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BE_562: Standesscheibe Bern
(BE_Rüti_Ofenhaus_Bern)

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Titel

Standesscheibe Bern

Art des Objekts
Künstler / Hersteller
Herstellungsort
Datierung
1604
Masse
42.2 x 32.5 cm im Licht
Standort
Lage
Ratszimmer des Ofenhauses
Inventar

Ikonografie

Beschreibung

Vor dem Podium mit der Stifterinschrift erhebt sich die bekrönte Wappenpyramide Bern-Reich. Sie wird von zwei vor blauem Damastgrund auf dem Podium stehenden, in ihren Vorderpranken das Berner Banner beziehungsweise Reichsschwert und Reichsapfel haltenden Löwen begleitet. Über der Arkadenrahmung aus blauen Säulen und einem eingezogenen Flachbogen mit Kopfkartusche ist im Oberbild Simson als Träger der Stadttore von Gaza (Ri 16,3) und als Löwenbezwinger (Ri 14,5f.) dargestellt.

Iconclass Code
25F23(LION) · Raubtiere: Löwe
25F33(EAGLE)(+12) · Greifvögel: Adler (+ Wappentiere)
44B193 · Reichsapfel (als Symbol der obersten Gewalt; mit einem Kreuz bekrönt)
45C13(SWORD) · Hieb- und Stichwaffen: Schwert
46A122 · Wappenschild, heraldisches Symbol
71F325 · Samson tötet den Löwen mit seinen bloßen Händen
71F3631 · Samson trägt die Stadttore auf seinen Schultern bis auf den Gipfel eines Berges bei Hebron
Iconclass Stichworte
Heraldik

Wappen Bern, Reich; Banner Bern

Inschrift

1604 [?] Die statt Bernn.

Signatur

Keine

Technik / Zustand

Erhaltungszustand und Restaurierungen

Der rechte Löwe mit Ausnahme des Kopfes und die rechte Säule inklusive Kapitell neu ergänzt; Sprungbleie; die Verbleiung erneuert.

Restaurierungen 1689/90 Reparatur in Bern? Laut den Amtsrechnungen Bürens von 1689/89 wurden damals "die alten Fensterschilten us der Kirchen zu Rüthi nach Bern geschickt" (Heinz Matile, in: Kartei Ortskatalog Glasgemälde, BHM Bern). Anlass zur Überführung bot wohl eine Reparatur. Ob zu den "Fensterschilten" auch das vorliegende Glasgemälde gehörte, ist jedoch nicht gesichert. Um oder bald nach 1900 Einsetzen von Ergänzungen. Nach Ludwig Gerster war gegen Ende des 19. Jahrhunderts der rechte Löwe mit Ausnahme des Kopfes vollständig ausgebrochen. Die entsprechenden Lücken zeigt die Scheibe auf dem alten Foto des Schweizerischen Nationalmuseums in Zürich (Foto-Neg. 9016). Die fehlenden Gläser dürften im frühen 20. Jahrhundert ergänzt worden sein.

Technik

Farbloses und farbiges Glas; rotes Überfangglas mit rückseitigem Ausschliff; Bemalung mit Schwarzlot, Silbergelb sowie blauer und violetter Schmelzfarbe.

Entstehungsgeschichte

Forschung

Das Glasgemälde wird heute zusammen mit der aus dem 19. Jahrhundert stammenden, 1546 datierten Berner "Stiftsscheibe" in dem wahrscheinlich im 17. Jahrhundert errichteten Ofenhaus neben der Kirche von Rüti bei Büren aufbewahrt. In den 1890er Jahren befand es sich gemeinsam mit dieser noch im östlichen Chorfenster derselben (Thormann/von Mülinen 1896; so auch Gerster [nach 1892] und von Mülinen [1893]). Die Kirche von Rüti dürfte demnach sein ursprünglicher Standort gewesen sein. Wann Bern die Stiftung dorthin machte, ist aufgrund der durch ein Notblei verdeckten dritten Ziffer der Jahreszahl umstritten. So ist dieselbe laut Gerster "1604" zu lesen, laut von Mülinen "1614" und laut Thormann/von Mülinen "1664". Die alte Aufnahme des Schweizerischen Nationalmuseums in Zürich (Foto-Neg. 9016), welche anstelle des Notbleies noch den Glassprung zeigt, lässt jedoch die Annahme zu, dass die ausgebrochene Ziffer eine "0" war. Die Scheibe dürfte somit 1604 entstanden sein. Obwohl aus den Jahren um 1604 keine Nachrichten über Umbauarbeiten in der Kirche von Rüti vorliegen, bildeten solche vielleicht den Stiftungsanlass für Bern. Es könnte aber auch sein, dass die Bernscheibe von 1604 eine ältere, zu Schaden gekommene zu ersetzen hatte (s. u.). In welcher Werkstatt sie damals in Auftrag gegeben wurde, muss offen bleiben. Sicher unzutreffend ist die wahrscheinlich auf Hans Lehmann zurückgehende Zuschreibung an den Berner Glasmaler Hans Huber (Foto Schweizerisches Nationalmuseum Zürich), der 1604 nicht mehr am Leben war († 1598). Laut den Berner Seckelmeisterrechnung von 1689 erhielt damals Hans Jakob Güder 61 Pfund "für mrgh. Ehrenwappen In das nüw gemachte Chor zu Rüti" (Keller-Ris 1915, S. 169). Nach den Amtsrechnungen Bürens von 1689/90 wurden gleichzeitig "die alten Fensterschilten us der Kirche zu Rüthi nach Bern geschickt." (Staatsarchiv Bern, Auszüge aus den Amtsrechnungen von Dr.Marti-Wehren, Kopien im Vitrocentre Romont). Man darf somit annehmen, dass der Berner Glasmaler Güder damals in seiner Werkstatt für die 61 Pfund einerseits neue Glasgemälde herzustellen sowie alte zu reparieren hatte. Ob damals allenfalls auch Berns Stiftung von 1604 zur Reparatur in Güders Berner Werkstatt kam, muss offen bleiben (heute lassen sich darin keine alten, sondern nur neue Ergänzungen ausmachen). Bei den von Güder 1689 neu geschaffenen Glasgemälden könnte es sich um die Wappenscheiben der vier Venner und des Seckelmeisters von Bern gehandelt haben. Scheiben dieser Berner Amtmänner gelangten 1680/81 beispielsweise ebenfalls in die Kirche von Nidau, wo sie sich zu den beiden 1607 dorthin gestifteten Bernscheiben gesellten. Bis um 1890 existierte in der Kirche von Rüti bei Büren noch eine spätgotische Figurenscheibe mit dem hl. Vinzenz, und zwar in einem Fenster des Schiffes (Thormann/von Mülinen 1896)! Dieses ursprünglich kaum in einem Fenster des Schiffes, sondern im Chorfenster eingesetzte Glasgemälde wurde damals aus der Kirche entfernt und über die Sammlung Angst gelangte es 1903 ins Schweizerische Nationalmuseum in Zürich (Inv. IN 6918, 42,4 x 32 cm; Schneider 1971, Bd. I, Kat.-Nr. 115). Die betreffende, von Hans Lehmann mit Hans Funk in Verbindung gebrachte Vinzenzenscheibe wurde um 1510 vom Berner St. Vinzenzenstift in die Kirche von Rüti bei Büren verehrt (Lehmann 1914, S. 319f.; Tremp-Utz 1985, S. 193). Als Pendant dazu kam damals dorthin wohl auch eine Berner Standesscheibe, die später in die Brüche ging und durch die vorliegende (in den Massen mit der Vinzenzenscheibe übereinstimmende) ersetzt werden musste.

Datierung
1604
Stifter

Bern, Stand

Ursprünglicher Standort
Herstellungsort
Eigentümer

Die Unterhaltspflicht der zwei 1903 im Chor der Kirche von Rüti befindlichen Glasgemälde damals vom Staat Bern zusammen mit dem Chor an die Kirchgemeinde abgetreten (nach dem am 1. April 1940 überarbeiteten Verzeichnis der Glasgemälde in den Kirchenchören des Kantons Bern, erstellt 1936 von B. v. Rodt; Staatsarchiv Bern, Inv. BB 05.7.343).

Bibliografie und Quellen

Literatur

Ludwig Gerster, Bernische Kirchen, Manuskript im Eidgenössischen Archiv für Denkmalpflege, (Kappelen nach 1892).

Egbert Friedrich von Mülinen, fortgesetzt von Wolfgang Friedrich von Mülinen, Beiträge zur Heimathkunde des Kantons Bern deutschen Theils, Sechstes Heft. Das Seeland, Bern 1893, S. 468.

Franz Thormann/Wolfgang Friedrich von Mülinen, Die Glasgemälde der bernischen Kirchen, Bern o. J. [1896], S. 83 (hier 1664 datiert).

Heinrich Oidtmann, Geschichte der Schweizer Glasmalerei, 1905, S. 236 (hier 1664 datiert).

Rüti bei Büren. Eine Dokumentation zur Geschichte unseres Dorfes, in: Hornerblätter 1988, Farbabb. S. 41.

Vgl.

Hans Lehmann, Die Glasmalerei in Bern am Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts, in: Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde NF 16/1914.

J. Keller-Ris, Die Fenster- und Wappenschenkungen des Staates Bern von 1540 bis 1797, in: Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde NF 17/1915.

Dr. Marti-Wehren, Auszüge aus den Amtsrechnungen im Staatsarchiv Bern (Kopien im Vitrocentre Romont).

Jenny Schneider, Glasgemälde. Katalog der Sammlung des Schweizerischen Landesmuseums Zürich, 2 Bde., Stäfa o. J. [1971].

Kathrin Tremp-Utz, Das Kollegiatstift St. Vinzenz in Bern, Bern 1985.

Weiteres Bildmaterial

BHM Bern, Neg. 1 (29187); SNM Zürich, Neg. 9016 (Hans Huber)

Bildinformationen

Name des Bildes
BE_Rüti_Ofenhaus_Bern
Fotonachweise
© Vitrocentre Romont
Aufnahmedatum
2015
Copyright
© Reformierte Kirchgemeinde Rüti bei Büren

Inventar

Referenznummer
BE_562
Autor und Datum des Eintrags
Rolf Hasler ; Sarah Keller 2016
Version 1.2 Objekte | Künstler | Werkstätten | Gebäude / Institutionen