Name

Erhart, Tobias

Variants
Erhard, Tobias · Erhardt, Tobias
SIKART
Birth and Death
Winterthur 22.2.1569–6.12.1611 Winterthur (Begräbnis)
Author and Date of Entry
Rolf Hasler 2018
Locations With Objects
Biographical Data

Tobias Erhart, der Sohn des Winterthurer Hafners Alban Erhart, war in erster Linie Glasmaler, wirkte aber auch als Maler und Ofenmaler. Über sein Leben und Schaffen liegen nur wenige Nachrichten vor. So ist nicht bekannt, wann genau und wo er sich beruflich ausbildete und ob er später als Meister in seiner Winterthurer Werkstatt Gesellen oder Lehrlinge angestellt hatte. Aus den Seckelamtsrechnungen Winterthurs geht zumindest hervor, dass er zwischen 1593 und 1608 vom dortigen Rat Aufträge zur Reparatur und Herstellung einiger Stadtscheiben (z.B. für die reformierte Kirche Wiesendangen) erhielt und in dessen Auftrag 1606 Malereien am Obertor ausführte. Besser fassbar ist Tobias Erhart anhand der mit seiner Meistersignatur, dem teils ligierten Monogramm “TE”, versehenen Werke. Dazu zählen rund zehn Glasgemälde. In Auftrag gegeben wurden sie 1599 vom Prior und Konvent in Ittingen, 1603 vom Rheinauer Abt Gerold I. Zurlauben, 1605 von Ulrich Peter aus Elgg bei Winterthur, 1605 und 1606 vom Fischinger Abt Matthias Stähelin (die eine davon für dessen Kloster), 1607 vom St. Galler Abt Bernhard Müller, 1608 von Hans Ulrich Geilinger aus Wil und um die gleiche Zeit von Privatpersonen aus St. Gallen sowie 1610 vom Wettinger Konventualen Rudolf Guggenbühl (für das Kloster Tänikon). Erharts Kundschaft rekrutierte sich demnach nicht nur aus der reformierten Stadt Winterthur, sondern auch aus katholischen Kreisen, insbesondere aus Klöstern im heutigen Kanton Zürich (Wettingen, Rheinau) und in der Ostschweiz (St. Gallen, Ittingen, Fischingen). Die 1607 von Bernhard Müller und 1608 von Hans Ulrich Geilinger bei Erhart bestellten Scheiben wurden ins Zisterzienserinnenkloster Magdenau gestiftet. Dort war Erhart auch als Maler aktiv, und zwar für die aus Winterthur stammende Äbtissin Margaretha Frey. In ihrem Auftrag hatte er um 1610 für den erneuerten Magdenauer Kapitelsaal einen Gemäldezyklus mit Szenen aus der Passion Christi auszuführen. Dabei orientierte er sich an Kupferstichen Johannes Sadelers des Älteren (1550–1600), die ihrerseits auf einem um 1580 entstandenen Sieben-Fall-Hausaltar des Münchner Malers Christoph Schwarz beruhen. Eines dieser Gemälde, die Darstellung mit Christus vor Herodes, ist mit Erharts Signatur “TE” gekennzeichnet. Mit Erharts Arbeiten stilistisch verwandt sind die Malereien des Turmofens, den dessen Vater Alban Erhart 1599 für das von Melchior Lussy erbaute Winkelriedhaus in Stans anfertigte. Weil das Monogramm “TE” in Verbindung mit der Initiale “A” (für “Alban”) auf einer Kachel im Fliesenboden des Festsaals dieses Hauses erscheint, liegt die Annahme nahe, dass es Tobias Erhart war, der den dortigen Ofen seines Vaters bemalte. Er scheint sich also auch in der Hafnerwerkstatt seines Vaters als Maler betätigt zu haben (Anderes, 1994, S. 194, Kat.-Nrn. 10, 11, 23, 24; Anderes, 1995; Boesch, 1935, Kat.-Nr. 79; Boesch, 1955, S. 18–22, Abb. 5; Boesch, 1956, S. 26).

Literature

Anderes, B. (1994). Stifterscheiben in und aus Magdenau, Festschrift Kloster Magdenau 1244–1994. Festschrift. Wolfertswil : Zisterzienserinnenkloster Magdenau.

Anderes, B. (1995). Tobias Erhart (1569–1611) ein Winterthurer Künstler in Magdenau. Maler – Glasmaler – Ofenmaler. Toggenburger Annalen, Bd. 22, S. 97–106.

Boesch, P. (1935). Die Toggenburger Scheiben. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Toggenburgs im 16. bis 18. Jahrhundert. 75. Neujahrsblatt Historischer Verein des Kantons St. Gallen. St. Gallen : Fehr'sche Buchhandlung.

Boesch, P. (1955). Die alten Glasmaler von Winterthur und ihr Werk. 286.Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur.

Boesch, P. (1956). Die alte Glasmalerei in St. Gallen. 96. Neujahrsblatt Historischer Verein Kanton St. Gallen. St. Gallen : Buchdruckerei H. Tschudy & Co. AG.

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