Name

Scartezzini, Giuseppe Remigio

Namensvarianten
Scartazzini, Giuseppe
Lebensdaten
Innsbruck 19.3.1895–17.4.1967 Zürich
Autor:in und Bearbeitungsjahr
Christina Snopko 2026
Standorte mit Objekten
Biografische Daten

Geboren wurde Giuseppe Scartezzini in Innsbruck als Sohn des Anton Joseph Scartezzini (Pergine b. Trient 1867–1919 Zürich) und der Ida Maria Theresia Scartezzini (geborene Baldessari; Lerico b. Bozen 1876–1921 Zürich). Sein Vater, dessen Vorfahren aus dem Bergell stammen, war Bildhauer und Kunststeinfabrikant, seine Mutter Hebamme, später arbeitete sie als Wirtin. Giuseppe war der älteste von insgesamt fünf Kindern des Paares (wovon vier das Erwachsenenalter erreichten) und hatte die österreichische Staatsbürgerschaft (Stammbaum von Giuseppe Scartezzini, o. D.). Giuseppes Eltern heirateten rund zwei Jahre nach der Geburt des Sohnes 1897 in Zürich (Stadtkanzlei Zürich, 1912).
Seine Eltern zogen mit ihrem damals einzigen Sohn Giuseppe wahrscheinlich im November 1896 von Trient nach Zürich. Die folgenden Jahre waren durch eine ausgeprägte Mobilität der heranwachsenden Familie geprägt, die zwischen Zürich, Trient, Bregenz und Innsbruck pendelte. Die Familie liess sich im April 1910, aus Trient kommend, in Zürich nieder (Unpublizierte Dokumentation der Archives familiales de Giuseppe Scartezzini, o. D.), wo der jugendliche Giuseppe in den folgenden Jahren aufwuchs und im Mai 1910 eine Lehre als Zeichner beim Gaswerk der Stadt Zürich begann (Gaswerk der Stadt Zürich, 1912). Ebenfalls im Jahr 1912 beantragte die Familie die Zürcher Bürgerschaft (Stadtkanzlei Zürich, 1912). Nach der Lehre arbeitete Giuseppe Scartezzini bis 1920 als Kataster- und Tiefbauzeichner beim Zürcher Gaswerk.
Im März 1919 verliess er Zürich, um nach Argentinien und anschliessend nach Rom und Neapel zu reisen. Bis 1922 hatte Scartezzini seinen Wohnsitz in Florenz, um sich intensiv mit der dortigen Kunst auseinanderzusetzen; zur Sicherung seines Lebensunterhalts war er als Giesserei- und Erdarbeiter sowie als Übersetzer tätig (Scartezzini, 1937). Nach Zürich kehrte er Ende 1922 zurück und meldete sich im Januar 1923 bei den Ämtern an (Unpublizierte Dokumentation der Archives familiales de Giuseppe Scartezzini, o. D.). Bis zu seinem Tod 1967 war er in der Stadt Zürich wohnhaft.
Aus einer frühen Beziehung ging ein unehelicher Sohn (1916–1992) hervor. Ab 1937 lebte Scartezzini mit Margerit Wirz (geboren 1912) zusammen und heiratete diese im April 1938 in Zürich.
Giuseppe Scartezzini war Mitglied der Deutschschweizer Gruppe der Sankt-Lukas-Gesellschaft.

Scartezzini wandte sich nach seiner Ausbildung einer künstlerischen Laufbahn zu, seine Kenntnisse erwarb er als Autodidakt und war als Maler (hauptsächlich Ölgemälde), Wandmaler, Glasmaler und Graphiker tätig. Erste Aufmerksamkeit erlangte er 1921 durch den vierten Rang im Wettbewerb für Wandmalereien im Kreuzgang des Fraumünsters, bei dem er sich aus Florenz beteiligte (Gtr, 1926, S. 171). Während ungefähr 1,5 Jahren war er von 1923 bis 1924 als Mitarbeiter für Augusto Giacometti tätig, um ihn bei der Bemalung der gewölbten Eingangshalle im Amtshaus I zu unterstützen. Durch die Tätigkeit in der «Blüemlihalle» erlernte Scartezzini die Freskotechnik (Scartezzini, 1937).
Eine Studienreise nach Strassburg liess das Interesse an Glasmalerei erwachen. Scartezzinis erste ausgeführten architekturgebundenen Glasgemälde sind die zwei Glasgemälde für die Dorfkirche in Wiesendangen von 1923/1924 («Christi Geburt» wurde später in einem Privathaus installiert; «Christus am Ölberg» befindet sich im Ortsmuseum von Wiesendangen). 1926 bewarb sich Scartezzini für die Verglasung der Antoniuskirche Basel und gelangte (aus wahrscheinlich 49 eingereichten Programmen) zusammen mit Hans Stocker, Otto Staiger und Albert Gaeng in die Endrunde (Entschiedene Wettbewerbe: Basel, 1926, S. XIX). Schlussendlich erhielten Staiger und Stocker die definitive Zusage. Scartezzini schuf in der Folge viele öffentliche Glasgemälde in der Schweiz, der geografische Schwerpunkt liegt im Kanton Zürich.
Ausgeführt wurden seine Entwürfe vielfach von der Zürcher Werkstatt Huber-Stutz, die später in Mäder umbenannt wurde (Archives familiales de Giuseppe Scartezzini).

Öffentliche Aufträge für Glasgemälde (die Liste gilt nicht als abschliessend):
Zwei Glasgemälde für die Dorfkirche in Wiesendangen («Christus am Ölberg» und «Christi Geburt»), 1923/1924;
Petrusfenster für die Kirche St. Peter in Schanfigg, 1926;
«Essen, Trinken, Schlafen», Hotel Stadthof in Zürich, 1927;
Neun Glasgemälde, Unterbarmer Friedhofskapelle in Wuppertal-Barmen (Deutschland), 1929;
«Das Mahl der Nationen» für die Internationale Kochkunstausstellung in Zürich, 1931;
«Christus mit den Jüngern im Sturm» für die reformierte Kirche in Hochdorf, 1932;
Akademikerhaus in Zürich («Veni creator spiritus»), 1934;
Vierzehn Fenster für die Pfarrkirche Herz Jesu in Lenzburg, 1934;
Sechs Fenster in den Seitenkapellen der Herz-Jesu-Kirche Winterthur, 1934/1935;
Vierzehn Schifffenster für die Katholische Kirche in Birmenstorf, 1935;
Drei Fenster für die Erlöserkirche in Chur, 1936;
Kirche St. Clara in Basel, 1937 (wahrscheinlich nicht mehr erhalten);
Herz Jesu-Kirche in Arosa («St. Luzius tauft die Rhätier»), 1937;
Zwei Rundscheiben für den keramischen Pavillon der Landesausstellung in Zürich, 1939;
Drei Rundscheiben für die Fischerstube Zürich-Horn/Landesausstellung in Zürich, 1939;
Josephskirche in Zürich, 1939;
Chor- und Schifffenster der Heiliggeistkirche in Zürich-Höngg, 1940;
St. Peter und Paul und Darstellung im Tempel/zwei Rundfenster in der Eingangspartie und in der Taufkapelle, die Chor- und Schifffenster in St. Peter und Paulskirche in Aarau, 1940/1941;
zwei Wappenscheiben für das Rathaus in Chur, 1945;
Zunftscheibe Riesbach Zürich, 1945;
Pietà für das Kloster Disentis, 1946/1947;
reformierte Steigkirche in St. Luzisteig, 1947/1949;
Priesterseminar St. Luzi/Akademische Verbindung Curiensis in Chur, 1949;
Schützenscheibe Eidgenössisches Schützenfest in Chur, 1949;
Vier Glasgemälde für das Refektorium im Kloster Disentis, 1952;
Bildscheibe Heiliger Hubertus Bürgergemeinde/Waldhütte Menziken, 1950;
reformierte Kirche San Luzi in Zuoz («La Cretta»), 1951;
Wappenscheibe Knabenschiessen Zürich, 1951;
Schützenscheibe Gruppenmeisterschaft Schweizerischer Schützenverein, 1951;
Glasgemälde «1351» für das Büro des Stadtpräsidenten im Stadthaus Zürich, 1951;
40 Wappenscheiben (Kantonswappen und 39 Bündner Kreise) im Bündner Grossratsgebäude in Chur, 1960.

Literatur

Auskunft über Giuseppe Scartezzini, Kunstmaler Zürich. (1937, 19.12.). Archives familiales de Giuseppe Scartezzini.

Die wichtigsten Werke der Künstler (1941). Ars Sacra : Schweizerisches Jahrbuch für christliche Kunst, 37-48.

Entschiedene Wettbewerbe: Basel. (1926). Das Werk, 13(8), XIX.

Gaswerk der Stadt Zürich. (1912, 19.8.). Bescheinigung. Archives familiales de Giuseppe Scartezzini.

Gtr. (1926). Tribüne: Giuseppe Scartezzini. Das Werk, 13(5), 169–171.

Scartezzini, G. (1937, 6.11.). [Lebenslauf für das Schweizerische Künstler-Lexikon]. Archives familiales de Giuseppe Scartezzini.

Stadtkanzlei Zürich. (1912, 5.10.). Scartezzini-Baldessari, Josef, Akten 1913, Prot. Nr. 155. Archives familiales de Giuseppe Scartezzini.

Stammbaum von Giuseppe Scartezzini [Dokument]. (o. D.). Archives familiales de Giuseppe Scartezzini.

[Unpublizierte Dokumentation der Familie Scartezzini]. (o. D.). Archives familiales de Giuseppe Scartezzini.

Zitiervorschlag
Snopko, C. (2026). Scartezzini, Giuseppe Remigio. In Vitrosearch. Aufgerufen am 17. Februar 2026 von https://vitrosearch.ch/persons/2708760.