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BE_2548: Riss zu Wappenscheibe Anton Wyss
(ZH_Zuerich_SNM_BE_2548)

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Titel

Riss zu Wappenscheibe Anton Wyss

Art des Objekts
Masse
29.5 x 18.8 cm
Künstler:in / Hersteller:in
Datierung
1585
Standort
Inventarnummer
AG 11877
Forschungsprojekt
Autor:in und Datum des Eintrags
Marion Gartenmeister 2023

Ikonografie

Beschreibung

Das Wappen Wyss steht auf einem schmalen Podium. Als Schildbegleiterin steht rechts neben dem Wappen die Personifikation der Klugheit (Prudentia). Sie ist in einem leichten Kontrapost mit einem Buch zwischen den Füssen dargestellt. Sie blickt in den Spiegel, den sie in ihrer linken Hand hält. Hinter ihnen erhebt sich eine Architekturrahmung mit Volutenbogen. Die Ornamente des Rahmens sind nur in der linken Blatthälfte vollständig ausgebildet. Der zentrale mit Rollwerk gestaltete Schlussstein des Volutenbogens teilt das Oberbild in zwei Hälften. Links reiten und laufen gerüstete Männer durch einen Wald. Rechts ist ein weiterer Reiter gezeigt.
Eine in Doppelprojektion gestaltete Inschriftenkartusche besetzt die Fusszone. Sie wird links von einem mit einer Muskete zielenden Putto und rechts mit einem vielleicht in einen Spiegel blickenden Putto begleitet.
Die Zeichnung ist in feinen eher flüchtigen schwarzen Tintenstrichen erfasst und in Schwarzgrau laviert.
Rechts neben den Füssen der Prudentia hat Hans Rudolf Lando seinen Eigentumsvermerk angebracht.

Iconclass Code
11M41 · Klugheit, Prudentia (Ripa: Prudenza), als eine der vier Kardinaltugenden
43C11 · Jagen; die Jagd
46A122 · Wappenschild, heraldisches Symbol
46C131 · auf einem Pferd, Esel oder Maultier reiten; Reiter(in)
Iconclass Stichworte
Heraldik

Wappen Wyss, Anton: In Gold auf grünem Dreiberg zwei schwarze Rohkolben mit grünem Halm und grünen Blättern.

Inschrift

Herr Anthoni Wyss altter / Vogt zů Wangen vnd des / Rhatts zu Bern 1585 (in der Kartusche in Schwarz)
NVR (rechts in der Rahmung der Kartusche in Grauschwarz)
HRLando 1605 (in Hellbraun rechts zu Füssen der Wahrheit)
27 (in der Rahmung in Schwarz)
Erkauft von Ludwig Koch durch mich HR Lando 160% Jars (Rückseite unter Japanpapier in Hellbraun)
WF (Besitzerzeichen)
(Am oberen Seitenrand beschnitten und nicht mehr entzifferbar alte Beischrift in Hellbraun. In Bleistift Inventarnummer. Sammlerstempel des Schweizerischen Landesmuseums)

Signatur

NVR

Materialien, Technik und Erhaltungszustand

Technik

Wasserzeichen nicht bestimmt. Randlinien.
Feder in Schwarz, grau laviert.

Erhaltungszustand und Restaurierungen

Vertikalknick.
Vertikal in der Mitte verlaufende Fehlstellen und Flecken; braune Flecken.
Das Blatt wurde restauriert und rückseitig mit Japanpapier verstärkt.

Entstehungsgeschichte

Forschung

Die Tugend Prudentia (Klugheit) gehört zu den vier Kardinaltugenden, die in der Glasmalerei beliebte Begleitfiguren sind. Diese Figuren sind oft auch als Einzelfiguren nicht nur in der Druckgraphik, sondern auch auf Vorlageblättern zur freien Verfügung für Reisser und Glasmaler zu finden, zum Beispiel auf einer Zeichnung, die Bartholomäus Lingg zugeschrieben wird (Karlsruhe Kunsthalle, Inv. XI749). Für die abgebildete Personifikation konnte keine genaue Vorlage gefunden werden.
Der Stifter Anton Wyss (17.10.1531–1588) war ab 1572 Vogt zu Aarwangen und 1570 und 1581 wurde er in den kleinen Rat in Bern gewählt (HLBS, 1943, 7. Bd., S. 608; Kessel, 2017). Von Beruf war er Kannengiesser. 1563 amtete er als Kastlan in Wimmis und diente als Zeugwart, Gleitsherr und Börsenpfenninger. Er war dreimal verheiratet: 1553 mit Magdalena Noll, Tochter des Hans Noll und der Agnes Lehmann, 1554 mit Verena Zwygart und 1564 mit Ursula Im Haag, Tochter des Peter Im Haag. Von Wyss hat sich in Aarwangen eine Bildscheibe mit der Justitia erhalten (BE_14). Diese Scheibe stiftete er anlässlich des Kirchenneubaus (Hasler, Keller & Bergmann, 2016).
Auf der Vorderseite beschriftete Hans Rudolf Lando 1605 den Riss mit seinem Eigentumsvermerk. Er kaufte das Blatt gemeinsam mit über 50 weiteren Blättern bei seinem Berner Kollegen Ludwig Koch (Gartenmeister, 2019, S. 56). Auf der Rückseite ist ein weiteres Besitzerzeichen "WF" zu erkennen. Dieses findet sich auch auf anderen Scheibenrissen, unter anderem auf einem Entwurf für eine Wappenscheibe Johann Anton II. Tillier, der in der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum aufbewahrt wird (BHM 20036.737; Hasler, 1996/1996, 1. Bd., S. 245). Lehmann (1945, S. 31) identifizierte das ligierte WF als Besitzerreichen des Glasmalers Wolfgang (Brandolf) Furter aus Zofingen. Demnach wäre Furter noch vor Ludwig Koch in Besitz des Risses gewesen.

Datierung
1585
Stifter:in

Wyss, Anton

Provenienz

Eigentümer:in

Schweizerisches Nationalmuseum

Vorbesitzer:in

Monogrammist WF / Wolfgang Furter, Zofingen · bis 1605 Ludwig Koch, Bern (1577– vor 1613) · 1605 Hans Rudolf Lando, Bern (1584–1646) · Antiquarische Gesellschaft Zürich · Schweizerisches Nationalmuseum

Vorbesitzer:in (strukturiert)
Von [Eingangsjahr unbekannt] bis 1605: Koch, Ludwig, Bern (Schweiz)
Von 1605 bis 1646 (ca.): Lando, Hans Rudolf, Bern (Schweiz)

Bibliografie und Quellen

Literatur

Gartenmeister, M. (2019). "Erkauffdt durch mich HRLando", Der Glasmaler Hans Rudolf Lando als Sammler von Scheibenrissen. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 76 (3), 51–74, https://doi.org/10.5169/seals-846965.

Hasler, R. (1996/1997). Die Scheibenriss-Sammlung Wyss. Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Bernischen Historischen Museum. Bern: Stämpfli und Cie AG.

Hasler, R., Keller, S. & Bergmann, U. (2016). Bildscheibe Anton Wyss mit der Justitia über den Weltenherrschern. Abgerufen von:https://www.vitrosearch.ch/de/objects/2246359.

HBLS. Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. (1921–1934). 8 Bde. Neuenburg.

Kessel. P. (2017). Historisches Familienlexikon der Schweiz. Abgerufen von: www.hfls.ch.

Lehmann, H. ([1945]). Glasmaler und Glasgemälde des alten Zofingen im Rahmen der Stadtgeschichte, Zofingen.

Weiteres Bildmaterial

SNM Zürich, Neg. 45899

Bildinformationen

Name des Bildes
ZH_Zuerich_SNM_BE_2548
Fotonachweise
Schweizerisches Nationalmuseum

Zitiervorschlag

Gartenmeister, M. (2023). Riss zu Wappenscheibe Anton Wyss. In Vitrosearch. Aufgerufen am 19. Oktober 2026 von https://vitrosearch.ch/objects/2722089.

Informationen zum Datensatz

Referenznummer
BE_2548