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SR_57: Riss zu Willkommscheibe
(RUS_SaintPetersbourg_Eremitage_SR_57)

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Titel

Riss zu Willkommscheibe

Art des Objekts
Masse
28 x 18 cm
Künstler:in / Hersteller:in
Datierung
1575
Standort
Inventarnummer
OP-4301
Forschungsprojekt
Autor:in und Datum des Eintrags
Marion Gartenmeister 2023

Ikonografie

Beschreibung

Das Stifterehepaar steht auf einem schmalen Podest vor leerem Hintergrund. Der Ehemann in lässiger Ponderation stützt sich mit seiner rechten Hand auf die Halbarte ab. Er trägt ein geschlitztes Wams mit Pluderärmeln, geschlitzte Hosen und auf dem Kopf ein Barett mit Federbusch. Er blickt nach rechts zu seiner Ehefrau, die ihm den Willkommbecher reicht. In der linken Hand hält sie Handschuhe und an einem Gürtel hängt ein Beutel mit dem Essbesteck.
Hinter ihnen gehen an den Seiten Säulen hoch, die ein Gesims tragen, das in der Mitte mit einer Roll- und Beschlagwerkkartusche geschmückt ist. Die Ornamente dieser Rahmung sind nur auf der linken Blatthälfte ausgeführt. Im Oberbild ist ein Bauer beim Pflügen des Feldes gezeigt. Unterhalb des Paares ist vor dem Podest eine leere, angeschnittene Rollwerkkartusche angebracht.
Die Binnenzeichnung und der Kontur ist in feinen Tintenstrichen wiedergegeben, die mittels Lavierung Volumen erhalten.

Iconclass Code
41C322 · Krug, Becher, Pokal
42D3 · Ehe, verheiratetes Paar, Ehestand; Matrimonium
46A14 · Bauern
47I123 · pflügen
47I15(PLOUGH) · landwirtschaftliche Arbeitsgeräte: Pflug
Iconclass Stichworte
Bauer · Bauersfrau · Becher · Ehe · Ehepaar · Ehestand · Matrimonium · pfluegen · Pflug · Pokal
Inschrift

75 WK (mit Pinsel in Grau)
HRLando 1605 (zwischen den Beinen des Ehemannes in Dunkelbraun)
Werner Kübler (in der Inschriftenkartusche Beischrift aus dem 18. Jahrhundert)n der linken Ecke Stempel der Eremitage St. Petersburg)
Werner [durchgestrichen] Kübler (aufgeklebte Kartusche unterhalb des Risses) / Werli (darüber in Grau)

Signatur

75 WK

Materialien, Technik und Erhaltungszustand

Technik

Dunkelbraune Feder, grau laviert.

Erhaltungszustand und Restaurierungen

Wasserzeichen nicht einsehbar.
Vertikalknick. Fest auf Karton aufgeklebt. Allseitig beschnitten, Fleckig. Grössere Fehlstelle an der linken unteren Ecke.

Entstehungsgeschichte

Forschung

Der Scheibenriss lässt sich anhand des Monogramms dem Schaffhauser Glasmaler und Reisser Werner Kübler dem Älteren zuschreiben. Über den in Schaffhausen tätigen Glasmaler ist wenig bekannt (Hasler, 2010, S. 93–94). Besser fassbar ist er anhand von Zeichnungen, darunter fast 20 signierte Scheibenrisse. Seine frühen Zeichnungen stehen dem Schaffen von Tobias Stimmer nahe (vgl. Hasler, 2010, S. 94; Sepman, 2009, S.122). Die bei Hasler erwähnten Scheibenrisse Küblers d. Ä. datieren alle nach 1578, folglich dürfte der vorliegende Riss der jüngste signierte des Künstlers sein.
Der Scheibenriss zeigt das typische Schema einer Willkommscheibe, in der sich das Stifterehepaar mit dem Wappen repräsentiert. Im Oberbild wird häufig eine Szene aus dem Berufsalltag des Ehemanns gezeigt. In diesem Fall dürfte es sich um einen Bauern handeln. Das Wappen mit dem Pflugschar ist nicht mit Sicherheit einer bestimmten Familie zuzuweisen. Die Pflugschar ist ein häufiges Symbol in der Heraldik und findet sich auf vielen Schweizer Familienwappen. Sepman (2009, S.122) vermutet, dass das Wappen auf die Familie Munder verweisen könnte, analog zur Darstellung des Wappens auf dem Glasgemälde im Schweizerischen Nationalmuseum (LM 640a; Schneider, 1971, 1. Bd., S. 121 u. 234).

Die Beischrift «HRLando 1605" zwischen den Beinen des Halbartiers ist als Eigentumsvermerk zu deuten und bezieht sich auf den Berner Glasmaler Hans Rudolf Lando. Dieser kaufte 1605 über 50 Scheibenrisse bei seinem Kollegen Ludwig Koch und notierte dies auf deren Rückseite (Gartenmeister, 2019, S. 56). Sepman vermutet, dass auch das vorliegende Blatt bei dieser Gelegenheit in den Besitz von Lando übergegangen sein könnte (Sepman 2009, S. 124, Sepman 2012, S. 47). Leider ist der Riss auf eine feste Unterlage geklebt, die wohl noch auf die Sammlung des Grafen Karl Cobenzl zurückgeht, der 1768 4000 Zeichnungen an Katharina II. verkaufte (Phillips, 2010, S.111–112). Cobenzl erwarb den Scheibenriss vom Bieler Kunsthändler Johann Rodolph Valltravers [Vautravers] (Phillips, 2011, S. 3). Phillips vermutet, dass Valltravers den Scheibenriss von Johann Caspar Füssli hatte. Wie letzterer in den Besitz der Zeichnung kam, kann heute nicht mehr rekonstruiert werden.

Datierung
1575

Provenienz

Eigentümer:in

Staatliche Museen Eremitage, St Petersburg

Vorbesitzer:in

Ab 1605 Hans Rudolf Lando, Bern (1584–1646) · im 18. Jh. wahrscheinlich in der Sammlung von Johann Caspar Füssli, Zürich (1706–1782) · Januar 1764 Sammlung Johann Rodolphe Valltravers [Jean-Rodolph Vautravers], Biel · 1768 Verkauf der Sammlung von Karl Philipp Graf Cobenzl (1712–1770) in Brüssel 1768 im Auftrag Katharina II.

Vorbesitzer:in (strukturiert)
Von 1605 bis 1646 (ca.): Lando, Hans Rudolf, Bern (Schweiz)

Bibliografie und Quellen

Literatur

Gartenmeister, M. (2019). "Erkauffdt durch mich HRLando", Der Glasmaler Hans Rudolf Lando als Sammler von Scheibenrissen. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 76 (3), 51–74, https://doi.org/10.5169/seals-8469654.

Hasler, R. (2010). Die Schaffhauser Glasmalerei des 16. bis 18. Jahrhunderts. Corpus Vitrearum Schweiz, Reihe Neuzeit, Bd. 5. Bern etc.: Peter Lang.

Phillips, C. (2010). Collecting drawings in Brussels in the 1760s: the collection of Count Charles Cobenzl (1712 70) in the Hermitage, St Petersburg. In P. Fuhring (Hg.), Les marques de collections (S. 111–124). L'échelle de Jacob; Société du Salon du dessin.

Phillips, C. (2011). Rodolphe Valltravers (1723–1815?), Swiss Gentleman, and the Promotion of Useful Knowledge. In S. Â. Karp & E. È. Babaeva (Hg.), Vek Prosveshchenii︠a︡: Le siècle des Lumières (3. Bd., S. 96–121). Nauka. [englisches Manuskript der Autorin].

Schneider, J. (1971). Glasgemälde: Katalog der Sammlung des Schweizerischen Landesmuseums Zürich.

Sepman, N. (2009). Designs for Stained Glass by Tobias Stimmer and Artists of his Circle in the Hermitage. Reports of the State Hermitage Museum, LXVII, 109–126.

Sepman, N. (2012). Schweizerische Scheibenrisse des 16. und 17. Jahrhunderts in der Sammlung der Eremitage: Geschichte und Charakter der Sammlung. In T. Ayers, B. Kurmann-Schwarz, C. Lautier & H. Scholz (Hg.), Collections of stained glass and their histories (S. 45–56). Peter Lang.

Bildinformationen

Name des Bildes
RUS_SaintPetersbourg_Eremitage_SR_57
Fotonachweise
© The State Hermitage Museum / photo by Darya Bobrova

Zitiervorschlag

Gartenmeister, M. (2023). Riss zu Willkommscheibe. In Vitrosearch. Aufgerufen am 19. Oktober 2026 von https://vitrosearch.ch/objects/2722140.

Informationen zum Datensatz

Referenznummer
SR_57