Forschung
Beim Wappen dürfte es sich um das Wappen der Familie Kohler handeln (vgl. dazu Hasler, 1996/1997, 2. Bd., S. 92; Speich, 1984, S. 50; HBLS, 4. Bd., S. 526), und nicht, wie im Katalog der ZB angegeben, um das Wappen der Familie Fellenberg (Zentralbibliothek Zürich, o.J.).
Speich vermutet, dass der Scheibenriss ein Entwurf für eine männliche Wappenscheibe eines Doppelprojekts sei (Speich, 1984, S. 50). Wie Hasler jedoch festhielt, kann es sich beim fehlenden Pendantstück nicht um den Riss mit dem Wappen Michel der Sammlung Wyss (Bernisches Historisches Museum, BHM 20036.720) handeln. Dieser unterscheidet sich von der Komposition her durch die zwei grossen Personifikationen des Frühlings und des Sommers. Der etwas jüngere Scheibenriss mit dem Wappen Zehnder in der Graphischen Sammlung der Zentralbibliothek Zürich zeigt eine vergleichbare Komposition (Zentralbibliothek Zürich, A III 1, BE_7002). In den Eherodeln der Stadt Bern konnte jedoch keine Allianz zwischen Kohler und Zehnder in den Jahren 1582 bis 1601 nachgewiesen werden (Tauf- und Eherodel, Nr. V). Ob es sich beim Scheibenriss tatsächlich um die Hälfte einer Allianzstiftung handelt, bleibt somit offen.
Ein Scheibenriss von 1661 in der Sammlung Wyss im Bernischen Historischen Museum (BHM 20036.624) kopiert den Rahmen detailgetreu. Lediglich das Wappen und damit auch der Stifter wurden neu gestaltet. Es handelt sich um den Entwurf für eine Wappenscheibe für Abraham und Jakob Bitzius. Diese Wappenscheibe wurde, wie eine Kopie im Wappenbuch der Familie Bitzius (Burgerbibliothek Bern, Mss. h. h. LII. 96) von Johann Emanuel Wyss belegt, auch ausgeführt. Sie ist heute aber verschollen. Wyss führt im Wappenbuch aus, dass er das Wappen nach der originalen Wappenscheibe kopiert habe (Hasler, 1996/1997, 2. Bd., S. 92), folglich also nicht nach dem Scheibenriss.
Diese Kopie von 1661 des Risses von Dünz belegt, dass Vorlagen auch noch Jahrzehnte nach deren Entstehung verwendet wurden. Es ist davon auszugehen, dass der Scheibenriss zunächst im Besitz des Berner Glasmalers Hans Rudolf Lando war (Gartenmeister, 2019, S. 56) und, vielleicht nach dessen Tod 1646, in den Besitz eines weiteren Berner Glasmalers überging. Der Scheibenriss wurde wohl von Werkstatt zu Werkstatt weitergereicht. Wer 1661 den Riss und die Scheibe ausgeführt hat, und damit auch, wer zu dieser Zeit in Besitz des Scheibenrisses von Dünz war, ist heute nicht mehr bestimmbar.
Datierung
1600
Stifter:in