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SR_23: Riss zu Allianzwappenscheibe Bartholomäus May und Elisabeth von Wattenwyl
(AUT_Wien_OesterreichischeNationalbibliothek_SR_23)

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Titel

Riss zu Allianzwappenscheibe Bartholomäus May und Elisabeth von Wattenwyl

Art des Objekts
Masse
30.3 x 20.0 cm ohne Passpartout
Künstler:in / Hersteller:in
Datierung
1601
Standort
Inventarnummer
LAV 96/2074 POR MAG
Forschungsprojekt
Autor:in und Datum des Eintrags
Marion Gartenmeister 2023

Ikonografie

Beschreibung

Die zwei Wappen Bartholomäus May und seiner Ehefrau Elisabeth von Wattenwyl dominieren das Mittelbild des Risses. Die beiden Allianzwappen werden von einer in Doppelprojektion ausgeführten Rahmung umfasst. In den Oberbildern sind eine Hasen- und Entenjagd dargestellt.
Die Roll- und Beschlagwerk geschmückte Inschriftenkartusche wird von zwei Engelknaben begleitet.
Die Umrisse und Binnenlinien sind mit dünnen Tintenstrichen gezeichnet. Mittels Lavierung wurde der Zeichnung Körperlichkeit verliehen.

Iconclass Code
43C111261 · Hasenjagd, Kaninchenjagd
43C1113 · Vogeljagd
46A122 · Wappenschild, heraldisches Symbol
46A122(MAY) · Wappenschild, heraldisches Symbol (MAY)
46A122(WATTENWYL VON) · Wappenschild, heraldisches Symbol (WATTENWYL VON)
92D1916 · Amoretten, Putten; amores, amoretti, putti
Iconclass Stichworte
Heraldik

Wappen May, Bartholomäus: geteilt von Gold mit zwei gegeneinander gekehrten blauen Löwen und von Blau und Gold fünfmal gespalten; Helmzier: ein wachsender Löwe.
Wappen von Wattenwyl, Elisabeth: [in Rot] drei [silberne] Flügel (2,1); Helmzier: ein geflügelter Frauenrumpf.

Inschrift

VB (ligiert, in der Kartusche in Schwarz) / 1601 / nach Mu̅rers (rechts daneben)
HRLando 1605 (in Hellbraun) / 199 (daneben in Grau mit Pinsel, quer geschrieben).

Signatur

keine

Materialien, Technik und Erhaltungszustand

Technik

Feder in Schwarz, grau laviert.

Erhaltungszustand und Restaurierungen

Wasserzeichen nicht erkennbar.
Vertikalknick, ohne Randlinien, allseitig beschnitten.
Braune Flecken.

Entstehungsgeschichte

Forschung

Die Allianz bezieht sich auf Bartholomäus May (1567–1611), den Herrn zu Rued und Hünningen, der 1584 Elisabeth von Wattenwyl (1568–1611) heiratete. Bartholomäus May war seit 1588 Mitglied des Grossen Rats, 1592 bis 1598 Kastellan zu Zweisimmen und 1601 und 1607 Landvogt zu Yverdon.
In der Sammlung Wyss hat sich ein identischer Scheibenriss erhalten (BHM 20036.714, BE_4161) (Hasler, 1996/1997, 1. Bd., S. 125–126). Beide Risse waren früher in Besitz des Berner Glasmalers Hans Rudolf Lando (Gartenmeister, 2019, S. 67). Lando erwarb sie zu verschiedenen Zeiten und von unterschiedlicher Quelle. Der vorliegende Riss kam laut der Beischrift Landos 1605 in seinen Besitz. Dieser kaufte in diesem Jahr bei seinem Berner Kollegen Ludwig Koch mehr als 50 Scheibenrisse (Gartenmeister, 2019, S. 56). In den meisten Fällen hat Lando den Kauf auf der Rückseite notiert. Im vorliegenden Fall ist diese jedoch nicht einsehbar. Es kann folglich nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob Lando den Scheibenriss bei Koch gekauft hat. Der identische Riss in der Sammlung Wyss hat Lando mit seinem Monogramm auf dem Kartuschenrand gekennzeichnet. Wie eine weitere Beischrift auf dem Blatt nahelegt, hat er dieses vom Berner Glasmaler Thüring Walther erworben, der es mit seinem Monogramm kennzeichnete (Gartenmeister, 2019, S. 66). Die Jahreszahl 1602 neben dem Monogramm Walthers ist jedoch in einer anderen Tintenfarbe geschrieben, die eher mit dem Monogramm Landos übereinstimmt. Demzufolge vermutet Hasler (1996/1997, 1. Bd., S. 126), dass es sich bei der Jahreszahl um das Kaufdatum Landos handeln könnte. Die Zeichnung in der Sammlung Wyss wird von Paul Leonhard Ganz aus stilistischen Gründen dem Basler Glasmaler Bernhard Herzog zugeschrieben (Ganz, 1966, S. 89; Hasler, 1996/1997, 1. Bd., S. 125–126).
Canestrini (2000, S. 136) liest das Monogramm "VB" in der Kartusche des vorliegenden Blattes als "von Basel" und schreibt den Riss ebenfalls dem Basler Glasmaler Bernhard Herzog zu. Der von Ganz (1966, S. 88–89) beigezogene Vergleichsriss im Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel (Inv. Nr. U. I. 168) zeigt jedoch das ligierte Monogramm BH. Die vorliegende Zeichnung unterscheidet sich sowohl in der Art und Weise des Auftrags der Lavierung, die weniger akzentuiert ist, als auch in der Feinheit der Tintenstriche vom Basler Blatt. Auch die identische Zeichnung in Bern (BHM 20036.714, BE_4161), die Herzog zugeschrieben wird, zeigt sorgfältigere Pinsel- und Federführung. Dies lässt Zweifel an der Zuschreibung an Bernhard Herzog aufkommen (Gartenmeister, 2019, S. 67).
Die Beischrift "nach Murer" in der Kartusche weist darauf hin, dass es sich um eine Nachzeichnung eines Scheibenrisses von Christoph Murer handelt (Gartenmeister, 2019, S. 66; Canestrini, 2000, S. 136). Demzufolge dürfte auch die identische Zeichnung in der Sammlung Wyss auf ein Originalriss Murers zurückgehen (Gartenmeister, 2019, S. 66).

Datierung
1601
Stifter:in

May, Bartholomäus (1567–1611) · Wattenwyl, Elisabeth von (1568–1611)

Stifter:in (strukturiert)
von Wattenwyl (Familie)

Provenienz

Eigentümer:in

Österreichische Nationalbibliothek Wien

Eigentümer:in (strukturiert)
Vorbesitzer:in

Ab 1605 Hans Rudolf Lando, Bern (1584–1646) · im 18. Jahrhundert Johann Caspar Lavater, Zürich (1741–1801) · 1828 Ankauf der Sammlung durch Kaiser Franz I. von Österreich, Wien (1768–1835)

Vorbesitzer:in (strukturiert)
Von 1605 bis 1646 (ca.): Lando, Hans Rudolf, Bern (Schweiz)

Bibliografie und Quellen

Literatur

Canestrini, A. (2000). Die Scheibenrisse der Sammlung J.C. Lavater in Wien. Katalogisierung und Klassifizierung. Diplomarbeit Universität Wien.

Ganz, P. L. (1966). Die Basler Glasmaler der Spätrenaissance und der Barockzeit. Basel/Stuttgart: Schwabe & Co.

Gartenmeister, M. (2019). "Erkauffdt durch mich HRLando", Der Glasmaler Hans Rudolf Lando als Sammler von Scheibenrissen. Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 76 (3), 51–74, https://doi.org/10.5169/seals-846965.

Hasler, R. (1996/1997). Die Scheibenriss-Sammlung Wyss. Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Bernischen Historischen Museum. Bern: Stämpfli und Cie AG.

Vorlage

Verschollener Riss Christoph Murers

Bildinformationen

Name des Bildes
AUT_Wien_OesterreichischeNationalbibliothek_SR_23
Fotonachweise
Österreichische Nationalbibliothek
Link zum Originalfoto

Zitiervorschlag

Gartenmeister, M. (2023). Riss zu Allianzwappenscheibe Bartholomäus May und Elisabeth von Wattenwyl. In Vitrosearch. Aufgerufen am 19. Oktober 2026 von https://vitrosearch.ch/objects/2722113.

Informationen zum Datensatz

Referenznummer
SR_23