Name

Jegli, Hans Ulrich

Variants
Jäckli, Hans Ulrich · Jäglj, Hans Ulrich · Jegli, Hans Ulrich
SIKART
Birth and Death
Winterthur 30.8.1604–30.4.1654 Winterthur
Author and Date of Entry
Rolf Hasler 2018
Locations With Objects
Biographical Data

Hans Ulrich Jegli, das älteste Kind Hans Jeglis und dessen erster Gemahlin Susanna Blum, erlernte den Glasmalerberuf wohl bei seinem Vater in Winterthur. Zum Meister angenommen wurde er dort vermutlich 1628, verehrte er doch damals dem Winterthurer Rat unter anderem sein “Meisterstück”. Zwei Jahre früher, am 8. August 1626, hatte er Euphrosina Kramer geheiratet. Aus ihrer Ehe gingen acht Kinder hervor, darunter als ältester Sohn Hans Jakob (1630–1656), der sich später gleichfalls zum Glasmaler ausbildete. Als der Vater Hans Ulrichs 1635 Winterthurer Grossrat wurde, scheint er seinen Beruf aufgegeben und seine Glasmalerwerkstatt dem Sohn übergeben zu haben. Standort dieser Werkstatt muss die Obergasse 335 gewesen sein, wo Hans Ulrich Jegli 1643 mit seiner Familie und derjenigen seines Vaters wohnhaft war. Dort bildete er einen Lehrknaben im Malerhandwerk aus. Dieser starb jedoch noch vor Lehrabschluss 1645. Dass Jegli auch das Malerhandwerk ausübte, bezeugen überdies die 48 Pfund, die er 1653 vom Stadtrat für das Bemalen des Brunnens am Untertor erhielt. Wie sein Vater diente er seiner Stadt als Grossrat, Hausmeister und Bussenamtmann. Zu Hans Ulrich Jeglis gesichertem Werk zählen etwas mehr als 15 dessen volle Signatur oder dessen Monogramm “HVI” enthaltende Glasgemälde aus der Zeit von 1638 bis 1653. Geschaffen wurden sie vornehmlich für Kunden aus der Stadt Winterthur und deren Umgebung sowie vereinzelt für solche im Thurgau (1646 für den Stadtschreiber von Bischofszell, 1640 für den Abt von Fischingen) und im damals unter Zürcher Herrschaft stehenden Städtchen Stein am Rhein (1651 für den dortigen Rat). Dass Jegli ebenfalls Stadtscheiben für Winterthur anfertigte, ergibt sich aus den Rechnungen dieses Ortes, worin für solche Bezahlungen an ihn vermerkt sind. Noch häufiger als auf Glasgemälden finden sich sein Name oder Monogramm auf Scheibenrissen (u.a. im SNM Zürich). Nach Paul Boeschs überzeugenden Darlegungen hat man es dabei zuweilen aber wohl mit blossen Besitzervermerken zu tun. In Hinblick auf sein späteres Schaffen muss sich Jegli demnach wie sein Vater und die meisten anderen seiner Berufskollegen als junger Glasmaler (Geselle) einen Mustervorrat an Vorlagen angelegt haben, indem er sich Entwürfe bekannter Meister durch Kauf, Schenkung oder eigenhändiges Kopieren aneignete. Ebenso wie für seinen Vater erweist sich für ihn dabei Christoph Murer als wichtigster Vorlagengeber. Ein Beispiel dafür bietet Murers Zeichnung von 1604 mit vier Szenen aus der Geschichte des Verlorenen Sohnes, die 1608 von Hans Jegli und 1624 nochmals von dessen Sohn Hans Ulrich kopiert wurde. Dass Letzterer auch Vorlagen anderer Zürcher Meister besass, zeigt sich am Riss, den Gotthard Ringgli um 1597 für eine Wappenscheibe des Wettinger Abtes Peter Schmid geschaffen hatte und 1626 seinem Künstlerkollegen Hans Ulrich Jegli verehrte (vgl. Boesch, 1955, S. 64–72, Abb. 17–20; Kunstmuseum Bern, 2000, S. 72–75, Abb.).

Literature

Boesch, P. (1955). Die alten Glasmaler von Winterthur und ihr Werk. 286. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur.

Kunstmuseum Bern (Hrsg.) (2000). Alte Meister. Zeichnungen und Aquarelle aus der Graphischen Sammlung. Katalog der Ausstellung im Kunstmuseum Bern 14.6.–10.9.2000. Bern: Kunstmuseum.

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