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SR_35: Riss zu Standesscheibe Basel mit zwei Halbartieren
(GBR_London_BritishMuseum_SR_35)

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Titel

Riss zu Standesscheibe Basel mit zwei Halbartieren

Art des Objekts
Masse
39.7 x 29.1 cm
Künstler:in / Hersteller:in
Ammann, Jost · zugeschrieben
Datierung
um 1567
Standort
Inventarnummer
1895,0915.997
Forschungsprojekt
Autor:in und Datum des Eintrags
Marion Gartenmeister 2023

Ikonografie

Beschreibung

Die Wappenpyramide steht vor dem Podium, auf welchem zwei Halbartiere stehen. Der Schild links unten zeigt das Wappen Basel, der rechte ist mit geometrischen und pflanzlichen Mustern weiss gehöht. Dahinter verläuft eine leere Roll- und Beschlagwerkkartusche in Doppelprojektion, die von zwei spielenden Putti begleitet wird. Das mittlere erhöhte Wappen der Pyramide ragt in das Hauptbild hinein und ist bekrönt. Es zeigt ebenfalls geometrische Muster in Weiss.
Der linke Halbartier trägt in seiner rechten Hand die Fahne Basels und in der linken den Schweizerdolch. Sein rechtes Pendant steht breitbeinig mit dem Rücken zum Betrachter und hält eine Halbarte. Hinter ihnen erhebt sich eine fantastische dreiteilige Rahmenarchitektur. Auf der linken Seite trägt ein einem Pfeiler vorgelagerter Satyr als figürliche Stütze den Volutenbogen, auf der rechten Seite stützt eine Balustersäule den Bogen, auf dem eine halb nackte Frau liegt. In der Mitte trennt die zwei Halbartiere eine Stütze, die sich aus zwei Hermenpilastern auf einem grossen Podest ruhend zusammengesetzt.
Die Zeichnung ist in schwarzer Tinte auf rotbraun grundiertem Papier ausgeführt. Neben den schwarzen Parallelschraffuren wurde mit weiss zusätzlich Körperlichkeit vermittelt.
Zwischen den Beinen des linken Fahnenträgers hat Hans Rudolf Lando seinen Eigentumsvermerk hingeschrieben.

Iconclass Code
44A1 · Wappen (als Staatssymbol etc.)
44B194 · Wappen (als Symbol der obersten Gewalt)
45C14(HALBERD) · Streitwaffen (zum Schlagen, Stechen, Stoßen): Hellebarde
45D12 · Fahnenträger (beim Militär)
Iconclass Stichworte
Heraldik

Basel

Inschrift

HRLando 1605 (zwischen den Beinen des linken Fahnenträgers in Schwarz)

Signatur

keine

Materialien, Technik und Erhaltungszustand

Technik

Rotbraun grundiert mit schwarzer Tinte und Höhungen in Weiss.

Erhaltungszustand und Restaurierungen

Wasserzeichen nicht einsehbar.
Horizonal- und Vertikalknick.
Allseitig beschnitten.
Das Blatt wurde mit einem Skalpell von der alten Unterlage entfernt und mit einem Japanpapier bezogen.

Entstehungsgeschichte

Forschung

Die Urheberschaft des Scheibenrisses wurde in der Forschung kontrovers diskutiert. Die frühe Forschung hat den Riss auf der Grundlage des in der Komposition und Ausführung ähnlichen Scheibenrisses für eine Standesscheibe Solothurn Hans Bock d. Ä. zugewiesen oder als eine Kopie nach einer Vorlage Bocks verortet (Ganz, 1898–1908). Dieses Blatt wird ebenfalls im Britischen Museum aufbewahrt (Inv. Nr. C,7.225) und ist auf rötlich grundiertem Papier gezeichnet und mit Weiss gehöht. Die Wappenpyramide Solothurn ist in der gleichen Weise vor einem Podium angebracht und ragt in des Hauptbild hinein. Auf dem Podium stehen zwei Halbartiere vor einer fantastischen, dreiteiligen Architektur. Der Riss trägt die Signatur «HB 1567». In einem Aufsatz stellt Thöne (1965, S. 78) die Auflösung des Monogramms HB mit Hans Bock d. Ä. in Frage und weist das Monogramm neu dem Basler Maler Hans Brand zu. In diesem Zusammenhang schreibt er Brand verschiedene Zeichnungen zu, welche die frühe Forschung Hans Bock zugewiesen hat. Auch die beiden Scheibenrisse auf rötlich grundiertem Papier im British Museum diskutiert Thöne (1965, S. 87 und 97) als mögliches Frühwerk von Hans Brand. Allerdings gibt er zu bedenken, dass das Monogramm auf dem Riss nicht zwingend auf Hans Brand zu beziehen sei. Die eindeutige Zuschreibung bliebe überdies unsicher, da die sicher zugeschriebenen und datierten Risse von 1575 bis 1577 stammen (Mensger, 2020, S. 180; Becker, 2015; Tobias Stimmer, 1984, S. 468; Ganz, 1966, S. 50). Im Gegensatz dazu bezweifelt Ganz (1966, S. 50), dass Hans Brand den vorliegenden Riss sowie das Gegenstück mit dem Standeswappen Solothurn gezeichnet habe, da dieser bei der Ausführung der Risse erst 14 Jahre alt gewesen wäre. Das Monogramm auf dem Riss für eine Standesscheibe Solothurn sei eine spätere, falsche Ergänzung. Vielmehr diskutiert er die beiden Blätter als Werk von Jost Ammann (Ganz, 1966, S. 42 und 50). Er stützt sich dabei auf einen stilistischen Vergleich mit dem ebenfalls im British Museum aufbewahrten Scheibenriss auf rötlich grundiertem Papier für eine Wappenscheibe Schaffhausen (Inv. 1897,0113.1). Dieser trägt das Monogramm IAG, für Jost Ammann, und die Jahreszahl 1562 und weise nach Ganz die gleiche flüssige und souveräne Zeichenweise auf, die für das Spätwerk Ammanns spräche. Auch die Technik der farbig grundierten Zeichnung mit weissen Höhungen deutet darauf hin, dass es sich um ein Werk von Jost Ammann handeln könnte. Neben der oben erwähnten rot grundierten Zeichnung im British Museum werden Ammann grau und blau grundierte Zeichnungen zugewiesen, unter anderem ein Scheibenriss mit dem Abendmahl in der Veste Coburg (Inv. Nr. I,I:1) (Pilz, 1993, S. 206 und 222). Ergänzend ist zu sagen, dass auch Hans Brand farbig grundierte Zeichnungen zugewiesen werden. Neben den beiden oben diskutierten Scheibenrisse im British Museum hat Landolt 1985 (S. 140) einen rötlich grundierten Scheibenriss für eine Eigenscheibe Hans Brand um 1575 publiziert (Paris, Fondation Custodia, Institut Néerlandais, Inv. 6142). Darüber hinaus hat sich ein graublau grundierter und monogrammierter Scheibenriss in der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum von 1576 erhalten (BHM 20036.248; vgl. Hasler, 1996/1997, 1. Bd., S. 99–100). Die Zuschreibung des Scheibenrisses an Jost Ammann bleibt daher unsicher. Im Online-Katalog des British Museum wird der Scheibenriss noch als Zeichnung Hans Bocks nach einer Vorlage von Hans Brand geführt, wobei erwähnt wird, dass früher der Scheibenriss Jost Ammann zugewiesen wurde (British Museum o. J). Die oben ausgeführten Erläuterungen lassen jedoch eher vermuten, dass die ältere Zuschreibung an Jost Ammann plausibel ist.
Zwischen den Beinen des linken Halbartiers findet sich der Eigentumsvermerk Hans Rudolf Landos mit der Jahreszahl 1605. In diesem Jahr hat Lando über fünfzig Blätter bei seinem Berner Kollegen Ludwig Koch gekauft (Gartenmeister, 2019, S. 56). Ob das vorliegende Blatt ebenfalls bei dieser Gelegenheit den Besitzer wechselte, kann heute nicht mehr bestimmt werden.

Datierung
um 1567
Zeitraum
1563 – 1575
Stifter:in

Basel

Provenienz

Eigentümer:in

London British Museum

Vorbesitzer:in

Ab 1605 Hans Rudolf Lando (1584–1646) · 19. Jh. John Malcolm of Poltalloch (1805–1893) · dessen Sammlung wurde 1895 durch seinen Sohn John Wingfield Malcolm (1833–1902) ans Britische Museum London verkauft

Vorbesitzer:in (strukturiert)
Von 1605 bis 1646 (ca.): Lando, Hans Rudolf, Bern (Schweiz)

Bibliografie und Quellen

Literatur

Becker, M. (2015). Brand, Hans, SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz. Abgerufen von: https://www.sikart.ch/kuenstlerInnen.aspx?id=9677441.

British Museum (o. J.), Onlinekatalog Inv. Nr. 1895,0915.997, Online-Collection. Abgerufen von: https://www.britishmuseum.org/collection/object/P_1895-0915-997.

Ganz, P. (1898–1908). Statistik schweizerischer Scheibenrisse und Handzeichnungen. Handschriftlicher Nachlass von Paul Ganz. Zürich Schweizerisches Landesmuseum.

Ganz, P. L. (1966). Die Basler Glasmaler der Spätrenaissance und der Barockzeit. Basel/Stuttgart: Schwabe & Co.

Gartenmeister, M. (2019). "Erkauffdt durch mich HRLando", Der Glasmaler Hans Rudolf Lando als Sammler von Scheibenrissen. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 76 (3), 51–74, https://doi.org/10.5169/seals-846965.

Hasler, R. (1996/1997). Die Scheibenriss-Sammlung Wyss. Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Bernischen Historischen Museum. Bern: Stämpfli und Cie AG.

Landolt, E. (1985). Zwei unbekannte Scheibenrisse von Hans Brand. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 42(2), 139–144. https://dx.doi.org/10.5169/seals-168623.

Mensger A. (Hg.) (2020). Lichtgestalten: Zeichnungen und Glasgemälde von Holbein bis Ringler. Kunstmuseum Basel; Basel u. München: Hirmer.

Pilz, K. (1933). Die Zeichnungen und das graphische Werk des Jost Ammann (1539–1591). Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde: Neue Folge, 35(3), 205–233. https://dx.doi.org/10.5169/seals-161561.

Thöne, F. (1965). Der Basler Monogrammist HB von 1575/77. Hans Bock d. Ä. oder Hans Brand?. Jahresbericht Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft 1965, 78–104.

Tobias Stimmer 1539–1584 (1984). Spätrenaissance am Oberrhein. Ausst. Kunstmuseum Basel Sept. bis Dez. 1984. Basel.

Weiteres Bildmaterial

Bildinformationen

Name des Bildes
GBR_London_BritishMuseum_SR_35
Fotonachweise
© The Trustees of the British Museum. Shared under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International (CC BY-NC-SA 4.0) licence.
Link zum Originalfoto

Zitiervorschlag

Gartenmeister, M. (2023). Riss zu Standesscheibe Basel mit zwei Halbartieren. In Vitrosearch. Aufgerufen am 19. Oktober 2026 von https://vitrosearch.ch/objects/2722125.

Informationen zum Datensatz

Referenznummer
SR_35