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BE_5059: Riss zu Wappenscheibe Riecher (Rieher) und Offenburg mit Enthauptung Agags
(DEU_Frankfurt_StaedelMuseum_BE_5059)

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Titel

Riss zu Wappenscheibe Riecher (Rieher) und Offenburg mit Enthauptung Agags

Art des Objekts
Masse
31.7 x 21.5 cm
Künstler:in / Hersteller:in
Datierung
1580/81
Standort
Inventarnummer
6777
Forschungsprojekt
Autor:in und Datum des Eintrags
Marion Gartenmeister 2023

Ikonografie

Beschreibung

Im Mittelbild wird die alttestamentliche Szene der Enthauptung des Königs der Alamelkiter Agag durch Samuel in Anwesenheit König Sauls gezeigt (1 Sam 15,33). Samuel, der in seiner rechten Hand noch das Schwert hält, präsentiert den vor ihm liegenden Torso Agags mit dem abgeschlagenen Kopf. Rechts im Bild schreitet Saul heran, der beide Hände in abwehrender Geste erhoben hat. Im Hintergrund wird eine weite Landschaft mit Kriegern gezeigt.
Die Hauptfiguren sind in Spruchbändern bezeichnet. Eine Säulenarchitektur rahmt das Mittelbild. In den Oberlichtern ist in der Mitte in einer Inschriftentafel die Bibelstelle der Vulgata (1 Reg 15 = 1 Sam 15) angegeben. Im linken Bildfeld salbt der Prophet Samuel Saul zum König (1 Sam 9,1–10). Rechts sitzt Saul auf dem Thron und wirft einen Speer nach David, der für ihn Harfe spielt (1 Sam 18).
In der Fusszone steht vor einer leeren Inschriftenkartusche rechts das Wappen Riecher (Rieher) und links das Wappen Offenburg zu Basel in einem Blattkranz. Sie sind durch die farbige Aquarellierung hervorgehoben. Der Rest der Zeichnung ist in feinen Tintenlinien erfasst und kontrastreich laviert. Darüber sind mit Rötel die Bleilinien eingezeichnet. Die Zeichnung ist mit einem dunklen, breiten Rahmen eingefasst.

Iconclass Code
46A122 · Wappenschild, heraldisches Symbol
48A9876 · Kartusche (Ornament)
71G113 · Sauls Salbung durch Samuel
71G361 · Samuel schneidet Agag in Stücke
71H153 · Saul wirft seinen Speer nach David, als dieser für ihn Harfe spielt (1 Samuel 18:11)
Iconclass Stichworte
Heraldik

Wappen Riecher (Rieher)
Wappen Offenburg: In Rot silberne, offene Burg.

Inschrift

I. REG. XV CAP (in der Kartusche oben in Schwarzbraun)
Saul / Samuel / Agag (in den Inschriftenbändern über bzw. unter den Figuren in Schwarzbraun)

HIP (Monogramm zu Füssen Samuels in Braunrot)
w 51 (in der Kartusche in Hellbraun) / sh 59 (auf der Rahmung, durchgestrichen)
RHLand kufet den 5 Jullius des 1605 Jars von Sullomon keller (verso) (Stempel mit Halbfigur eines nimbierten Engels)

Signatur

HIP

Materialien, Technik und Erhaltungszustand

Technik

Feder in Schwarz und Rot über Rötel, farbig aquarelliert, auf Büttenpapier.

Erhaltungszustand und Restaurierungen

Wasserzeichen nicht geprüft.
Vertikal- und Horizontalknick. Dicke schwarze Randlinien.

Entstehungsgeschichte

Forschung

Das heraldisch rechte Wappen mit dem springenden Reh ist auf die Familie Riecher in Basel zu beziehen (HBLS, 5. Bd., S. 627). Das Wappen mit offenem Turm verweist auf die in Basel ansässige Apothekerfamilie Offenburg (HBLS, 5. Bd., S. 340; Ganz, 1966, S. 68). Da es um 1580 keine Allianz zwischen diesen beiden Familien gab, handelt es sich wohl um die gemeinsame Stiftung zweier Amtsträger oder Freunde.
Das Monogramm "HIP" ist dem Glasmaler und Reisser Hans Jakob Plepp zuzuweisen, der 1581 in Basel das Bürgerrecht erhielt (Becker, 2015). Die ältere Forschung verband das Monogramm fälschlicherweise mit Hans Jetzeller (Schilling & Schwarzweller, 1973, S. 40).
Hans Jakob Plepp verwendete für das Mittelbild eine Vorlage Tobias Stimmers aus der jüdischen Geschichte nach Josephus Flavius (Tobias Stimmer, 1984, S. 176–178). Die Ausgabe von Conrad Lautenbach erschien erstmals 1574 (Flavius, 1574, S. 84r). Auch die linke Szene im Oberbild ist in diesem Buch (Flavius, 1574, S. 87v) ähnlich gestaltet.
Im Sammlungskatalog des Städel Museums (Schilling & Schwarzweller, 1973, S. 40) wird die Inschrift in rötlicher Tinte in der Kartusche als unleserliche Jahreszahl interpretiert. Es dürfte sich hierbei jedoch wohl eher um einen Eigentumsvermerk handeln, wie er sehr oft auf Scheibenrissen vorkommt. Auch bei der Buchstaben- und Zahlenfolge "sh59" auf der Kartuschenrahmung dürfte es sich um einen solchen Nachweis handeln. Dass die letztere Beischrift durchgestrichen ist, könnte ein Hinweis darauf sein, dass der spätere Besitzer den Eigentumsvermerk des Vorbesitzers tilgte und seinen eigenen hinzufügte.
Auf der Rückseite findet sich eine Notiz Hans Rudolf Landos, der schreibt, dass er die Zeichnung am 5. Juli 1605 bei Salomon Keller erworben habe. Bei dieser Gelegenheit erwarb Lando mindestens drei andere Scheibenrisse, darunter ein weiterer von Plepp (Bernisches Historisches Museum, BHM 20036.304, BE_4890) (Gartenmeister, 2019, S. 56). Den Erwerbsort nennt Lando nicht. Hasler (1996/1997, 1. Bd., S. 114) vermutete, dass es sich bei Keller um den aus Zürich stammenden Goldschmied handeln könnte, der 1604 in Bern nachweisbar ist. Allerdings wurde diesem das Bürgerrecht verwehrt, worauf er nach Thun weiterzog (Gartenmeister, 2019, S. 58). Eher in Frage käme der Glasmaler Salomon II. Keller (1582–1642), der bis zu Beginn der 1620er Jahre in Zürich tätig war, bevor er sich dem Staatsdienst widmete (Meyer, 1884, S. 241). Aus verschiedenen Beischriften Landos auf Scheibenrissen wissen wir, dass er 1604 und 1605 in Schaffhausen weilte (Gartenmeister, 2019, S. 51 u. S. 65), wie zum Beispiel auf dem Scheibenriss mit Jonas, der ins Meer geworfen wird (Kunsthaus Zürich, Inv. Z. 1938/0097, BE_7874). Es ist also denkbar, dass Lando bei seiner Rückreise nach Bern in Zürich Halt machte und dort den Riss beim Glasmaler Salomon II. Keller kaufte. Der Scheibenriss mit dem Verlorenen Sohn als Prasser (Bernisches Historisches Museum, BHM 20036.391, BE_2121) hat Lando 1603 nach dem Original von Christoph Murer oder einer weiteren Kopie nach Murer nachgezeichnet. Es könnte folglich auch möglich sein, dass Lando bereits 1603 in Zürich weilte und zu diesem Zeitpunkt die vier Blätter bei Salomon II. Keller gekauft haben könnte (Gartenmeister, 2019, S. 65).

Datierung
1580/81
Zeitraum
1580 – 1581
Stifter:in

Riecher (Rieher) · Offenburg

Provenienz

Vorbesitzer:in

Bis 1605 Salomon II. Keller, Zürich (1582–1642) · ab 1605 Hans Rudolf Lando, Bern (1584–1646) · seit 1886 im Städel Museum Frankfurt am Main

Vorbesitzer:in (strukturiert)
Von 1605 bis 1646 (ca.): Lando, Hans Rudolf, Bern (Schweiz)

Bibliografie und Quellen

Literatur

Becker, M. (2015). Plepp, Hans Jakob (Johann Jakob). In SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz. Abgerufen von: https://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=4029974.

Flavius, J. (1574). Historien und Bücher von alten jüdischen Geschichten. Strassburg: Conrad Lautenbach. Abgerufen von: https://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb10139698.html.

Ganz, P. L. (1966). Die Basler Glasmaler der Spätrenaissance und der Barockzeit. Basel/Stuttgart: Schwabe & Co.

Gartenmeister, M. (2019). "Erkauffdt durch mich HRLando", Der Glasmaler Hans Rudolf Lando als Sammler von Scheibenrissen. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 76 (3), 51–74, https://doi.org/10.5169/seals-846965.

Hasler, R. (1996/1997). Die Scheibenriss-Sammlung Wyss. Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Bernischen Historischen Museum. Bern: Stämpfli und Cie AG.

HBLS. Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. (1921–1934). 8 Bde. Neuenburg.

Meyer, H. (1884). Die schweizerische Sitte der Fenster- und Wappenschenkung vom XV. bis XVII. Jahrhundert. Frauenfeld: Verlag J. Huber.

Schilling, E. & Schwarzweller, K. (1973). Katalog der deutschen Zeichnungen: Alte Meister, Prestel.

Tobias Stimmer 1539–1584 (1984). Spätrenaissance am Oberrhein, Ausst. Kunstmuseum Basel Sept. bis Dez. 1984. Basel.

Weiteres Bildmaterial
Vorlage

Holzschnitt von Tobias Stimmer in Josephus Flavius, Historien und Bücher von alten jüdischen Geschichten. Strassburg 1574

Bildinformationen

Name des Bildes
DEU_Frankfurt_StaedelMuseum_BE_5059
Fotonachweise
Städel Museum, Frankfurt am Main
Link zum Originalfoto
Copyright
Public Domain

Zitiervorschlag

Gartenmeister, M. (2023). Riss zu Wappenscheibe Riecher (Rieher) und Offenburg mit Enthauptung Agags. In Vitrosearch. Aufgerufen am 19. Oktober 2026 von https://vitrosearch.ch/objects/2722097.

Informationen zum Datensatz

Referenznummer
BE_5059