bergmann 2014, Bd. 2, Abb. 1.5). Auch die mit Funk in Verbindung gebrachten Von-Erlach-Scheiben in der Kirche Jegenstorf verfügen über ähnliche Formen. Johann Rudolf von Erlach (1504–1553), der Sohn Johanns (1474–1539), war Freiherr zu Spiez und Herr zu Riggisberg. Seine aus Freiburg i. Ü. stammende französischsprachige Frau Dorothea Velga brachte ihm die Herrschaft Heitenried zu, wodurch er zum reichsten Berner seiner Zeit wurde. Er diente der französischen Krone und wurde 1525 in der Schlacht von Pavia gefangen genommen. In Bern wurde er 1525 Mitglied des Grossen und 1540 des Kleinen Rats. 1528 ernannte man ihn zum Thuner Schultheissen und 1530–1535 amtete er als Schultheiss zu Murten. 1536 schlug er die Landvogtei Gex aus (HBLS 3/1926, S. 60; von Erlach 1989, Stamm-Taf. C VIII). In der Kirche Jegenstorf gibt es von Johann Rudolf von Erlach und seiner Frau zwei Allianzwappenscheiben von 1530 und 1539. Von ihm dürfte ebenfalls die dort befindliche Von-Erlach-Scheibe stammen, die um 1530 vermutlich für das Schloss Jegenstort geschaffen wurde. Seine um 1538 ins Schloss Worb gestiftete Allianzscheibe ist im Bernischen Historischen Museum. Ebendort erhalten sind der Riss zu einer solchen (Hasler 1996/97, Bd. 1, Kat.-Nr. 174) sowie eine weitere Allianzwappenscheibe aus dem Jahr 1541 (BHM Bern, Inv. 23613). Auf ihn dürfte auch eine Scheibe in der Lesegesellschaft Basel zurückgehen (Lehmann 1915, S. S. 231, 324f.; Wegeli 1933, S. 7, Anm. 3). Zwei vermutlich 1527 datierte Rundscheiben mit dem Wappen von ihm beziehungsweise seiner Frau gehörten zum umfangreichen Zyklus, der um/nach 1527 ins Bubenberg'sche Sässhaus in Bern gestiftet wurde, wo Johann Rudolf von Erlach wohnhaft war. Dieser später in die Kirche Hindelbank überführte und dort verbrannte Zyklus muss durch ihn oder seinen Vater in Auftrag gegeben worden sein (vgl. Lehmann 1913).

Dating
um 1538
Period
1537 – 1539
Original Donator

Erlach, Johann (Hans) Rudolf von (1504–1553) · Velga (Felga), Dorothea

Previous Location
Place of Manufacture
Owner

Seit 1933 Bernisches Historisches Museum

Previous Owner

1903–1933 Historisches Museum Basel: 1933 ans BHM Bern verkauft (laut Foto SNM Zürich)

Inventory Number
BHM 23610

Bibliography and Sources

Literature

Egbert Friedrich von Mülinen, Beiträge zur Heimathkunde des Kantons Bern deutschen Theils, Viertes Heft. Mittelland. III. Papiermühle–Zuzwyl, Bern 1883, S. 314.

Jahresbericht der Kommission, in: Verein für das Historische Museum (Basel) und für Erhaltung Baslerischer Altertümer. Jahresberichte und Rechnungen. Jahr 1903, Basel 1904, S. 5.

Kantonale Alterssammlungen, in: Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde NF V/1903–04, S. 294 (1903 vom HM Basel angekauft).

Hans Lehmann, Die Glasmalerei in Bern am Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts, in: Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde NF 17/1915, S. 323–325 (Werkstatt Hans Funk: Heinrich Ban?).

Rudolf Wegeli. Ein Scheibenzyklus aus dem Schlosse Worb, in: Jahrbuch des Bernischen Historischen Museums, Jg. 13, 1933, S. 6 (Abb.).

Rudolf Wegeli, Sammlungsbericht, in: Jahrbuch des Bernischen Historischen Museums, Jg. 13, 1933, S. 149.

Rolf Hasler, Die Scheibenriss-Sammlung Wyss. Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Bernischen Historischen Museum, 2 Bde., Bern 1996/97, Bd. 1, S. 169.

Brigitte Kurmann-Schwarz, Die Glasmalereien des 15. bis 18. Jahrhunderts im Berner Münster, Bern 1998, S. 481f.

Uta Bergmann, Die Freiburger Glasmalerei des 16. bis 18. Jahrhunderts, Bern etc. 2014, Bd. 1, S. 213 (gegen Zuschreibung an Heinrich Ban).

Vgl.

Ausstellung von Glasgemälden aus dem Nachlasse des Dichters Johann Martin Usteri, Zürich 1894.

Hans Lehmann, Die zerstörten Glasgemälde in der Kirche von Hindelbank und ihre Beziehungen zur Familie von Erlach, in: Berner Kunstdenkmäler, Bd. 4, o. J. [1913].

Alfred Scheidegger, Die Berner Glasmalerei von 1540 bis 1580, Bern/Bümpliz 1947.

Marcel Grandjean, Les Monuments d'art et d'histoire du canton de Vaud. Tome I: La Ville de Lausanne, Basel 1965.

Jenny Schneider, Glasgemälde. Katalog der Sammlung des Schweizerischen Landesmuseums Zürich, 2 Bde., Stäfa o. J. [1971].

Hans Ulrich von Erlach, 800 Jahre Berner von Erlach. Die Geschichte einer Familie, Bern 1989.

Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz (HBLS).

References to Additional Images

Denkmalpflege Kt. Bern, Neg. Hesse B 1185, 1191; SNM Zürich, Neg. 15773

Image Information

Name of Image
BE_Bern_BHM_23610
Credits
© Bernisches Historisches Museum, Bern. Foto: Yvonne Hurni
Date
2016
Copyright
© Bernisches Historisches Museum, Bern (www.bhm.ch)

Inventory

Reference Number
BE_1453
Author and Date of Entry
Rolf Hasler ; Sarah Keller 2016

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