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BE_1444: Rundscheibe mit Wappen von Bennenwil
(BE_Bern_BHM_7249)

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Title

Runde Wappenscheibe Anna von Bennenwil

Type of Object
Artist / Producer
Funk, Hans · Werkstatt, zugeschr.
Dating
1527
Dimensions
⌀ 27.3 cm im Licht

Iconography

Description

Im Zentrum der Rundscheibe steht das Wappen der Anna von Bennenwil zwischen gelben Akanthusblättern. Es wird von einem aus Vasen wachsenden Blätterkranz in Grisaille- und Silbergelbmalerei umfasst. Darin sind zwei Narrengestalten sowie das Schriftband mit dem Stifternamen eingefügt.

Iconclass Code
31B8 · fool, simpleton, numskull
46A122 · armorial bearing, heraldry
Iconclass Keywords
Heraldry

Wappen Anna von Bennenwil

Inscription

Bennenwil.

Signature

Keine

Technique / State

State of Conservation and Restorations

Einige neue Ergänzungen aus Klarglas; zahlreiche geklebte Sprünge und Sprungbleie; die Verbleiung erneuert. Rückseitig die Brandmarke "α".

Restaurierungen

  1. Hälfte 18. Jahrhundert: Nach der Überführung nach Hindelbank wurde der Scheibenzyklus restauriert und erweitert (s. u.). Um 1874/75 Karl Wehrli, Zürich.
Technique

Farbloses und farbiges Glas; Bemalung mit Schwarzlot und Silbergelb.

History

Research

Das Wappen der Scheibe bezieht sich sicher auf Anna von Bennenwil († nach 1387), Tochter des Junkers Laurenz von Bennenwil und der Antonia von Avenches. Um 1377 heiratete sie den Ratsherren und Mitherren zu Balm Gerhard II. von Grasburg (* vor 1352), Sohn Jakobs II. und der Adelheid. Sie war die Mutter Margaretha von Grasburgs, die mit Hans von Erlach 1387 die Ehe einging (Kessel 2016). Ihre Scheibe hat sich ebenfalls im Bernischen Historischen Museum erhalten (BHM Bern, Inv. 7248). Die Wappenscheiben der Anna von Bennenwil und der Margaretha von Grasburg stammen ursprünglich aus dem sog. Erlacherhof in Bern. Unter Hans (Johann) von Erlach (1474–1539), dem Herrn zu Hindelbank, Jegenstorf, Riggisberg und Spiez und dem Gatten Magdalena von Mülinens, oder unter dessen Sohn Johann (Hans) Rudolf von Erlach (1504–1553) wurde dieses Stadthaus der Familie um 1525 umgebaut, 1527 vollendet und mit einem umfangreichen Rundscheibenzyklus ausgestattet, der einen auf zwei Jahrhunderte zurückreichenden förmlichen Stammbaum der Familie bildete. Etliche Stücke davon sind bzw. waren 1527 datiert. Der Zyklus umfasste wohl weit über 30 Einzelwerke und wurde von den Nachkommen bis ins beginnende 17. Jahrhundert fortgesetzt. Da der Sohn Hans Rudolf bereits 1528/29 im Hause wohnhaft war, sein Vater Hans jedoch erst 1530 dort einzog, ist zu vermuten, dass es eher der Sohn denn der Vater war, der den Zyklus in Auftrag gab (Lehmann 1915 und Hofer 1959; dagegen von Mülinen: Hans von Erlach). Beim Umbau des Hauses – nach Gruner (1913) vermutlich 1749 – wurde der Zyklus von dort entfernt. 28 Rundscheiben (Hofer 1959) gelangten damals in die Kirche Hindelbank. Dort liess Hieronymus von Erlach, der 1720 die Herrschaft Hindelbank zurückerworben hatte, auch einen prächtigen Landsitz erbauen. Anlässlich ihrer Versetzung wurden die Scheiben restauriert und nochmals durch eine Anzahl neuer Schilde vermehrt. 1874 wurden sie umfassend renoviert und dabei vom Glasmaler Karl Wehrli mit neuen Inschriften ergänzt. Bei der Brandkatastrophe vom 21. Juli 1911 wurde der Zyklus nahezu vollständig zerstört. Nur zwei Scheiben sowie einzelne Fragmente konnten ins Bernische Historische Museum gerettet werden. Alte, ein Jahr vor dem Brandunglück erstellte Fotos belegen glücklicherweise noch den Zusammenhang und Umfang der Glasgemälde. Hans Lehmann, der die Glasgemälde von Hindelbank anhand der Fotos 1913 publizierte, unterschied aufgrund der Qualität sowie der Inschriften und Zahlen zwei Glasmalerhände. Als ausführende Glasmaler sah er Hans Funk und Hans Dachselhofer, die hier – laut Lehmann – aufgrund ihrer gemeinsamen zürcherischen Herkunft zusammenarbeiteten. Es gibt in den Quellen jedoch keine eindeutigen Anhaltspunkte dafür, dass der ältere Dachselhofer neben seiner Tätigkeit als Glaser auch Glasgemälde ausführte. Hingegen bestehen kaum Zweifel daran, dass die Rundscheiben von 1527 im näheren Umkreis bzw. in der Werkstatt Hans Funks entstanden. Darauf weisen neben den schwellend fleischigen Blattkränzen die Inschriften hin. Auch die Zeichnung des Wappenlöwens kommt den heraldischen Löwen anderer Funk und seiner Werkstatt zugeschriebener Glasgemälde nahe, beispielsweise der Stadtscheibe Bremgartens im Bernischen Historischen Museum (BHM Bern, Inv. 20274) oder derjenigen der Pérolles-Kapelle in Freiburg i. Ü. (Bergmann 2014, Bd. 2, Kat.-Nrn. 1–3). Es ist durchaus plausibel, dass sich mehrere Gesellenhände an der Fertigung der Scheiben beteiligten, was gewisse qualitative Unterschiede und einzelne formale Wiederholungen erklären würde. So kamen die drei Imperatorenköpfe noch einmal an einer Scheibe mit dem Wappen von Erlach in gleicher Weise vor (Lehmann 1913, Taf. IX). Wie Hans Lehmann aufzeigte (1915, S. 223, Abb. 5), gibt es in der Sammlung Wyss des Bernischen Historischen Museums einen Riss, der in der Komposition mit dem Rundscheibenzyklus aus dem Erlacherhof verwandt ist. Lehmann sah darin eine von Hans Funk in der Zeit vor 1527 geschaffene Arbeit. Die seltsam anmutende Masswerkbordüre, die diesen Rundriss umschliesst, lässt jedoch vermuten, dass der betreffende Entwurf aus jüngerer Zeit datiert. Möglicherweise wurde er anlässlich einer der im 18. und 19. Jahrhundert durchgeführten Restaurierungen der nach Hindelbank überführten Scheiben zur Ergänzung einer der beschädigten Stücke geschaffen (Hasler 1996/97, Bd. 2, Kat.-Nr. 487). Eine Pause dieser Scheibe im Originalformat von Johann Heinrich Müller befindet sich als Depositum des Bernischen Historischen Museums im Vitrocentre Romont (BHM Bern, Inv. 23239). Darauf ist die Jahreszahl 1527 noch erhalten.

Dating
1527
Original Donator

Erlach, Hans (Johann) von (1474–1539) oder Erlach, Hans (Johann) Rudolf von (1504–1553)

Previous Location
Place of Manufacture
Owner

Seit 1912 Bernisches Historisches Museum

Previous Owner

Von ca. 1750–1911 ref. Kirche Hindelbank.

Inventory Number
BHM 7249

Bibliography and Sources

Literature

Egbert Friedrich von Mülinen, Beiträge zur Heimathkunde des Kantons Bern deutschen Theils, Zweites Heft. Mittelland. I. Aegerten–Jaberg, Bern 1880, S. 194.

Franz Thormann/Wolfgang Friedrich von Mülinen, Die Glasgemälde der bernischen Kirchen, Bern o. J. [1896], 30f.

Wolfgang Friedrich von Mülinen, Die Glasgemälde der Kirche von Hindelbank, in: Schweizer Archiv für Heraldik 13/1899, Heft 1, S. 4–6.

Jahresbericht des Historischen Museums in Bern 1912, Bern 1913, S. 24f., 46.

Hans Lehmann, Die zerstörten Glasgemälde in der Kirche von Hindelbank und ihre Beziehungen zur Familie von Erlach, in: Berner Kunstdenkmäler, Bd. 4, o. J. [1913], S. 17, Blatt 98b.

Johann Rudolf Gruner, Berner Chronik 1701–1761 (hrsg. von J. Sterchi), in: Blätter für bernische Geschichte, Kunst und Altertumskunde 9/1913.

Hans Lehmann, Die Glasmalerei in Bern am Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts, in: Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde NF XVI, 1914, S. 217–218 und NF XVII, 1915, S. 220–224.

Rudolf Wegeli. Ein Scheibenzyklus aus dem Schlosse Worb, in: Jahrbuch des Bernischen Historischen Museums, Jg. XIII, 1933, S. 7.

Paul Hofer, Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Bd. II: Die Stadt Bern, Basel 1959, S. 148f., Abb. 155, 156.

Vgl.

Rolf Hasler, Die Scheibenriss-Sammlung Wyss. Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Bernischen Historischen Museum, 2 Bde., Bern 1996/97.

Uta Bergmann, Die Freiburger Glasmalerei des 16. bis 18. Jahrhunderts, 2 Bde., Bern 2014.

P. Kessel, Berner Geschlechter, 2016 [URL: http://www.bernergeschlechter.ch/humo-gen/family.php?database=humo_&id=F307&main_person=I577; http://www.bernergeschlechter.ch/humo-gen/family.php?database=humo_&id=F307&main_person=I576; 17.3.2016].

References to Additional Images

Denkmalpflege Kt Bern, Neg. Hesse B 1202

Image Information

Name of Image
BE_Bern_BHM_7249
Credits
© Bernisches Historisches Museum, Bern. Foto: Stefan Rebsamen
Date
2007
Copyright
© Bernisches Historisches Museum, Bern (www.bhm.ch)

Inventory

Reference Number
BE_1444
Author and Date of Entry
Rolf Hasler ; Sarah Keller ; Uta Bergmann 2016

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