Name

Reformierte Kirche, ehem. St. Mauritius

Adresse
Enggisteinstrasse 6
3076 Worb
Geographische Hierarchie
Koordinaten (WGS 84)
Autor und Datum des Eintrags
Rolf Hasler 2016
Informationen zum Gebäude / zur Institution

Die Kirche Worb, deren Patron der hl. Mauritius war, wird in ihrem heutigen Erscheinungsbild durch das grosse, saalförmige Schiff, den Turm und den polygonal geschlossenen Chor bestimmt. Im Schiff zeugen nicht nur das während der Restaurierung freigelegte, nun wieder verputzte und weiss getünchte Mauerwerk, sondern auch die beiden kleinen, westlichen, halbrunden Fenster von der Entstehung des Bauwerks in frühromanischer Zeit. Vier hohe spätgotische Fenster mit Masswerken spenden dem Raum Licht. Ursprünglich muss im Schiff eine hölzerne Flachdecke angenommen werden; die heutige, trapezförmige Decke wurde während der jüngsten Restaurierung eingebaut. Der Eingang auf der Südseite mit seinem barocken, korbbogenförmigen Sandsteingewände trägt die Jahreszahl 1719. Die Vorhalle vor dem Westeingang stammt aus den 1930er Jahren. Empore und Orgel wurden 1983/84 neu gestaltet. Der prächtige, im Osten dreiseitig geschlossene Chor ersetzte 1520/21 eine bescheidene, spätromanische Anlage. Er weist seit jeher einen eigenen Eingang auf der Nordseite sowie einen Zugang zur Sakristei auf der Südseite auf. Im Gegensatz zum Schiff besitzen die spitzbogigen Masswerkfenster Gewände aus Stein. Die Masswerke der Chorfenster wie auch diejenigen der Fenster im Schiff weisen vielfältige geometrische Formen auf, wie sie für die späte Gotik charakteristisch sind. Im Innern trennt ein gedrückter, abgefaster Spitzbogen den erhöhten Chor vom Schiff. Nachrichten über Bautätigkeiten an der Kirche finden sich erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Was die ältere Geschichte betrifft, sind wir auf die Bauforschungen angewiesen, die während der Restaurierung von 1983/84 durchgeführt wurden. Diese bestätigten, dass die Kirchengründung weit über die in den schriftlichen Quellen für das Jahr 1236 durch "Rodolfus, plebanus de Worwo et de Biglum" verbürgte Erwähnung zurückgeht. Aufgrund der aus den archäologischen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnissen ist anzunehmen, dass in Worb spätestens in der Völkerwanderungszeit eine Siedlung entstand, die vermutlich bereits im 7. oder 8. Jahrhundert zur Gründung einer Kirche führte. Der damalige Holzbau wurde von einer kleinen Steinkirche abgelöst, bevor man wohl im 11. Jahrhundert ein neues Gotteshaus baute. Von dieser frühromanischen Saalkirche besteht das Schiff heute noch. Ursprünglich schloss im Osten eine halbrunde Apsis an, die wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts durch ein querrechteckiges Altarhaus ersetzt wurde. Kurz nach 1430 entstand der Turm an der südlichen Schulter des Schiffes. Der bedeutendste Eingriff geschah in den Jahren 1520/21, als die Familie von Diesbach, die kurz vorher die Kirchenrechte erworben hatte, an Stelle des einfachen, spätromanischen Altarhauses einen langgestreckten, dreiseitig geschlossenen Chor errichten liess und ihn in der Folge mit einer prächtigen Ausstattung versah. Zwischen dem Chor und dem Turm entstanden gleichzeitig die Sakristei, und das Schiff erhielt, dem Chor entsprechend, grosse Spitzbogenfenster.

Literatur

Samuel Rutishauser, Kirche Worb (Schweizerische Kunstführer), Bern 1985.

Murielle Schlup, "dem heiligen Sant mauritzien an sinen buw". Die Kirche von Worb im Mittelalter, in: Worber Geschichte, Bern 2005.

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