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VO_78: Deckelpokal · Grand verre à couvercle orné du portrait du roi Louis Ier de Bavière
(FR_Romont_VMR_VO_78)

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Titel

Deckelpokal · Grand verre à couvercle orné du portrait du roi Louis Ier de Bavière

Art des Objekts
KünstlerIn / HerstellerIn
Werkstatt / Atelier
Datierung
Um 1830
Masse
37.30 cm Höhe (mit Deckel)

Ikonografie

Beschreibung

Deckelpokal mit einem Portrait aus Biscuitporzellan von König Ludwig I. von Bayern (1786-1868).

Inschrift

Keine

Signatur

Keine

Technik / Zustand

Erhaltungszustand und Restaurierungen

Kleine Bestossungen an Schliffkanten.

Technik

Farbloses Glas. Wohl Biscuitporzellan. Die Innenseite von Kelch und Deckel sind glatt, hingegen ist die äussere Oberfläche des Gefässes grösstenteils geschliffen; ausgenommen sind Teile des Nodus’ des Schaftes, die Lippe des Pokals, der Teil des Deckels, der auf der Lippe aufliegt und derjenige, der in den Pokal hineingreift, sowie der Nodus des Deckelknaufs. Der Boden des Fusses ist minim hochgewölbt und mit einem sternförmigen Schliff versehen. Die eingeglaste weisse Paste wurde von der Glashütte auswärts bestellt, wahrscheinlich in Paris. Für das Einbringen der Paste in die Wandung des Werkstückes gab es verschiedene Vorgehensweisen. In einer fast zeitgenössischen Beschreibung von 1849 wird folgendes ausgeführt (Pellatt 1849, S. 119f.): Voraussetzung für das Gelingen ist, dass die Paste einen höheren Schmelzpunkt hat als das Glas, in das sie eingefügt wird. Die Paste wird aus Porzellanerde und einem Super-Silikat (Gemisch aus Quarzsand und wenig Potasche, bei sehr hoher Temperatur teilweise geschmolzen) hergestellt, beide Teile werden gemahlen und in solchen Proportionen gemischt, dass diese Mischung mit der Dichte des Glases harmoniert. Nach der Abformung in einer Negativform soll die Paste erhitzt und anschliessend direkt weiterverarbeitet oder aber erhitzt, zwischendurch abgekühlt und anschliessend für die Verarbeitung wieder hoch erhitzt werden. Die Paste wird ‹eingeglast›, indem der Glasmacher mit seiner Glasmacherpfeife eine Blase formt und diese auf einer Seite öffnet, damit die Paste eingeführt werden kann. Anschliessend wird die Öffnung zusammendrückt und bei hoher Hitze verschmolzen. Die Paste befindet sich jetzt also in einer geschlossenen Blase. Als nächstes wird die Glasblase nochmals stark erhitzt, wobei der Glasmacher Luft aus der Glasblase absaugt, wodurch sich diese zusammenzieht und die Paste gleichmässig umschlossen wird. Der so entstandene Glasposten wird dann von der Glasmacherpfeife abgetrennt, langsam abgekühlt und anschliessend so vorbereitet, dass er in die Form eingesetzt werden kann, die wiederum erhitzt wird und in die nachher für die Herstellung des Endproduktes eine weitere Glasblase eingeblasen wird, mit der sich der Glasposten verbindet. Ein anderes von Pellatt beschriebenes, schnelleres Verfahren besteht darin, das Gefäss, das eine Paste enthalten soll, zu formen und – so lange es noch heiss ist – die vorgewärmte Paste aufzusetzten und diese dann mit einem kleinen Posten heissen Glases zu überdecken. Das Glas wird dann über der Paste so dünn als möglich glattgestrichen, wodurch auch Luftblasen, die sich hinter der Paste befinden können, entfernt werden. Pellatt betont, dass dieses Verfahren eine sehr sorgfältig Abkühlung bedingt (Pellatt 1849, S. 120f.).

Entstehungsgeschichte

Forschung

Das Portrait aus Biscuitporzellan in strengem Profil nach links und in antikisierender Form zeigt König Ludwig I. von Bayern (1786-1868), der den Thron von 1825 bis 1848 innehatte. Ludwig wurde bereits als Kronprinz in antikisierender Art wiedergegeben (Lenbachhaus in München, Bronzeplastik von Bertel Thorvaldsen aus dem Jahr 1821). Als Vorbild für die Plastik des Deckelpokals könnte ein silberner Kronentaler von 1828 gedient haben, auf dem auch der für Darstellungen Ludwigs I. typische Lippenbart und der kleine Bart auf der Unterlippe, eine sogenannte ‹Fliege›, zu sehen sind (abrufbar von https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_I._(Bayern)#/media/File:1828_Ludwig_I._Bayern_Kronentaler.JPG). Die Harrach’sche Glashütte in Neuwelt auf der böhmischen Seite des Riesengebirges wurde um 1712 von der Familie der Grafen von Harrach gegründet. Sie war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einer der führenden Betriebe in dieser für die Geschichte der Glasherstellung wichtigen Region. Nachdem eingeglaste Pasten aus Frankreich etwa ab der Jahrhundertwende bekannt waren, wurden in der Harrach’schen Glashütte ab 1821 erste Versuche damit unternommen (Brožová, 1972, S. 252), und um 1830 wurde sie dafür gelobt, die besten Arbeiten mit dieser speziellen Technik erzeugt zu haben. Die Porzellanplastiken wurden auswärts bestellt und zum Teil von weit her eingeführt, 1829 etwa aus Paris (Brožová, 1972, S. 253). Die Verarbeitung von Porträts Ludwigs I. ist für die Zeit von 1830 bis 1833 nachgewiesen (Brožová, 1978, S. 56, 65). Stücke mit dieser Art von Dekor, mit Glas von höchster Qualität und zusätzlich mit Schliff galten zu ihrer Entstehungszeit als Luxusobjekte. Sie wurden wohl ausschliesslich für Repräsentationszwecke verwendet. Zum hier vorgestellten Deckelpokal mit der Darstellung Ludwigs I. konnte bisher kein Gegenstück nachgewiesen werden. Als Vergleiche für eingeglaste Portraits Ludwigs I. kann auf einen Becher im Bayerischen Nationalmuseum in München verwiesen werden (Rückert, 1982, S. 315 und Taf. 292, Nr. 905), weiter auf ein Exemplar im Glasmuseum Passau (Spiegel, 2001). Das Portrait zeigt bei beiden Bechern ein streng nach rechts gerichtetes Profil; es wurde nach einer anderen Vorlage als dasjenige des hier vorgestellten Stückes hergestellt. Für weiterführende Literatur zu eingeglasten Pasten siehe Pazaurek (1923, S. 292-311), Brožová (1972), Pazaurek & Philippovich (1976, S. 278-291) und Brožová (1995).

Datierung
Um 1830
Zeitraum
1810 – 1850
Eingangsdatum
2014
Herstellungsort
EigentümerIn

Vitromusée Romont

VorbesitzerIn

Privatbesitz

Inventarnummer
VO 78

Bibliografie und Quellen

Literatur

Brožová, J. (1972). Eingeglaste Pasten der Neuwelter Glashütte aus der ersten Hälfte des 19. Jhts. In Association Internationale pour l'Histoire du Verre (Hrsg.). Annales du 5e Congrès de l’Association Internationale pour l’Histoire du Verre, Prague 6-11 juillet 1970 (S. 251–260). Liège: Edition du Secrétariat Général.

Brožová, J. (1978). Harrachovské sklo se zatavenými pastami z 2. čtvrti 19. století (Das Harrachsche Glas mit eingeglasten Pasten aus dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts). Ars Vitraria 6, 50–66.

Brožová, J. (1995). In G. Höltl (Hrsg.). Das Böhmische Glas 1700-1950 (S. 180–189). Passau: Passauer Glasmuseum.

Pazaurek, G. E. (1923). Gläser der Empire- und Biedermeierzeit. Leipzig: Verlag Klinkhardt & Biermann.

Pazaurek. G. E. & Philippovich, E. von. (1976). Gläser der Empire- und Biedermeierzeit. Braunschweig: Klinkhardt & Biermann.

Pellatt, A. (1849). Curiosities of Glass Making: Details of the Process and Production of Ancient and Modern Ornamental Glass Manufacture. London: David Bogue.

Rückert, R. (1982). Die Glassammlung des Bayerischen Nationalmuseums München. München: Hirmer.

Spiegel, W. (2001). Nachtrag zu PK 2000-05, Gekrönte Häupter, König Ludwig I. von Bayern. Pressglas-Korrespondenz, (3). Abgerufen von: https://www.pressglas-korrespondenz.de/aktuelles/pdf/spiegl-becher-ludwig.pdf

Ausstellungen

15.06.2014–04.01.2015: Le bouquet de Chagall, Acquisitions récentes, Vitromusée Romont, Romont

Bildinformationen

Name des Bildes
FR_Romont_VMR_VO_78
Fotonachweise
© Vitromusée Romont (Foto: Erwin Baumgartner, Basel)
Aufnahmedatum
2017

Inventar

Referenznummer
VO_78
AutorIn und Datum des Eintrags
Erwin Baumgartner 2017

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Zusätzliches Bildmaterial
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