Nom

Bucher, Leontius2

Variantes du nom
Bucher, Leonz
Dates de naissance et de décès
Sursee 24.3.1653 – [1714 Freiburg]
Auteur et date de la notice
Uta Bergmann 2016
Données biographiques
Leontius (Leonz) Bucher stammte aus Sursee, wo er als Sohn von "Dauid Bucher" und "Barbara Düfel", die wohl ein Mitglied der Bildhauerfamilie Tüfel war, am 24. 3. 1653 getauft wurde (SA Sursee SAS_D_001.DB1.1 Taufbuch (1598–1663). Freundlicher Hinweis von Stadtarchivar Michael Blatter und Fabienne Bächler, die für uns die Nachforschungen im SA Sursee vornahm). Er gehörte einer angesehenen Glasmalerfamilie an. Bereits sein Vater David Bucher (1.2.1624–27.10.1695) übte diesen Beruf aus, ebenso sein mutmasslicher Bruder Hans Jakob Bucher (tätig um 1670–1707) (Seine Taufe ist in Sursee nicht verzeichnet, nur
jene seines Bruders Hans Jost geb. am 17. 5. 1655. SAS_D_001.DB1.1 Taufbuch [1598–1663]). Beide Söhne erlernten das Handwerk sicher bei ihrem Vater. Leonz Bucher war mit dem Surseer Hinterglasmaler Johann Peter Abesch (1666–1731) verschwägert (Darauf weist ein geschwärztes Papier, das als Deckblatt für ein Hinterglasgemälde von 1697 in Solothurner Privatbesitz diente und eine Abrechnung Hans Peter Abeschs mit seinem "herrn schwager Leonti Bucher" beinhaltet. Staffelbach 1951. S. 46, S. 152, Anm. 19 und S. 153, Anm. 20), doch wissen wir nicht genau wie (Georg Staffelbach stellte eine Ehe Leontius’ mit Barbara von Esch zur Diskussion. Leontius war jedoch mit Catharina Heid verheiratet [s. u.]). Am 25. 3. 1675 heiratete Leontius Bucher "Catharina Heiden von Solothurn". Die Hochzeit fand in Solothurn statt, wie ein Zusatz im Ehebuch Sursees vermerkt: "sponsalia sua et matrimonium […] licentia celebravit solodori in requisitis festibus" (SA Sursee SAS_D_001.DB2.1 Ehebuch (1598–1792). Die dortige Hochzeit fand am 17. 2., die kirchliche am 25. 2. 1675 statt. StASO Ehebuch Solothurn 1580–1731. S. 363). Ein gemeinsamer Sohn wurde dem Ehepaar in Sursee geboren und am 22. 9. 1677 auf den Namen Jodocus Mauritius getauft (SA Sursee SAS_D_001.DB1.2 Taufbuch [1664–1727]).
Leonz Bucher fand offenbar in seiner Heimatstadt kein Auskommen, wo neben seinem Bruder Hans Jakob auch der Glasmaler Hans Jost Tschupp (1637–1712) tätig war. Der Glasmaler zog daher vielleicht über Solothurn, das mit Luzern und Sursee ebenso wie mit der Stadt Freiburg gute Beziehungen pflegte und aus dem seine Frau stammte, in die Stadt an der Saane. Er wird hier erstmals im Januar 1679 erwähnt: "Leontius Bucher, ein frembder glaßmahler, ist alhie tolleriert" (RM 230, 1679, p. 8 (16. 1. 1679): "…vnndt haben herr seckelmeister vnndt stattschrÿber gwalt ihmme wegen vorhaten fensterwapen etwas nach
befinden werden laßen"). Der Glasmaler brachte eine Reihe vorgefertigter Wappenscheiben mit nach Freiburg, um seine Kunst anzupreisen und seine Aufnahme in der Stadt zu erleichtern. Seckelmeister und Stadtschreiber wurde es freigestellt, dem Glasmaler nach Gutdünken dafür etwas zu zahlen. Da in den Seckelamtsrechnungen keine derartige Zahlung erscheint, ist denkbar, dass Bucher dabei leer ausging. Bucher war die Art, sich durch ein Rekommandationsgeschenk beim Rat zu empfehlen, aus der näheren Heimat her
sicher gut bekannt (1589 hatte der Glasmaler Peter Balduin von Zofingen dem Berner Rat ein Hinterglasgemälde mit der Darstellung des Abendmahls verehrt. 1671 schenkte Wolfgang Spengler dem Rat in Luzern eine Scheibe mit der Stadtansicht [Bergmann 2014. Bd. 1. Abb. 8]). Und noch 1747 überreichte Franz Thaddäus Menteler d. Ä. dem Zuger Rat ein hinter Glas gemaltes Kreuzigungsbild als Neujahrsgeschenk. Jolidon 1999. S. 49; Glanzlichter 2000. S. 90, Nr. 38 und S. 157–158, Nr. 80). Schon im Mai 1679 wurde dem Ehepaar in Freiburg ein zweiter Sohn geboren, Franz Joseph, der in der Nikolauskirche getauft wurde (Taufbuch IIa 6a, p. 271 [29. 5. 1679]: Taufpate war Franz Josef Fegely). Franz Bartholomäus kam 1681 zur Welt (Taufbuch IIa 7a, p. 15 [1. 5. 1681], vgl. nochmals p. 25: unter B und unter P eingetragen). Leontius Bucher wurde am 15. 12. 1682 mit nur zwei Söhnen in Freiburg eingebürgert: "Leontius Bucher von Sursee ein glaßmahler ist sambt zween söhnen zu einem ÿngesessnen burger mittlest 50 (kronen) die in paarem erlegt worden, empfangen, in dem verstand, daß mein hochgeehrter h. seckelmeister ihme den rest wirdt abverdienen lassen" (RM 233, 1682, p. 519 [15. 12. 1682]). Die Aufnahme der drei Personen kostete ihn insgesamt 363 Pfund. Fünfzig Kronen bzw. 217 Pfund zahlte der Meister bar, die restlichen 146 Pfund konnten mit den Scheiben verrechnet werden, die der Glasmaler in Zukunft für die Stadt fertigen sollte (I, 7 Hintersässenrodel III, fol. 85v [15. 12. 1682]. Darunter Abrechnung). Bürgen waren die Gebrüder Kleli (Klöli), Glocken- und Büchsenschmiede von denen Franz Bartholomäus schon Pate seines Sohnes gewesen war. Mit seiner Ehefrau Catharina Heid brachte Leontius Bucher in Freiburg noch sieben weitere Kinder zur Taufe: Johann Jakob (*13. 2. 1683), Hans Peter (*25. 2. 1685), Kaspar Josef (*21. 3. 1687), Maria Catharina (*8. 1. 1690), Ursula Franziska (*27. 10. 1692), Anna Maria (*17. 10. 1695) und Maria Barbara (*30. 3. 1700) (Taufbuch IIa 7a, p. 45 [13. 2. 1683], p. 72 [25. 2. 1685], p. 95 [21. 3. 1687], p. 119 [8. 1. 1689], vgl. nochmals p. 131 [8. 1. 1690, zweiter Eintrag von 1690 wohl der richtige], p. 159 [27. 10. 1692], p. 194 [17. 10. 1695], p. 246 [30. 3. 1700]). Eines seiner Kinder starb am 3. 8. 1698 und wurde auf dem St. Johanns-Friedhof beigesetzt (Sterbebuch IId 1a, p. 80). Leontius Bucher war ein unauffälliger Bürger, der in den Ratsprotokollen kaum in Erscheinung tritt. Mehrfach findet man ihn alleine oder mit seinem Sohn Hans Peter als Zeugen in Notariatsakten (RN 358, fol. 191r [4. 4. 1690]; RN 208, unpag. [1703–1710]). Am 27. 8.1691 unterschrieb Leontius Bucher "burger, glasmahler vndt wirth zu Frÿburg" einen Schuldbrief über dreissig Pfund zugunsten von Hans Stierli von Tafers (RN 306, p. 172). Welche Wirtschaft er führte, ist leider unbekannt. Das Geld, das ihm der im Ausland weilende Gummer 1693 schuldete, stammte von einem Privatkredit (RM 244, 1693, p. 429 [3. 8. 1693]). 1694 erreichte Peter Gelterwil ein capiatis, eine Hafterwirkung gegen Leontius Bucher, der seine Schulden nicht begleichen konnte (RM 245, 1694, p. 280 [11. 5. 1694]). Zwei Jahre später, am 21. 9. 1696 stellte jedoch Niklaus Mottet dem "ehrsammen vndt bescheidnen meisteren Leontio Buecher burger vndt glaßmahler" eine Quittung aus und annulierte damit sämtliche Ansprüche, die er und Peter Gelterwil, Wirt von Curly (Curlin, Cournillens), gegenüber Bucher und seine Erben hatten (RN 309, p. 345–347). Im gleichen Jahr, am 2 4. 11. 1696, quittierte ihm "Claude Berthoud des Friquets demeurant à Delaÿ" ( Delley) die Rechnung für drei Fässer Wein, womit die Tätigkeit Buchers als Wirt weiterhin belegt ist (RN 310, p. 37). Leontius Bucher wohnte in der unteren Altstadt, entweder im Au- oder im Neustadtquartier, denn im Mai 1695 hielt er um eine finanzielle Hilfe an, um die hinter seinem Haus zusammengefallene Mauer an der Saane wieder aufrichten zu können. Der Schaden war durch eine neu errichtete Flussschwelle ausgelöst worden (RM 246, 1695, p. 313 [31. 5. 1695]). Erst 1704 trat Leontius Bucher wieder als Bittsteller auf, um für seinen Sohn das Patrimonium auf dem Grossen Spital zu erlangen (RM 255, 1704, p. 252 [22. 4. 1704]. Das Patrimonium war eine finanzielle Absicherung gegen allfällige spätere Bedürftigkeit und für die Erlangung der Subdiakonatsweihe obligatorisch. Es wurde meist auf dem Spital errichtet und vom Rat verliehen). Franz Joseph (*1679) wurde 1706–1752 als Kaplan in Plaffeien tätig (Thürler 1997. S. 19, Nr. 1019). Seine Söhne Kaspar (*1687) und Hans Peter (*1685) ergriffen den väterlichen Beruf des Glasers bzw. Glasmalers (vgl. Bergmann 2014. Bd. 1. S. 240, 233). Das Todesdatum von Leontius Bucher ist nicht überliefert, da zwischen 1708 und 1732 die Sterbebücher fehlen. 1712 war der Glasmaler jedenfalls noch am Leben, denn am 8. April bat er den Rat nochmals um eine Bausubvention, nachdem die Saane die Mauer hinter seinem Haus wiederum zerstört hatte. Er erhielt dafür zwei Taler aus der Kanzlei (RM 263, 1712, p. 251 und 292: "Leontius Bucher vmb eine gnädige handtreichung zu widerauffrichtung einer mauern hinder seinem hauß, so durch die sanen verderbt worden…" Diese Unterstützung ist ebenfalls in den Seckelamtsrechnungen schriftlich festgehalten: SR 507, 1711/12, p. 106: "steüwr, allmußen: dem glaßmahler Buocher luth vrthel des (ohne Datum) 12 lb."). 1714 war er erkrankt, und sein Sohn Hans Peter bat den Rat, ihn finanziell bei der Erlernung des Glasmalerhandwerks zu unterstützen (s. Bergmann 2014. Bd. 1. S. 233). Leontius Bucher, damals im Alter von 61 Jahren stehend, dürfte bald darauf gestorben sein.
Der Glasmaler war seit spätestens 1680 Mitglied der Lukasbruderschaft (Corporations 26.1, fol. 29v: "Leontius Buecher Glaßmaler", mit den neuzeitlichen Zusätzen «de Sursee» «reçu 1680». Vgl. Berthier/Diesbach 1892. S. 26). Am Bott vom 16. Juni strafte man ihn ab, weil er unerlaubterweise für Ignatius Raemy Gipserarbeiten ausgeführt hatte, obwohl er doch als Glasmaler, nicht als Maler, in der Gesellschaft sass (Corporations 26.1, fol. 19r). Seine Uneinigkeit mit den Kollegen war jedoch bald vergessen, denn in der Quittung, welche die Lukasbruderschaft dem Glaser Hans Jungo am 7. 3. 1706 für seine Aufnahme in die Gesellschaft ausstellt, wird Leontius Bucher als alter Bruderschaftsmeister bezeichnet (RN 319, p. 181). Der erste Eintrag in die Seckelamtsrechnung erfolgte unter einem verschriebenen Namen (SR 478, 1682/83, p. 25: "Niderlaßgelt: Glaßmahler Hueber vff abschlag 217… glaßmahler zalt weiters 18 lb den 13. Jan.").
Leonz Bucher schuf sicher von 1682 bis 1711 zahlreiche Scheiben für den Staat. Da seine Arbeit mit dem Geld für seine Niederlassung abgerechnet wurde, erscheint sein Name jedoch erst 1696 in den Seckelamtsrechnungen. Der Glasmaler zahlte noch 1711/12 Raten an sein Niederlassgeld (SR 506, 1710/11, p. 21 und SR 507, 1711/12, p. 21). Die Rechnungseinträge nennen häufig nur Summen, ohne genauere Angaben. Im Gegensatz zu den privaten Stiftungen gingen die öffentlichen aufgrund der einschränkenden Verordnungen allerdings sehr stark zurück. Leontius Bucher schuf jedoch nachweislich die noch heute erhaltene Ratsherrenscheibe 1701 für das Augustinerkloster (Bergmann 2014. Bd. 2. Kat.-Nr. 197) sowie die verschollenen Scheiben der Obrigkeit von 1710 in die Kapelle Dürrenberg (vgl. Bergmann 2014. Bd. 2. Kat.-Nr. 202–204), ferner jene nach Tscherlis (Echallens) im Jahr 1711/12 und ins Zunfthaus der Schuhmacher 1713/14. Ob auch die nicht erhaltene obrigkeitliche Scheibe nach Schwarzenburg von 1710/11 Leontius Bucher zuzuschreiben wäre, bleibt fraglich, da in den Amtsrechnungen der Name des beauftragten Glasmalers nicht genannt wird. Hier könnte auch eine direkte Zahlung an den Ort erfolgt sein, der dann einen fremden Glasmaler für die Ausführung der Wappenscheibe beauftragt hätte. Bucher wird in den Seckelamtsrechnungen häufig nur als der "glasmaler", ohne Namen, oder nur mit Nachnamen betitelt, woraus auch ersichtlich wird, dass Leontius Bucher nach Jost Hermanns Tod (1677/78) und trotz der bis 1692 nachweislichen, aber nur sporadischen Tätigkeit Rudolf Hermanns der einzig wichtige Glasmaler in Freiburg war, was durch die stilistische Einheitlichkeit der Freiburger Glasgemälde in dieser Zeit ebenfalls bestätigt wird. Schwierig ist hingegen abzuschätzen, wann der Sohn Hans Peter Bucher die Rolle seines Vaters Leontius übernahm (s. Bergmann 2014. Bd. 1. S. 233). Auch die noch heute erhaltene Scheibe des Kapitels St. Nikolaus für die Kapelle in Dürrenberg (Bergmann 2014. Bd. 2. Kat.-Nr. 202) wird dem "glaßmahler" ohne Namensnennung bezahlt (Chapitre de Saint-Nicolas, Comptes 1710: "Außgeben: Dem glaßmahler für capitels wappen in der nüwen capellen zu Gurmels 26 lb 8 ß."). Leontius Bucher bekam jedoch ein Jahr später die gleiche Summe für eine verlorene Kapitelscheibe ausbezahlt, welche in die Sakristei der Kirche St. Nikolaus eingebaut wurde (Chapitre de Saint-Nicolas, Comptes 1711: "Außgeben: Dem Leontio Buöcher für die wapen des capituls so in der sacristeÿ seindt gethan worden 26 lb 8 ß."). Ein 1713 datiertes, mit der Kapitelscheibe vom Dürrenberg quasi identisches Glasgemälde hat sich zudem im Musée d’art et d’histoire in Genf erhalten (Inv.-Nr. 001712. Deonna 1926. S. 174–178; Deonna 1929. S. 142. Mit Ergänzungen des 19. Jahrhunderts; Bergmann 2014. Bd. 2. Abb. Kat.-Nr. 202.1).
Die bislang einzig bekannte Scheibe, die mit Buchers Monogramm LB versehen ist, entstand in Freiburg für den Landschreiber von La Roche Jakob Bapst 1696 (Bergmann 2014. Bd. 1. Abb. 160). Die aus der Sammlung H. C. Honegger in New York stammende Scheibe konnte 1971 aus dem Kunsthandel Zürich für das Schweizerische Nationalmuseum erworben werden (Inv.-Nr. LM 47024. Zuvor Sammlung Stanley Mortimer. Hier als Stiftung von Jakob Jost gelesen. Winkler 1947. S. 34, Nr. 42; Boesch 1953. S. 10, Nr. 69; 80. Jahresbericht des SLM 1971. S. 61, 75, Abb. 90). Sie liefert den Beweis dafür, dass die grosse, stilistisch einheitliche Gruppe von Glasgemälden ab 1679 in Freiburg – die schon aus zeitlichen Gründen nur für ihn in Frage kommt – tatsächlich der Hand Leontius Buchers entstammt. Die Arbeiten Buchers verraten zudem noch sehr deutlich seine künstlerische Herkunft aus der Luzerner Landschaft.
Das erste in Freiburg aus der Hand Buchers stammende Werk dürfte die Wappenscheibe des Hauptmanns Hans Jakob Joseph Alt aus dem Jahr 1679 darstellen (Bergmann 2014. Bd. 2. Kat.-Nr. 163). Bucher zeigt hier sein ganzes Können, indem er das von einer luftigen Helmdecke, mit einem Federbusch gekrönte und von einem Palmzweig umgebene Wappen in eine zierliche Säulenhalle mit vorspringenden Seitenflügeln setzt und im Oberbild eine miniaturartig gezeichnete Schlachtendarstellung anbringt. Die bögig grosse Scheibe, die dem glänzenden Militär- und Staatsmann alle Ehre bezeugt, steht qualitativ und künstlerisch über der Massenproduktion, die das weitere Werk des Surseers ausmacht. Das Grundschema dieser Scheibe nahm der Glasmaler nochmals 1685 in der Wappenscheibe Jean Antoine de Castella im Schweizerischen Nationalmuseum (Schneider 1971. Bd. II. S. 335, Nr. 678. Foto
SLM 11068; Bergmann 2014. Bd. 2. Abb. Kat.-Nr. 14.2) und 1691 in der Wappenscheibe für Hans Reynold (Bergmann 2014. Bd. 2. Kat.-Nr. 14) auf. Bucher schloss sich hier eng an den Stil an, den er bei seinem Vater und Bruder und seinen Luzerner Glasmalerkollegen in seiner ursprünglichen Heimat kennengelernt hatte. So finden sich vor allem die kriegerischen Trophäen, die das Wappen und die Stifterinschrift rahmen, auch auf den Scheiben seines Bruders wieder (Lehmann 1941. S. 225. Vgl. Abb. 329, 330). In den achtziger Jahren stellte Bucher eine ganze Reihe von halbbögigen Wappenscheiben für die Freiburger Patrizier, Bürger und Landbevölkerung nach ähnlichen Mustern her. Bald setzte er das Einzelwappen ins Zentrum, alleine (Bergmann 2014. Bd. 1. Abb. 161; Standort unbekannt. Aus der Sammlung Roman Abt. Foto SLM 14997) oder begleitet von zwei in der Rahmenarchitektur stehenden Heiligen (Bergmann 2014. Bd. 2. Kat.-Nr. 174, 178, 277), bald nahmen die beiden Allianzwappen eines Stifterpaares die ganz Scheibenbreite vor der zweiteiligen Architektur ein (Bergmann 2014. Bd. 2. Kat.-Nr. 169, 173, 177). Auch hier lässt sich der Figurenstil seiner Heiligen noch sehr gut aus seiner Luzerner Lehrzeit ableiten (Vgl. Lehmann 1941. Abb. 308 [Hans Jakob II. Geilinger, Luzern zugeschrieben], Abb. 325 [David Bucher zugeschrieben], Abb. 331, 332 [Hans Jakob Bucher zugeschrieben]). Die Scheibe für den Grossrat Franz Peter Fegely aus dem Jahr 1681 zeigt ein selten reich ausstaffiertes Wappen vor ornamentalem Hintergrund (Bergmann 2014. Bd. 1. Abb. 162; Privatbesitz Bern. Foto SLM 31306). Bildscheiben seiner Hand sind selten (Bergmann 2014. Bd. 2. Kat.-Nr. 168), wobei die Scheibe für den Düdinger Kaplan Hans Jakob Astheimer wieder alle seine Glasmaler-Qualitäten abrufen liess (Bergmann 2014. Bd. 2. Kat.-Nr. 167). Allgemein setzte sich, vor allem in den neunziger Jahren, mehrheitlich die querrechteckige Wappenscheibe durch. Aufgrund ihres reduzierten Formats und einfachen Glasschnitts wird sie günstiger und daher sehr beliebt gewesen sein. Sie besticht aber auch durch die Verbindung der bunten Vollwappen mit einem belebten Landschaftsgrund, der oft hinter der bunten Säulenarchitektur in reiner Grisaillemalerei ausgeführt wurde (Bergmann 2014. Bd. 1. Abb. 163). Solche Scheiben bildeten sich gleichzeitig auch im Luzernischen aus (Lehmann 1941. Abb. 304–307 [Hans Jakob II. Geilinger, Luzern zugeschrieben], Abb. 335 und 336 [Hans Jakob Bucher zugeschrieben], Abb. 347 [Hans Jost Tschupp, Sursee, zugewiesen]). Leontius Bucher schuf zudem und vor allem nach 1700 kleine Rundscheiben in reiner Grisaillemalerei oder in Kombination des farbigen Wappens mit einem grauen Landschaftsgrund (Zwei runde Wappenscheiben für Claude Delesève 1708 und Martin Odet und Elisabeth Ruginet 1706 im Musée des arts décoratifs in Lyon. Mandach 1907. S. 335, Nr. 5a/b; Recensement CV France III 1986. S. 302, case 8). Solche Scheibchen konnten sich auch die einfachen Bürger und Handwerker leisten, wie die sehr schöne Stiftung Hans Wilhelm Gumys von 1701 im Musée Grobet- Labadié in Marseille belegt (Inv.-Nr. SN-MGL-11. Bergmann 2014. Bd. 1. Abb. 77).
Leontius Bucher war offenbar auch für auswärtige Kundschaft tätig. Drei Scheiben, die eine für den Pfarrer von Savièse Jean de la Combe im Musée d’art et d’histoire in Genf 1688 (Inv.-Nr. 0799. Deonna 1929. S. 149; Bergmann 2014. Bd. 1. Abb. 164) und die anderen für den Sittener Bischof Franz Joseph Supersaxo (1701–1734) (Standort unbekannt. Foto SLM 6193. Diese ist vor allem in der Schrift und der Hintergrundornamentierung mit den späten Bucher-Werken [Bergmann 2014. Kat.-Nr. 197, 202] verwandt. Nur die etwas metallisch-harte, graphische Behandlung der Figuren könnte eventuell auch für die Spengler-Werkstatt in
Konstanz sprechen) und den Walliser Hauptmann Peter Pfaffen 1687 (Sitten, Geschichtsmuseum Wallis, Inv.-Nr. MV 3281), lassen sich stilistisch an sein Freiburger Werk anschliessen. Letztere zeigt im Oberbild eine interessante Schützenszene (Bergmann 2014. Bd. 1. Abb. 165) und vertritt die Stilstufe der Scheiben in Le Buth (Bergmann 2014. Bd. 2. Kat.-Nr. 276–277) oder der Scheibe Nicolas Truffins (Bergmann 2014. Bd. 2. Kat.-Nr. 178). Belegte Arbeiten (anhand SR): in Freiburg: Ratsherrenscheibe ins Augustinerkloster 1701 (1701/02; Kat.- Nr. 197); Standesscheibe ins Zunfthaus der Schuhmacher (1713/14). Auswärts: Standesscheibe in die Kapelle Dürrenberg
1710 (1710/11) Standesscheibe nach Tscherlis (Echallens) (1711/12)Standesscheibe nach Schwarzenburg? (1710/11).
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