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BE_756: Bildscheibe Gutman Zoller und Barbara Willis mit der Madonna
(BE_Worb_refK_ZollerG)

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Titel

Bildscheibe Gutman Zoller und Barbara Willis mit der Madonna

Art des Objekts
Künstler / Hersteller
unbekannt · Erlach-Scharnachtal-Werkstatt
Herstellungsort
Datierung
1522
Masse
79. x 53. cm im Licht

Ikonografie

Beschreibung
Vor rotem Damastgrund kniet der Stifter in Andachtshaltung auf grünblättrigem Wiesengrund vor der Gottesmutter. Die in einen langen blauen Mantel gekleidete, blond gelockte und gekrönte Marienfigur trägt auf ihrem linken Arm den Jesusknaben, während sie in ihrer Rechten einen goldenen Globus hält. Gutman Zoller ist als graubärtiger Ritter in einen schwarz und gelb geschachten Waffenrock gehüllt und mit einem Schwert bewaffnet. Die Figuren rahmen seitlich Pilaster mit vorgesetzten schlanken Säulen. Darüber erhebt sich ein steinerner Rundbogen, an dem sich zwei gelbe Äste mit Blattwerk kreuzen. Am Scheibenfuss befindet sich die kaum mehr lesbare Stifterinschrift.
Iconclass Code
11(+5) · christliche Religion (+ Stifter, Bittsteller, mit oder ohne Schutzheilige(n))
11F4 · Madonna; d.h. Maria mit dem Christuskind
46A124 · Ritter
Iconclass Stichworte
Inschrift
[Houp?]tman Gutman zoller gesessen jm / ...er vnd Barbli Willis sin Eliche husfrow 1522.
Signatur
Keine

Technik / Zustand

Erhaltungszustand und Restaurierungen
Teile des Madonnenhaares und des grünen Wiesengrundes vermutlich alt ergänzt; der ganze rechte Bogenteil und der linke Bogenansatz, das Glas mit den Köpfen Mariens und des Jesusknaben sowie das kleine Stück in der Ecke unten links neu ergänzt. Möglicherweise setzte sich der blaue Mantel über der Schulter Mariens ursprünglich fort. In diesem Falle müsste der aus altem Glas bestehende weisse Schulterteil der Madonnenfigur ein altes Flickstück sein. Farbverluste, namentlich in der Inschrift (diese ist auf dem Foto 8387 des SNM Zürich noch gut lesbar); Sprungbleie; die Verbleiung erneuert.

Restaurierungen
1520er Jahre: Hans Lehmann und, ihm folgend, Fritz Engler, gehen davon aus, dass viele der 1521/22 in die Kirche gestifteten Scheiben infolge eines Unwetters (Hagelschlag) bereits kurz nach ihrer Entstehung restauriert werden mussten (Engler: "alle Scheiben im Chor und auf der Nordseite"). Nach Lehmann sollen bei dieser Restaurierung viele Scheibenteile von zwei Händen ergänzt worden sein, nämlich einerseits von Jakob Wyss (u. a. soll er mehrere Inschriften erneuert haben) und andererseits von Hans Funk. Dass namentlich im Chor bereits in den 1520er Jahren Glasgemälde zu reparieren waren, erscheint zwar plausibel. Wie bereits Heinz Matile feststellte (Kat. Manuel 1979, S. 53), lassen sich die allenfalls um oder kurz nach 1522 eingesetzten Ergänzungen aus heutiger Sicht jedoch kaum mehr sicher eruieren und ebenso wenig einer bestimmten Restauratorenhand zuweisen.
17./18. Jahrhundert: Laut Hans Lehmann sollen im betreffenden Zeitraum grössere Restaurationen (mit Ergänzungen) durchgeführt worden sein (Notizen Lehmanns in Unterlagen von Heinz Matile, BHM Bern).
Ende 19. Jahrhundert: Laut Hans Lehmann gab es damals eine Scheibenrestaurierung durch Johann Heinrich Müller, Bern (Notizen Lehmanns in Unterlagen von Heinz Matile, BHM Bern).
1932/33 Glasmaler Eduard Boss, Bern: Neuverbleiung der Glasgemälde (laut Fritz Engler soll Boss damals die in vielen Scheiben enthaltenen "abstossenden Flickstücke" nicht ersetzt haben).
Technik
Farbloses und farbiges Glas; Bemalung mit Schwarzlot und Silbergelb (der Damast teilweise rückseitig bemalt).

Entstehungsgeschichte

Forschung
Die sechs nicht zum zwölfteiligen Scheibenzyklus im Chor gehörenden Glasgemälde gelangten gleichfalls zur Zeit der Chorerneuerung, das heisst um 1521/22, in die Kirche. Weil man damals auch das Langhaus mit neuen Fenstern versah, liegt die Annahme nahe, dass sie für diese bestimmt waren. Nach Johann Rudolf Rahn (1882), Hermann Kasser (1893) sowie Franz Thormann und Wolfgang Friedrich von Mülinen (1896) befanden sich die sechs betreffenden Scheiben gegen Ende des 19. Jahrhunderts jedenfalls im Kirchenschiff, und zwar diejenige Gutmann Zollers in zweitem Fenster an dessen Nordseite. Hans Lehmann identifiziert den Stifter mit Gutman Zoller, einem Angehörigen der gleichnamigen ausgestorbenen Berner Familie. Seit 1495 im Grossen Rat von Bern vertreten, wurde dieser im Jahre 1500 wegen seiner Söldnerdienste als Hauptmann für Herzog Ludovico Sforza von Mailand daraus entlassen, vier Jahre später aber wieder aufgenommen. Er war laut Inschrift mit Barbara Willis verehelicht. Sein Waffenrock ist in den Von-Diesbach-Farben Gold und Schwarz gehalten, was darauf deutet, dass er zu diesem Geschlecht in enger Verbindung stand (Schlup). Seine genauen Beziehungen zu den von Diesbach bleiben aber zu klären. Zollers Stiftung ist weitgehend identisch gestaltet wie die Figurenscheibe, die Kaspar von Mülinen 1519 in die neu erbaute Kirche von Hindelbank schenkte. Dort bildete diese Teil der Glasgemäldefolge, mit der damals Hans von Erlach (1474–1539) die Kirche ausschmücken liess und die beim Brand von 1911 zugrunde ging (Schweizerisches Nationalmuseum Zürich, Fotos 8229, 8235; Lehmann 1914, S. 131, Abb. 3). Von Mülinens zerstörtes Glasgemälde als Arbeit Jakob Meyers betrachtend, spricht Hans Lehmann in seiner 1913 erstellten Schätzung der in der Kirche Worb befindlichen Scheiben die von Zoller dorthin gestiftete ebenfalls diesem Berner Meister zu. Im Widerspruch dazu steht sein Zuschreibungsvorschlag in der Publikation zur Berner Glasmalerei von 1914. Darin bezeichnet er Zollers Stiftung als ein von Jakob Wyss mehr oder weniger vollständig erneuertes Werk. Dazu ist zu sagen, dass die Zuweisung der Stiftung von Mülinens an Meyer eine reine Hypothese darstellt und dass auch offen bleiben muss, von wem die Worber Scheiben möglicherweise schon kurz nach ihrer Entstehung restauriert wurden (s. Erhaltungszustand und Restaurierungen). Mehr zu überzeugen als Lehmanns Zuschreibungsversuche vermag derjenige von Brigitte Kurmann-Schwarz. Ihr zufolge stammt die Figurenscheibe Gutman Zollers von einem unbekannten Mitarbeiter der Erlach-Scharnachtal-Werkstatt. Laut ihr schuf die betreffende Hand für das Berner Münster die der Werkstatt den Namen gebenden Wappenscheiben des Rudolf von Erlach und dessen Gattin Barbara von Scharnachtal sowie darüber hinaus die Scheibe des Komturs von Köniz, Christoph Reich von Reichenstein und die Doppelstiftungen des Klosters Frienisberg und der Kartause Thorberg (Kurmann-Schwarz, S. 371f., Abb. 284–291). Für die gleiche Hand in Anspruch nimmt sie zudem die drei Scheiben des Rudolf von Erlach in der Kirche Jegenstorf, der Kirche Oberbalm und aus der Wallfahrtskirche Oberbüren im Bernischen Historischen Museum (BHM Bern, Inv. 2430) sowie die runde Berner Standesscheibe mit den schildhaltenden Engeln in der Kirche Lützelflüh. Mit Zollers Glasgemälde stilistisch gut vergleichbar sind von den genannten Werken insbesondere die beiden von der Kartause Thorberg im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts ins Münster gestifteten Scheiben. Zum einen zeigen sie das gleiche Damastmuster und zum anderen sind bei ihnen die Gewänder der Engel (ebenso wie derjenigen der Bernscheibe in Lützelflüh) im Faltenwurf dem Madonnenmantel von Zollers Stiftung nahe verwandt.
Datierung
1522
Stifter
Zoller, Gutman · Willis, Barbara
Herstellungsort
Eigentümer
Kirchgemeinde Worb.
Die Unterhaltspflicht der dreizehn 1901 im Chor befindlichen Glasgemälde damals vom Staat Bern zusammen mit dem Chor an die Kirchgemeinde abgetreten (nach dem am 1. April 1940 überarbeiteten Verzeichnis der Glasgemälde in den Kirchenchören des Kantons Bern, erstellt 1936 von B. von Rodt; Staatsarchiv Bern, Inv. BB 05.7.343).

Bibliografie und Quellen

Literatur
Johann Rudolf Rahn, Zur Statistik schweizerischer Kunstdenkmäler. IV. Canton Bern, in: Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde, Januar 1882, Nr. 1, S. 252.
Egbert Friedrich von Mülinen, Beiträge zur Heimathkunde des Kantons Bern deutschen Theils, Viertes Heft. Mittelland. III. Papiermühle–Zuzwyl, Bern 1883, S. 311.
Hermann Kasser, Die Kirche von Worb und ihre Glasgemälde, Sep.-Abdruck aus: Kirchliches Jahrbuch für den Kanton Bern 1893, Bern 1893, S. 30.
Franz Thormann/Wolfgang Friedrich von Mülinen, Die Glasgemälde der bernischen Kirchen, Bern o. J. [1896], S. 22, 29, 96.
Heinrich Oidtmann, Geschichte der Schweizer Glasmalerei, Leipzig 1905, S. 247.
Hermann Schmitz, Die Glasgemälde des königlichen Kunstgewerbemuseums in Berlin. Mit einer Einführung in die Geschichte der deutschen Glasmalerei, Bd. 1, Berlin 1913, S. 184.
Hans Lehmann, Die Glasmalerei in Bern am Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts, in: Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde NF 16/1914, S. 228f., Taf. XXVIb (Jakob Wyss).
K. Frei, Wyss, Jakob, in: Schweizerisches Künstler-Lexikon 4/1917, S. 460 (Jakob Wyss).
Fritz Engler, Geschichte der Kirche Worb. Gedenkblatt zur Erinnerung an die Renovation 1932/33, Worb 1933, S. 8–12.
Jürg Schweizer, Kunstführer Emmental, Wabern 1983 (2. Aufl.), S. 131.
Samuel Rutishauser, Kirche Worb (Schweizerische Kunstführer), Bern 1985, S. 11–15.
Brigitte Kurmann-Schwarz, Die Glasmalereien des 15. bis 18. Jahrhunderts im Berner Münster, Bern 1998, S. 372, 374, 454, Abb. 443.
Murielle Schlup, "dem heiligen Sant mauritzien an sinen buw". Die Kirche von Worb im Mittelalter, in: Worber Geschichte, Bern 2005, S. 392–395, Farbabb. 25.
Unterlagen von Heinz Matile im Bernischen Historischen Museum Bern (Kopien im Vitrocentre Romont; u. a. mit Schätzung der Scheiben und handschriftlichen Notizen Hans Lehmanns vom 10. 9. 1913.
Weiteres Bildmaterial
Denkmalpflege Kt. Bern, Neg. Hesse B 1486, Neg. Howald 06490; SNM Zürich, Neg. 8387 (Jakob Wyss)

Bildinformationen

Name des Bildes
BE_Worb_refK_ZollerG
Fotonachweise
© Vitrocentre Romont
Aufnahmedatum
2015
Copyright
© Reformierte Kirchgemeinde Worb

Inventar

Referenznummer
BE_756
Autor und Datum des Eintrags
Rolf Hasler ; Sarah Keller ; Patricia Sulser 2016

Weiteres Bildmaterial und verwandte Objekte

Zusätzliches Bildmaterial
Schema
Version 0.9.8.1