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SR_53: Riss zu Berner Ämterscheibe
(BE_Bern_Kunstmuseum_SR_53)

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Title

Riss zu Berner Ämterscheibe

Type of Object
Dimensions
42.9 x 33 cm
Artist / Producer
Dating
1617?
Location
Inventory Number
A 3428
Research Project
Author and Date of Entry
Marion Gartenmeister 2023

Iconography

Description

Im Zentrum steht die Wappenpyramide Bern-Reich, die rechts von einem Schweizerdolch haltenden Bären und links von einem Schwert haltenden Löwen begleitet wird. Die beiden Schildhalter führen jeweils ihr Banner, das Berner und das Zähringer Wappen, mit sich. Sie stehen auf einer schmalen, erhöhten Bühne wobei der Löwe seinen Fuss auf den Reichsapfel gestellt hat, und der Bär seinen auf einen Totenkopf. Ein ovaler Kranz mit den 42 Ämtern umfasst die Wappenpyramide. In den Zwickeln sind die vier Wappen der gemeinsam verwaltenden Ämter, Schwarzenburg, Murten, Orbe und Grandson, eingefügt, wobei die beiden oberen Wappenschilde leer sind.
Unterhalb der Wappenpyramide hat Hans Rudolf Lando den Riss beschriftet.

Iconclass Code
25F23(BEAR) · beasts of prey, predatory animals: bear
25F23(LION) · beasts of prey, predatory animals: lion
31F11 · death's head, skull (symbol of Death)
44A1 · coat of arms (as symbol of the state, etc.)
44A1(+3) · coat of arms (as symbol of the state, etc.) (+ province; provincial)
44B191 · crown (symbol of sovereignty)
44B193 · orb (symbol of sovereignty; sphere with cross on top)
46A122 · armorial bearing, heraldry
Iconclass Keywords
bear · coat of arms · cross · crown · lion · orb · province · skull
Heraldry

Wappen Bern, Reich, Ämter Thun, Zofingen, Aarau, Brugg, Lenzburg, Nidau, Büren, Aarberg, Erlach, Saanen, Château-d'Oex, Landshut, Biberstein, Signau, Aawangen Huttwil, Königsfelden, Payern, Vevey, Avenches, Nyon, Oron, Romainmôtier, Yverdon, Morges, Moudon, Lausanne, Brandis, Aigle, Aarburg, Wiedlisbach, Wangen, Trachselald, Unterseen, Interlaken, Aeschi, Frutigen, Untersimmental, Obersimmenbtal, Hasli, Laupen udn Burgdorf. Gemeinsamverwaltete Ämter Schwarzenburg, Murten, Orbe und Grandson.

Inscription

Schwarzenburg / Murten (in schwarzer Tinte Namen der Wappen in den Zwickeln, oben) / Grandson / Orben (unten)
HRLando (in Hellbraun zwischen den beiden Bernwappen) / 1617 (darunter in Schwarz)
Thun / Zoffinden / Arow / Bruck / Lentzburg / Nydow / Büren / Arberg / Erlach / Sannen / Osch / Landtshutt / Biberisten / Signow / Arwangen / Hüttvil / Küngsfelden / Pätterlingen / Viuvis / Wyflispurg / Neu[y]s / Orung / Romamostier / Ifferden / Morse / Milden / Lossanna / Brandis / Aalen / Arburg / Wiettlispach / Wangen / Trachselwald / Undersewen / Interlacken / Eschi / Fruttgen / Niedesiebntahl / Obersibenthall / Hasle / Louppen / Burgdorff (die Namen der Ämterwappen im Ovalkranz in Schwarz, im Uhrzeigersinn in der Mitte beginnend)
Bern / Zähringen (Kennzeichnung in grauschwarzer Tinte in den beiden Bannern)
Payern (mit Bleistift beim Wappen Petterlingen) (Farbangaben in den Wappen)
br25 (in Hellbraun in linken Berner Schild)

Signature

keine

Materials, Technique and State of Preservation

Technique

Braunschwarze und schwarze Feder auf Papier, Bleistift.

State of Preservations and Restorations

Wasserzeichen nicht erkennbar.
Horizontal- und Vertikalknick. Keine Randlinien.
Der Riss ist an den Faltlinien in vier Einzelteile geteilt, die rückseitig geklebt sind. Er ist auf eine feste Unterlage montiert. Grössere Ausschnitte und Fehlstellen an allen vier Ecken, die später auf der Unterlage ergänzt wurden. Grössere braune Flecken und Ausbrüche an den Rändern.

History

Research

Die Komposition der Ämterscheibe mit einem ovalen Kranz geht auf einen Entwurf Abraham Bickharts von 1576/77 zurück, der sich in der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum befindet (BHM 20036.580). Dieser Entwurf diente für mehrere Ämterscheiben als Muster beziehungsweise Vorlage, darunter die Samuel Sybold zugeschriebene Scheibe im Schloss Holligen bei Bern (BE_999) oder möglicherweise die Scheibe im Schützenhaus von Basel (BS_909; Giesicke, 1991, S.88–90; Hasler, 1996/1997, 1. Bd. S. 189–190, Matile, 1965/1966, S. 51).
Die vorliegende Zeichnung zeigt gegenüber der Komposition Bickharts jedoch einen Bären und einen Löwen als Schildbegleiter, die jeweils das Banner tragen. Dies ist eine spätere Abwandlung, die sich auch auf einer von Hans Balthasar Fisch signierten Scheibe von 1655 im Bernischen Historischen Museum (BHM 37026, BE_886) wiederfindet. Ihr Mittelbild mit dem Löwen und dem Bären als Bannerträger geht wohl auf einen Scheibenriss Hans Ulrich I. Fischs von um 1637 zurück (Bernisches Historisches Museum, Sammlung Wyss, BHM 20036.589). Die mit dem Scheibenriss in Verbindung stehende von Hans Ulrich I. Fisch signierte Ämterscheibe in der Kirche in Oberbipp (BE_531) von 1621 belegt, dass das Motiv bereits früher im Umlauf war (Hasler, 1996/1997, 1. Bd. S. 45–46). In der Sammlung Wyss ist ein etwas jüngerer Scheibenriss aus der Werkstatt Fischs mit gleichem Motiv überliefert (BHM 20036.588) (Hasler 1996/1997, 1. Bd. S. 56).
Eine noch ältere Umsetzung des Mittelbildes mit dem Löwen und dem Bären als Bannerträger zeigt eine Standesscheibe Bern von 1607, die für das neue Rathaus in Luzern von Hans Jakob Hübschi geschaffen wurde (Galliker, 2009, S. 13; Brülisauer, 1994, S. [4]). Im Kunstmuseum Bern wird ein Scheibenriss von um 1600 aufbewahrt, der für die Scheibe in Luzern als Vorlage gedient haben könnte (Bern Kunstmuseum, A 1189, BE_5083). Der vorliegende Riss stellt eine Kombination des ovalen Ämterkranzes in einer rechteckigen Form mit dem Mittelbild mit dem Bären und dem Löwen als Bannerträger dar.
Die In- und Aufschriften in unterschiedlicher Tintenfarbe und in verschiedenen Schriftarten lassen darauf schliessen, dass der Riss zu unterschiedlichen Zeiten beschriftet und bearbeitet wurde. Das Wappen Yverdon (Ifferden) zeigt zum Beispiel deutliche, spätere Korrekturen in schwarzer Tinte. Weiter sind Farbkennzeichen in schwarzer und in brauner Tinte zu erkennen. Es ist folglich nicht auszuschliessen, dass die Jahreszahl 1617 in schwarzer Tinte später hinzugefügt wurde.
Auf der Unterlage wurde in Bleistift als möglicher Urheber des Risses Hans Ulrich Fisch (1583–1647) notiert. Der Riss unterscheidet sich jedoch in einem auffallenden Detail von allen oben angeführten Beispielen. Die beiden Bannerträger stellen den Fuss auf einem Totenschädel beziehungsweise auf dem Reichsapfel ab. Für dieses kleine Detail konnte bislang kein weiteres Beispiel angeführt werden. Hans Ulrich I. Fisch ist in seiner frühen Schaffensphase vor allem als Maler fassbar, Scheibenrisse werden mit ihm frühestens ab 1620 in Verbindung gebracht (Herzog, 2016; Hasler, 1996/1997, 1. Bd. S. 25–31; Hasler, 2002, S. 17–18; Hasler, 2006, S. 432). Als Vergleich kann der nach der Inschrift 1621 datierte Scheibenriss mit Wappen der Stadt Baden im Schweizerischen Nationalmuseum (LM 25821) herangezogen werden. Auf diesem ist links der Wappenpyramide ein Löwe als Schildbegleiter eingefügt. Allerdings unterscheiden sich die beiden Risse nicht nur in den Zeichenmitteln, sondern auch stilistisch. Auf dem Zürcher Blatt ist das Fell des Löwen nur mit wenigen Strichen angedeutet. Die Zuschreibung des Berner Blattes an Hans Ulrich I. Fisch ist daher unsicher.
Der Scheibenriss befand sich in der Werkstatt von Hans Rudolf Lando, der diesen auf der Vorderseite zwischen den beiden Bernschilden beschriftete. Die Beischrift unterscheidet sich in der Farbgebung leicht von den Zeichenstrichen in schwarzgrau. Da das Blatt heute auf einer jüngeren Unterlage montiert ist, kann nicht überprüft werden, ob Lando auf der Rückseite eventuell einen Kaufvermerk angebracht hat, wie er dies bei Zeichnungen gemacht hat, die er 1605 bei seinem Berner Kollegen Ludwig Koch gekauft hat (Gartenmeister, 2019, S. 56).
In der reformierten Kirche in Büren hat sich eine Standesscheibe Bern von Lando von 1618 erhalten (BE_122). Die Scheibe zeigt im Mittelbild die Wappenpyramide mit dem Löwen und dem Bären als Schildbegleiter. Lando könnte sich folglich am vorliegenden Riss für die Komposition orientiert haben (Gartenmeister, 2019, S. 71–72).

Dating
1617?
Period
1580 – 1617
Commissioner

Bern, Stand

Provenance

Owner

Kunstmuseum Bern

Previous Owner

Nach 1617 Hans Rudolf Lando, Bern (1584–1646) · 1929 bei Messikommer und Minicieux, Zürich versteigert · seit 1929 im Kunstmuseum Bern

Previous Owner (structured)
From 1617 (afterwards) until 1646 (c.): Lando, Hans Rudolf, Bern (Switzerland)

Bibliography and Sources

Literature

Brülisauer, J. (1994). Die Luzerner Standesscheiben von 1606 von Christoph Murer. Ins Licht gerückt. Aus der Sammlung des Historischen Museums Luzern. Luzern: Verein Freunde des Historischen Museum Luzern.

Galliker, J. M. (2009). Die Wappenscheiben im Rathaus Luzern und im Historischen Museum Luzern sowie in der Wallfahrtskirche Hergiswald ob Kriens. Schweizer Wappen und Fahnen 12. Zug/Luzern: Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen.

Gartenmeister, M. (2019). "Erkauffdt durch mich HRLando", Der Glasmaler Hans Rudolf Lando als Sammler von Scheibenrissen. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 76 (3), 51–74, https://doi.org/10.5169/seals-846965.

Giesicke, B. (1991). Glasmalereien des 16. und 17. Jahrhunderts im Schützenhaus zu Basel. Basel.

Hasler, R. (1996/1997). Die Scheibenriss-Sammlung Wyss. Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Bernischen Historischen Museum. Bern: Stämpfli und Cie AG.

Hasler, R. (2002). Kirchen und Rathäuser. Corpus vitrearum Schweiz, Neuzeit: Bd. 4. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau.

Hasler, R. (2006). Das Glasmaleratelier Fisch in Aarau. In A. Holenstein, C. Engler & C. Gutscher (Hg.), Berns mächtige Zeit. Das 16. und 17. Jahrhundert ne entdeckt (S. 432–434). Schulverlag blmv und Stämpli Verlag.

Herzog, G. (2016). Fisch, Hans Ulrich (I., von Stein). In: SIKART Lexikon der Kunst in der Schweiz. Abgerufen von: https://www.sikart.ch/kuenstlerinnen.aspx?id=4023035.

Matile, H. (1965/1966). Berner Ämterscheibe, Jahrbuch des Bernischen Historischen Museum 45–46, 29-72. https://doi.org/10.5169/seals-1043411

Image Information

Name of Image
BE_Bern_Kunstmuseum_SR_53
Credits
Kunstmuseum Bern

Citation suggestion

Gartenmeister, M. (2023). Riss zu Berner Ämterscheibe. In Vitrosearch. Retrieved October 19, 2026 from https://vitrosearch.ch/objects/2722138.

Record Information

Reference Number
SR_53